27.11.2020 - 16:01 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Neuer Geschäftsführer von Kondrauer: Regional und nachhaltig in ruhige Gewässer

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Hinter Kondrauer Mineralbrunnen liegen turbulente Zeiten. Höhepunkt war Anfang des Jahres die Produktionsverlagerung von Waldsassen nach Naila. Kein leichter Einstieg für den neuen Geschäftsführer Bernd Raebel.

Bernd Raebel ist seit Oktober der alleinige Geschäftsführer von Kondrauer. Sein Büro hat er im Verwaltungsgebäude in Waldsassen.
von Martin Maier Kontakt Profil

Wenn jemand in Deutschland „Uhu“, „Tesa“ oder „ein Tempo“ verlangt, weiß jeder, was gemeint ist. Genauso ist es im Stiftland und auch darüber hinaus, wenn einer ein „Kondrauer“ bestellt. Der Gast will dann ein Mineralwasser, auch wenn es nicht unbedingt ein echtes Kondrauer ist. Der Markenname steht für ein Produkt.

Daher war es kaum verwunderlich, dass die Empörung groß war, als der damalige geschäftsführende Gesellschafter Jonas Seidl und Geschäftsführer Ralf Brodnicki Ende März 2019 die Produktionsverlagerung von Waldsassen nach Naila verkündeten. Der Umzug ist mittlerweile vollzogen. Kondrauer Mineralwasser kommt aus einer oberfränkischen Quelle. Was sich noch verändert hat: Brodnicki ist nicht mehr im Unternehmen. Und auch Seidl hat sich aus der Geschäftsführung zurückgezogen. Mit Bernd Raebel gibt es einen neuen, alleinigen Geschäftsführer.

Im März 2019 gab Kondrauer die Verlagerung der Produktion nach Naila bekannt

Waldsassen

Viel Erfahrung in der Branche

Schon Anfang des Jahres war der 60-Jährige als Berater zu Kondrauer gestoßen. Er sollte Seidl bei der Produktionsverlagerung unterstützen. „Die Planung und die Operationalisierung für den Umzug waren sehr aufwendig“, erklärt Raebel im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Aus der Zusammenarbeit wurde aber mehr. Mitte 2020 rückte er in die Geschäftsführung auf. Und seit Oktober leitet er das Unternehmen alleine. Seidl ist in seine Heimatstadt München zu Giesinger Bräu gewechselt. Diesen Schritt kann Raebel nachvollziehen. Schließlich sei Seidl ein „Ur-Münchner“ und habe auch seine Familie dort.

Jonas Seidl arbeitet nun bei Giesinger Bräu

Waldsassen

Der neue Mann ist seit rund 20 Jahren in der Branche unterwegs. Dabei habe es auch immer wieder Berührungspunkte mit Kondrauer gegeben. Schließlich ist Kondrauer genauso wie sein früherer Arbeitgeber Aqua Römer Lizenznehmer von Deit. Diese Marke bezeichnet der 60-Jährige als „ganz wichtiges Standbein“ für Kondrauer. Schließlich decke das Unternehmen damit einen Großteil von Bayern ab.

Raebel war von 2014 bis 2017 Geschäftsführer bei der Getränkegruppe Hövelmann (unter anderem Sinalco und Staatl. Fachingen). Davor war er 14 Jahre lang Geschäftsführer bei Aqua Römer. Zudem bekleidete er mehrere Führungspositionen bei der Carl-Zeiss-Gruppe sowie bei Microsoft im In- und Ausland.

2020 als Jahr des Umzugs

Die Produktionsverlagerung nach Oberfranken mit der Erschließung der neuen Quelle bezeichnet Raebel als „mutigen, aber notwendigen Schritt“. Hinter dem Umzug stehe er komplett. „Jeder Unternehmer, der weiß, welche eingeschränkten Möglichkeiten es an Wasser gibt, hätte diesen Schritt gemacht“, spielt er auf die immer wieder vorgebrachten geringen Quellressourcen in Waldsassen an. Gerüchten, dass dieses Argument falsch sei, tritt er vehement entgegen: „Die Quellschüttung war definitiv nicht ausreichend, um hier zu bleiben.“ Raebel verstehe aber, dass dieses Vorgehen keinen erfreut habe, „da man ja seine Wurzeln verlässt“.

