16.04.2021 - 14:07 Uhr
WaldthurnOberpfalz

Waldthurn: Bader übernimmt auch Leichenschau

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Frisöre schneiden in der Coronakrise nicht besonders gut ab. Bei einer solchen Pandemie wären früher aber wohl auch dem Bader die Hände gebunden gewesen.

Symbolbild
von Franz VölklProfil

Was ein approbierter Bader ist, wissen nur noch die ganz Alten. Dabei spielte er früher in jedem Ort eine wichtige Rolle, weiß der Oberbernriether Heimatforscher Georg Schmidbauer. Die Bader sind eine alte Zunft. Sie waren ursprünglich in den mittelalterlichen Badstuben die Bademeister, sie hielten Knechte, Mägde, Gesellen und Lehrlinge. Sie schnitten aber auch die Haare und den Bart, setzten Schröpfköpfe, schnitten Hühneraugen und renkten verstauchte Glieder wieder ein.

Der Bader kurierte sogar Beinbrüche. In eigener Verantwortung ließen sie mit Hilfe von Blutegeln zur Ader, öffneten und verbanden Abszesse, stachen aber auch Löcher für Ohrringe. Solche trugen auch vielfach Männer, da dies für die Augen gut sein soll. Mit Erfolg bekämpfte der Bader auch das Wasser in den Beinen der Frauen und das Podagra (Gicht im großen Zeh) oder Zipperlein der Männer. Auch maroden Zähnen rückte er mit seiner Zange zu Leibe.

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Darüber übte er bis über den Ersten Weltkrieg hinaus auch die Leichenschau aus. Die Vorkenntnisse für diese niederen ärztlichen Dienste holte er sich in einer dreijährigen Lehrzeit bei einem approbierten Bader, an die sich nach bestandener Baderprüfung ein Unterrichtskurs für Badergehilfen an einem größeren Krankenhaus in Regensburg anschloss. Die hierbei erworbenen Kenntnisse mussten in einer strengen Prüfung vor einer staatlichen Approbationskommission nachgewiesen werden. Wer dieses Examen bestand, erhielt die Approbation, also die Zulassung, und durfte sich „approbierter Bader“ nennen.

Wie schon erwähnt, betätigte sich der Bader auch als Verschönerungskünstler, nämlich als Friseur, vornehmlich bei Männern und Buben. Er schnitt die Haare mit der Schere, später mit einer Handschneidemaschine. Besonders blühte das Geschäft des Baders nach einer zünftigen Kirchweihrauferei, wenn es galt, die Verwundeten zu versorgen, erzählt Schmidbauer. Wie viele andere Berufe gehört auch der Bader der Vergangenheit an. In Waldthurn war Ludwig Bergmann der letzte approbierte Bader, der gerne und voller Stolz seine Approbationsurkunde präsentierte. Mit seinem Tod 1985 endete eine lange Tradition im Markt.

Hintergrund:

Bader in Waldthurn

  • 1630: Kaspar Wallenreuther betrieb Badstube, 1661 als Bader erwähnt
  • 1705: Hans Georg Riederer (Bader und Wundarzt)
  • 1725: Johann Michael Übl (Bader und Wundarzt)
  • 1764: Johann Balthasar Rupp (Bader und Chirurg)
  • 1770: Thomas Übl (Bader und Wundarzt), auch dessen Sohn Wenzl wirkte als Bader
  • 1801: Johann Weber (Landarzt und Chirurg)
  • 1841: Christian Weber (Landarzt)
  • 1870: Thomas Weber (Bader)

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