04.10.2020 - 09:56 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

30 Jahre Städtepartnerschaft mit Annaberg-Buchholz: "Mit Sonntagsreden war es nie getan"

Wie 30 Jahre gelebte deutsche Einheit aussehen, zeigt Weiden konkret. Die Stadt feierte nun 30 Jahre Partnerschaftsjubiläum mit Annaberg-Buchholz. Das geht so manchem unter die Haut, offenbart sich beim Festakt in der Max-Reger-Halle.

von Helmut KunzProfil

Er sei glücklich, Oberbürgermeister einer Stadt zu sein, die Städtepartnerschaften pflege und lebe, sagte Jens Meyer am Tag der Deutschen Einheit beim Festakt zum 30. Partnerschaftsjubiläum mit der Partnerstadt Annaberg-Buchholz in der Max-Reger-Halle. „Mir ist die Beziehung zueinander sehr wichtig.“ Städtepartnerschaften seien nie eine Angelegenheit von Funktionsträgern gewesen. „Mit Sonntagsreden war es nie getan.“

Gemeinsam Nationalhymne anstimmen

Besiegelt wurde die Freundschaft mit dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne, dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Weiden und dem Austausch von Geschenken. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde vom Ensemble "NOpfBrass". Unter den Gästen weilten der ehemalige OB Kurt Seggewiß, die Bürgermeister Lothar Höher und Reinhold Wildenauer, ihr Kollege Thomas Proksch (Annaberg-Buchholz) und Stadträte aus beiden Städten. Durchs Programm führte Petra Vorsatz.

Zwischen Städten eine Liebe auf den ersten Blick

Weiden in der Oberpfalz

Fingerspitzengefühl von Not

Der OB erinnerte an den Beginn der Städtepartnerschaftstradition mit Issy-les-Moulineaux nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Schon damals seien Mut und Fingerspitzengefühl gefragt gewesen, „kamen doch Bürger oftmals aus ganz unterschiedlichen Welten.“ Seit Jahrzehnten pflege Weiden Partnerschaften auch mit Weiden am See und Macerata.

Persönliche Begegnungen wichtig

„Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn du Freunde aus Österreich oder Frankreich bei einem Stadtfest in Italien triffst, da spürst du den Europäischen Gedanken bis unter die Haut.“ Städtepartnerschaften hätten nicht unwesentlich zur längsten Friedensphase Westeuropas beigetragen, betonte OB Meyer. „Wir können also nichts Besseres tun, als es den Bürgern unserer Städte und insbesondere unseren jungen Bürgern auch weiterhin zu ermöglichen, in persönlichen Begegnungen viel voneinander zu erfahren.“

Initiator Hans Schröpf

Solche Treffen machten Spaß, lieferten aber auch viel Stoff zum Nachdenken. Sie motivierten die Leute und bahnten Freundschaften fürs Leben an. Die Partnerschaft mit Annaberg-Buchholz gehe auf den damaligen Oberbürgermeister Hans Schröpf und dessen Pressereferent Werner Hein zurück. Beide hätten sich im Januar 1990 nach einer Partnerstadt im Osten umgesehen und seien im Erzgebirge fündig geworden.

Geschenk: Riesen-Weihnachtspyramide

Noch vor der offiziellen Partnerschaft seien erste politische, kulturelle und gewerkschaftliche Kontakte zustande gekommen. Am 8. September 1990 hätten die Rathauschefs beider Städte den offiziellen Partnerschaftsvertrag unterzeichnet. Die damaligen Geschenke? Medizinisches Gerät für den Osten, eine Riesen-Weihnachtspyramide für den Westen. Vereinbart worden sei vor allem die Zusammenführung der Menschen in den bisher getrennten Teilen Deutschlands. Seitdem habe sich viel bewegt. Von Kunstausstellungen bis hin zu Theateraufführungen.

Einladung zu Weihnachtsmarkt in Annaberg-Buchholz

Der Oberbürgermeister von Annaberg-Buchholz, Rolf Schmidt, bedauerte die abgespeckte Jubiläumsvariante im Corona-Jahr. „Alles ist anders.“ Trotzdem empfinde er die Feier als eine Rückkehr zu Freunden. Er unterstich die Vorreiterrolle von Weiden und Annaberg-Buchholz in der Geschichte der deutsch-deutschen Partnerschaften. „Unsere Verbindung hat bis heute gehalten, aufgrund vieler Kontakte zwischen den Bürgern, Kirchen, Institutionen und Vereinen.“ Das Wichtigste daran sei aber das Zusammenkommen von Menschen. Ganz aktuell: „Unser Weihnachtsmarkt findet statt. Wir würden uns freuen, wenn ihn möglichst viele Freunde aus Weiden besuchen kommen.“ Gemeinsam mit Katrin Bräuer enthüllte er die Fahne von Annaberg-Buchholz, die künftig auch in Weiden wehen soll.

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