Zudem sei es nicht darum gegangen, die Profitabilität zu steigern. „Schließlich hat der Umzug, der noch nicht komplett abgeschlossen ist, einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet.“ Aber natürlich hoffe man, von Synergieeffekten in Naila zu profitieren. Dort wurde die Mannschaft in Kombination mit Frankenwald-Mineralbrunnen fast verdoppelt: von 50 auf rund 100 Mitarbeiter. 5 Kollegen aus Waldsassen traten den Weg nach Oberfranken mit an.

In Naila könne Kondrauer auch auf eine Top-Quelle zugreifen: „Die Qualität ist absolut frei von umweltschädlichen Einflüssen“, stellt er fest. Corona habe die komplette Produktionsverlagerung etwas verzögert. „Die Infrastruktur war nicht rechtzeitig fertig“, gibt Raebel zu. Daher spricht er von 2020 als „Jahr des Umzugs“. 2021 stehe dann unter der Überschrift „Vertraut machen mit dem neuen Standort“. Grundsätzlich müsse sich erst alles einspielen.

Drehscheibe für Renovierarbeiten

Eine alte Glasanlage steht noch in Waldsassen. Diese soll verkauft werden. Die Gebäude will Kondrauer behalten. Aber es gibt eine Neuigkeit: „Wahrscheinlich nehmen wir Abstand von einer großen Verpachtung.“ Das Unternehmen ist daher auf der Suche nach mehreren kleineren Pächtern, die Platz zum Einlagern oder zum Renovieren von Eigentum, beispielsweise Fenster oder Fußböden, brauchen. „Das ist ein boomender Markt. Hier könnte sich eine Art Drehscheibe entwickeln“, ist sich Raebel sicher.

Wichtig ist dem Geschäftsführer, dass Kondrauer zu seiner Herkunft steht. „Wir bleiben ein regionales Unternehmen, das hier seine Geschichte hat“, bekennt er. Daher haben Verwaltung und Vertrieb mit rund 25 Mitarbeitern den Sitz weiterhin in der Klosterstadt.

Wir wollen keine Lebenswelt vermitteln, sondern eine Alleinstellung.

Kondrauer-Geschäftsführer Bernd Raebel

Als große Stärke sieht Raebel, dass Kondrauer zu 100 Prozent auf Mehrweg setzt. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal. Wir produzieren kein Einweg.“ Daher wolle er künftig noch mehr das Thema Nachhaltigkeit herausarbeiten. Schließlich werde beispielsweise eine Wasserflasche rund 50 Mal verwendet. „Wer etwas für die Umwelt tun möchte, ist bei Kondrauer gut aufgehoben“, beschreibt der Geschäftsführer den neuen Ansatz.

Abschied von "Bayern-Strategie"

Zudem ist ihm die Regionalität wichtig. „Darauf konzentrieren wir uns“, macht er deutlich, dass sich Kondrauer von der in den vergangenen Jahren eingeschlagenen „Bayern-Strategie“ verabschiedet. „Wir wollen keine Lebenswelt vermitteln, sondern eine Alleinstellung“, betont er.

Das Unternehmen werde wieder viel mehr auf die Region blicken. Das Stamm-Absatzgebiet von Kondrauer sei in einem Umkreis von rund 70 Kilometern. Das gelte aber natürlich nicht für die Marke Deit. Letztendlich hofft Raebel, dass sich die Emotionen bei den Konsumenten etwas gelegt haben. „Wir wollen uns auf unsere Stärken konzentrieren“, gibt er die Richtung vor. Diese würden bei Kondrauer im regionalen Bereich liegen. Und der Chef geht da mit guten Beispiel voran: Schließlich ist er mit seiner Familie ins Stiftland, nach Egerteich, gezogen.

Der Wechsel nach Naila kam bei den Kunden im Stiftland nicht gut an

Waldsassen

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.