10.05.2022 - 10:38 Uhr
WaldthurnOberpfalz

Firmenchef wirbt leidenschaftlich für Erweiterungsbau in Waldthurn

Beinahe flehentlich wendet sich Alexander Riedl an die vor ihm sitzenden Anwohner seiner Holzbau-Firma: "Sagt's mir, was ich machen soll?" Er weiß, was er ihnen mit seiner riesigen Halle vorsetzt. Aber er scheint das Eis brechen zu können.

von Gabi EichlProfil

Nach eineinhalb Stunden wendet sich das Blatt, eine Viertelstunde später sagt ein Anwohner der Holzbau-Firma, der vorher noch beklagt hatte, sein Haus sei nach dem Bau der neuen Fertigungshalle nichts mehr wert: „Wenn du das so umsetzt, wie du uns gezeigt hast, dann können wir leben damit.“ Hat Alexander Riedl es geschafft, die Anwohner von seinen Erweiterungsplänen zu überzeugen? Am Ende einer knapp zweistündigen Informationsveranstaltung in der Halle des Bauhofs gleich neben der Holzbau-Firma sieht es ganz danach aus. Bürgermeister Josef Beimler, der zu dem Treffen beider Parteien eingeladen hat, ist zufrieden mit den Gesprächen.

Holzbau Riedl will auf der Wiese im Anschluss an das Firmengelände eine etwa 3000 Quadratmeter große zusätzliche Fertigungshalle bauen. Die Gemeinde unterstützt das Vorhaben mit der Ausweisung eines Gewerbegebietes mit Einschränkungen. Die Einschränkungen deshalb, weil das Gewerbegebiet zwischen den Wohngebieten Hopfengarten und Haselranken liegt. Und weil die dortigen Anlieger bisher auf eine Wiese und eine dahinterliegende Hecke geschaut haben und nicht auf das Dach oder die Mauern einer Produktionshalle, ist heftiger Protest entbrannt. Anonyme Briefe werden hin- und hergeschickt, fast 30 Anwohner haben gegen das Vorhaben unterschrieben.

Sichtlich nervös

Als Riedl an diesem Vormittag zu sprechen anfängt, ist seine Aufregung nicht zu übersehen. Vor ihm sitzen Männer und Frauen, die er alle persönlich kennt. Immer schon. Riedl ist hier „der Alex“. Und plötzlich soll er der Feind sein? Man sieht ihm an, und er verhehlt es nicht, wie sehr er mit dem plötzlichen Bild hadert. Wie sehr ihm das zusetzt. Der Bürgermeister hält sich im Hintergrund, der Planer Klaus-Peter Fels von der Ingenieurberatung Weiden stellt wie schon im Gemeinderat technische Details der Pläne vor, der Landschaftsarchitekt Matthias Rembold ist anwesend für den Fall, dass er Fragen beantworten soll, was nicht der Fall ist. Der Mann, der an diesem Vormittag den Kahn in seine Richtung zu lenken vermag, ist allein Firmenchef Riedl - „der Alex“.

Riedl will vor Ort bleiben

Riedl könnte, wie er sagt, auch in Vohenstrauß ein Gewerbegrundstück für seine neue Halle kaufen. Aber dann müssten Lastwagen zwischen Waldthurn und Vohenstrauß oder einem anderen Gewerbegebiet in der Nähe hin- und herfahren, mehr Mitarbeiter als bisher müssten pendeln. Alles andere als umweltfreundlich. Vor allem aber: Der Waldthurner will nicht weg aus seiner Gemeinde. Riedl weiß, so sagt er immer wieder an diesem Vormittag, was er den Anwohnern rundum zumutet. Die Halle wird groß, aber sie sei zwingend notwendig, um seinen rund 70 Mitarbeitern auf Dauer einen Arbeitsplatz zu sichern. Ohne den Neubau sei die Firma auf längere Sicht nicht konkurrenzfähig. Wie der Bürgermeister vorher gesagt hatte, habe die Gemeinde im Moment keine Möglichkeit, anderswo Gewerbeflächen auszuweisen. Beimler ist nach eigener Aussage unablässig auf der Suche nach Flächen, aber aktuell sei nichts zu bekommen.

Riedl kann also nur, und das sagt er mehrmals zu seinen Zuhörern, auf der Wiese zwischen Haselranken und Hopfengarten bauen oder er muss mit seinem Vorhaben in eine andere Gemeinde ausweichen. Das wollen viele Anwohner, die um ihre freie Sicht, um Lärmbelästigung oder Wasser in ihren Kellern fürchten, aber auch nicht. Die Arbeitsplätze, die Riedl schafft, haben durchaus Gewicht. Die Sorge vor einer Lärmbelästigung wird eine ganze Weile diskutiert, löst sich am Ende aber auf, als sich zeigt, dass eine Mehrzahl der Anwesenden zugeben muss, dass der Bauhof eine deutlich größere Lärmquelle ist als die Holzbau-Firma. Sogar aus Schule und Kindergarten gleich daneben scheint mehr Lärm zu kommen als aus der bestehenden Riedl-Halle.

Bäume sollen Halle verdecken

Die freie Sicht auf die Wiese kann Riedl den Anwohnern nicht erhalten, aber er verspricht ihnen: "Ich kann keine Luftnummer daraus machen, es ist eine Beeinträchtigung. Aber ich mach's euch so schön wie nur möglich." Damit ist nicht nur die Halle gemeint, die laut Riedl zu einem optischen Aushängeschild werden soll. Die verbleibende Grünfläche soll parkartig angelegt werden mit vielen Bäumen, die Halle selbst hinter Bäumen verschwinden. In einem kleinen Ort in der Nähe von Augsburg hat Riedl einen wesentlich größeren Betrieb mit mehreren Hallen gesehen, der so von Bäumen abgeschirmt ist, dass man die Hallen kaum mehr sieht. Das möchte er den kritischen Anwohnern gern vor Ort zeigen. Er bietet mehrmals an, gemeinsam dorthin zu fahren: "Bitte schaut's euch das mit mir an."

Nicht eindeutig geklärt ist am Ende die Sache mit dem Überschwemmungsgebiet, die auch das Wasserwirtschaftsamt in seiner ersten Stellungnahme zur Ausweisung des Gewerbegebietes moniert hat. Planer Fels will darauf nicht mehr eingehen, verweist auf Fachgespräche. Das Gebiet sei "kein Überschwemmungsgebiet", sagt er und bezieht sich wenig zufriedenstellend für die Zuhörer auf notwendige Festsetzungen im Bebauungsplan.

Die Anwohner halten nicht viel von der Erweiterung

Waldthurn
 
 

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