19.05.2021 - 11:14 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Vogelstimmenwanderung in Waldsassen: Trällern und Klappern am frühen Morgen

Bei einer Exkursion im Klostergarten der Abtei Waldsassen gaben jetzt Vögel den Ton an, im wahrsten Sinne. Was es am frühen Morgen in der Natur zu hören und zu sehen gibt, brachte die Teilnehmer ins Staunen.

Roland Bönisch (Zweiter von links) leitete eine Vogelstimmenwanderung im Klostergarten Waldsassen. Von dieser Brücke aus konnte mit Ferngläsern so mancher Singvogel in den Bäumen entdeckt werden.
von Ulla Britta BaumerProfil

"Amsel, Drossel, Fink und Star und die ganze Vogelschar ...", heißt es in einem bekannten Kinderlied. Natürlich nicht alle, aber viele heimische Arten waren jetzt bei einer Vogelstimmenwanderung im Klostergarten Waldsassen zu hören und zu sehen.

Brigitte Sommer hieß die kleine Teilnehmergruppe im Namen des Kultur- und Begegnungszentrums der Abtei Waldsassen am frühen Morgen willkommen. Als Leiter der Exkursion fungierte der Vogelkundler Roland Bönisch, der im Landesbund für Vogelschutz (LBV) und im Bund Naturschutz aktiv ist. Der 59-Jährige gibt sein über viele Jahre hinweg angesammeltes Wissen regelmäßig in Vorträgen oder bei Wanderungen preis.

Bönisch erklärte eingangs, dass Singvögel vor allem in den Morgenstunden intensiv trällern. Später sind sie dann mit Nestbau und Brutpflege beschäftigt. Wie er weiter informierte, beherrschen Singvögel nicht nur ein paar Töne. Amsel, Drossel, Fink, Star und andere können sich mit kurzen oder längeren und auch wiederholenden Strophen ausdrücken.

Wissen in der Jugend angeeignet

Bönisch, sprichwörtlich ausgestattet mit Augen und Ohren wie ein Luchs, bestimmte in Sekundenschnelle, welcher Vogel gerade Laute produzierte und wo er sich in etwa befand. Das alles, so erzählte er, habe er sich schon im Alter von 13 Jahren in unzähligen Stunden draußen in der Natur angeeignet. "Denn damals gab es dafür keine CD- oder Handy-Aufzeichnungen."

Kaum entdeckte der Exkursionsleiter zum Beispiel eine Mönchsgrasmücke, bewegten sich die Köpfe der Teilnehmer, darunter auch Insider, in die gleiche Richtung. Ferngläser wurden gezückt, Tagebücher geöffnet. Gut 20 Singvogelarten habe Bönisch bereits direkt vor der Wanderung gegen 6 Uhr im Garten gezählt, wie er berichtete. Viele davon sangen dann auch während der gemeinsamen Wanderung immer wieder. Kein Wort war zwischenzeitlich mehr zu hören, keine Schuhsohle knirschte mehr auf den sandigen Wegen, wenn Dompfaff, Kleiber oder Amsel Lieder trällerten. Roland Bönisch kennt sie ausnahmslos alle. Der Experte dokumentiert den Vogelbestand im Klostergarten schon seit der Gründung der Umweltstation.

Warnruf der Mönchsgrasmücke

Die Teilnehmer lernten unter anderem, woher der Kleiber seinen Namen hat und dass der Grünspecht ausgesprochen laut seinen Unmut kundtun kann, wenn er etwa am frühen Morgen von einer Menschengruppe gestört wird. Von einer Brücke über die Wondreb aus konnte ein Kleiber beobachtet werden, wie er munter singend einen Baumstamm hinauflief. Wenig später spitzte ein Feldsperling frech vom Gartenschulhausdach herab. "Taktak", ließ dazwischen eine Mönchsgrasmücke erklingen. "Ein Warnruf", wusste Bönisch. Wenig später sang ein Girlitz.

Überraschung zum Schluss

Kann ein Storch eigentlich auch singen? Gerne beantwortete Bönisch Fragen wie diese. Der Storch könne nur klappern, sagte er und bedauerte gleichzeitig das Ausbleiben von "Meister Adebar" in diesem Jahr in Waldsassen. Nur kurze Zeit später war ein lautstarkes Klappern von einem Kamin des Klosters zu hören, was lautes Lachen in der Gruppe auslöste. "Ein älteres Tier", wusste Bönisch nach einem kurzen Blick auf den Storch. Ob der noch ein Nest in Waldsassen baut, wo extra ein neuer Korb installiert wurde, ist aber ungewiss. Immerhin sorgte der Storch am Ende der Exkursion für eine schöne Überraschung.

"Damals hat es dafür keine CD- oder Handy-Aufzeichnungen gegeben."

Roland Bönisch über das Lernen von Vogelstimmen in der Natur in seiner Jugendzeit

Klostergarten Waldsassen wieder geöffnet

Waldsassen

 

 

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