11.11.2021 - 17:37 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

2G und Infektionszahlen bescheren Impfzentren Nachfrage-Boom

Die steigenden Zahlen von Corona-Infektionen bescheren den Impfzentren wieder mehr Nachfrage. Manche kommen zum ersten Mal, andere zum dritten Mal. Letztere haben die Sorge, dass sie noch einmal weggeschickt werden könnten.

Das Impfzentrum Weiden bietet weiterhin in reduziertem Maß Erst-, Zweit-, und Drittimpfungen an.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Von Wiebke Elges, Holger Stiegler, Wolfgang Würth und Alexander Pausch

Vor dem Impfzentrum in Weiden hat sich am Donnerstagnachmittag eine Schlange gebildet. Drei Dutzend Männer und Frauen warten, bis sie an die Reihe kommen. Darunter eine 63-jährige Lehrerin, die sich Boostern lassen möchte. "Hoffentlich werde ich nicht wieder weggeschickt", sagt sie. Ihr fehlen noch zweieinhalb Wochen, bis die Corona-Impfung genau sechs Monaten zurückliegt. Die medizinische Empfehlung für das Boostern, also die Auffrischungsimpfung, lautet: nach sechs Monaten. Die Pädagogin versucht es trotzdem, denn die Entwicklung in den Schulen bereitet ihr Sorgen.

Unter den Wartenden steht auch ein 58-jähriger Weidener, der bislang keine Notwendigkeit gesehen hat, sich impfen zu lassen. Er arbeite ausschließlich im Homeoffice, gehe einmal in der Woche zum Einkaufen und sehe nur seine Familienmitglieder, erklärt er. Impfen ist für ihn eine höchstpersönliche Entscheidung. Der Weidener ärgert sich, wenn er im Bekanntenkreis als unsozial kritisiert werde. "Wenn ich mehr Kontakte hätte, hätte ich mich schon früher impfen lassen." Dass er die Gefahr von Corona-Erkrankungen ernst nimmt, zeigt seine Erzählung von erkrankten Familienmitgliedern. Jetzt will er seine Bewegungsfreiheit wiedergewinnen, er will zum Jahreswechsel in den Urlaub fahren – "wenn es dann möglich ist", sagt er. Dafür braucht er die Impfung.

Der Weidener ist nicht der einzige, der sich jetzt erst um die Erstimpfung bemüht. Etwas weiter vor ihm steht eine 20-Jährige, die für die Zweitimpfung ansteht. In den vergangenen Tagen hatten sich sogar Bürger aus den Jahrgängen 1935, 1936 und 1937 eine Erstimpfung abgeholt. In Weiden und im Kreis Neustadt sind die Erstimpfungen insgesamt, also im Impfzentrum bei niedergelassenen Ärzten und Betriebsärzten deutlich gestiegen, von 378 vom 28. Oktober bis 3. November auf 606 von 4. November bis 10. November. Eine Zunahme gibt es auch Landkreis Schwandorf.

Impfung vor der Haustür

Auch in Kemnath (Kreis Tirschenreuth) bietet sich am Donnerstag ein Bild, das ungewohnt ist: Schlangen vor dem Impfzentrum und das damit verbundene Interesse auf eine Booster- oder eine Erstimpfung. Die mobile Impfstation im Landkreis macht im Zuge ihrer Herbsttour Halt in der Mehrzweckhalle. Zur Öffnung der Türen hatte sich schon eine Schlange von Impfwilligen gebildet. Eine, die sich ihre Booster-Impfung holte, war Katrin Schwindl aus Kulmain (Kreis Tirschenreuth). „Ich bin im Februar geimpft worden“, erzählte die Medizinische Fachangestellte, die in einer Arztpraxis beschäftigt ist. Sie habe gar nicht groß drüber nachdenken müssen, ob sie sich jetzt eine Auffrischung holt. „Ich will mich schützen und ich will andere schützen – und in dem Beruf, in dem ich tätig bin, sowieso“, sagt Schwindl. Wenn es dieses Impfangebot praktisch vor der Haustür gibt und man spontan kommen kann, dann sei dies eine gute Sache.

Ähnlich sieht es eine rüstige Seniorin aus Immenreuth (Kreis Tirschenreuth): Sie ist im Mai geimpft worden. „Wenn ich mir die Entwicklung aktuell anschaue, dann will ich das machen, was ich tun kann, um mich und andere zu schützen“, erzählt sie. Die Auffrischungsimpfung sei dafür auf alle Fälle der richtige Weg.

Tirschenreuther hoffen auf mehr Personal

Auch beim BRK im Kreis Tirschenreuth bemerkt man mehr Interesse an der Impfung. "Seit Mittwoch geht es bei uns so richtig rund", sagt Tirschenreuths BRK-Geschäftsführer Holger Schedl zum neuen Andrang am Impfzentrum in Waldsassen (Kreis Tirschenreuth). Etwa zu zwei Drittel wollen sich die Menschen eine Boosterspritze abholen. Aber auch die Zahl der Erstimpfungen steige deutlich, sagt Schedl. Es sei wohl der Druck, der von der 2G-Regel ausgeht, der vom Impfen überzeuge.

Viele seien aber auch überrascht, wie heftig die Pandemie nochmals zuschlägt. "So viele Erstimpfungen wie am Mittwoch hatten wir seit August nicht mehr", sagt Schedl zur Konsequenz aus dieser Kombination. Schon in den Tagen davor war zu bemerken, dass wieder mehr Impfwillige kommen. Am Mittwoch mussten die Menschen dann bis zu drei Stunden warten. Das liege auch an den seit Oktober eingeschränkten Öffnungszeiten. "Seither sind wir kein Impfzentrum mehr, nur noch Impfbasis", erklärt Schedl. Das bedeute kürzere Öffnungszeiten und weniger Personal. Kurzfristig lasse sich der Engpass durch mehr Einsatz ausgleichen: "Am Mittwoch haben wir 350 Impfungen durchgeführt, eigentlich sind nur 120 pro Tag vorgesehen." Schedl hofft aber, dass bald das Okay aus München kommt, um wieder mehr Personal einsetzen zu können.

Rund 2500 Anrufe wegen Impfung pro Tag

Im Amberg und im Landkreis Amberg-Sulzbach gehen die Impfzentrumsbetreiber noch einen Schritt weiter. Wegen des hohen Andrangs sind in den beiden Impfzentren keine spontanen Termine mehr möglich, sagt Sebastian Schaller vom Bayerischen Roten Kreuz in Amberg. "Dort, wo Impfungen ohne Terminvereinbarungen möglich sind, kommt es im Moment oft zu langen Schlangen. Kundinnen und Kunden müssen dann stundenlang in der Kälte auf ihre Impfung warten, oft trotz vereinbartem Termin." Das will er weitestgehend vermeiden und verweist auf die Registrierung im bayerischen Impfportal www.impfzentren.bayern. Prinzipiell gehe die Terminvereinbarung auch per Telefon, sagt Schaller. Aber derzeit gebe es mit 2500 Anrufen pro Tag zu viele Anfragen. "Wir bekommen momentan deutlich mehr Anrufe, als wir bearbeiten können."

So sieht es im Kreis Amberg-Sulzbach aus

Amberg

Sie sieht es n Weiden aus

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Bayerische Impfkampagne

  • Es gibt keine Impfpflicht, die Impfung gegen das Coronavirus ist freiwillig.
  • Die bayerische Staatsregierung empfehlt jedoch jedem, sich impfen zu lassen, um sich vor einer Corona-Erkrankung zu schützen.
  • Die Corona-Impfung ist für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren sowie für Erwachsene zugelassen.
  • Mit einer Impfung verringert sich das Risiko, das Corona-Virus weiterzugeben. Damit helfen Geimpfte sich selbst, ihren Angehörigen und Freunden sowie den Menschen in ihrer Umgebung, wirbt das Gesundheitsministerium.
  • Eine Impfung gibt es im Impfzentrum und bei niedergelassenen Ärzten sowie bei Betriebsärzten.
  • Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben beschlossen, dass Auffrischungsimpfungen (Booster) sechs Monate nach der zweiten Spritze breit angeboten werden.

 

 

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