22.10.2021 - 20:19 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Abifahrten lieber innerhalb Deutschlands, zum Skikurs nach Österreich

Klassenfahrten, eine Skiwoche in den Alpen und die Abschlussfahrt sind für viele Schüler Höhepunkte in der Schullaufbahn. Das Kultusministerium ermuntert Schulen, diese Fahrten wieder zu unternehmen. Dabei gibt es Hürden.

Das Skigebiet Saalbach-Hinterglemm ist für einige Oberpfälzer Schulen langjähriges Ziel für Ihre Schulskikurse.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Nach langen Lockdown-Phasen und Distanzunterricht im vergangenen Schuljahr müssen nun nicht nur Lücken im Stoff geschlossen werden. Auch die soziale Kompetenz der Schülerinnen und Schüler soll gefördert werden. "Schule soll im Schuljahr 2021/2022 wieder verstärkt das sein, was sie ausmacht: Ein Ort des Miteinanders, der Gemeinschaft, ein Ort voller Leben", heißt es aus dem Kultusministerium in München. Eine wichtige Möglichkeit für dieses Miteinander sind Klassenfahrten – die wegen der Corona-Pandemie vergangenes Schuljahr ausgefallen waren. In diesem Jahr finden sie wieder statt, mit Segen des Ministeriums.

Beim Stiftland-Gymnasium in Tirschenreuth steht in der letzten Oktoberwoche die Abiturfahrt an. Statt wie früher nach Florenz, Nizza oder London geht es in diesem Jahr nach Berlin und Hamburg. Ein Zugeständnis an die Pandemiesituation. Zu groß war bei der Planung die Unsicherheit, welche Corona-Regeln im Ausland bei Fahrtbeginn gelten, berichtet Schulleiter Albert Bauer. Die Schule hat versucht, das Beste aus der Lage zu machen. Üblicherweise fahren am Stiftland-Gymnasium die Schüler in der 10. Klasse nach Berlin, diese Fahrt fiel wegen Corona aus. Nun geht es eben in der Kollegstufe für eine Gruppe in die Bundeshauptstadt.

Folgen der Regierungskrise in Wien

Berlin war auch das Ziel der Abiturfahrt des Augustinus-Gymnasiums in Weiden. Schulleiter Thomas Kreuzer verweist auf die kurze Zeitspanne zur Planung und die Unsicherheit über die Entwicklung der Pandemie-Situation und der Regeln bei einem Auslandaufenthalt. Auch Schulskikurse gibt es in diesem Schuljahr wieder: Die sechsten Klassen des Augustinus-Gymnasiums fahren in den Bayerischen Wald, die siebten und achten Klassen nach Flachau in Österreich.

Am Schulskikurs in Österreich hält das Stiftland-Gymnasium aber fest. Wie seit vielen Jahren soll es nach Saalbach-Hinterglemm gehen. Die Fahrten für die 7. Jahrgangstufe stehen erst Ende Januar und Anfang Februar an, es gibt ausreichend Zeit zu planen. Welche Regeln dann gelten, ist selbst in den betroffenen österreichischen Skiorten nicht klar. Sowohl in Saalbach als auch in Flachau verweisen die Tourismusverbände auf eine Verordnung aus der Hauptstadt Wien, die detailliert regeln soll, wie die Wintersaison ablaufen soll. Die jüngste Regierungskrise wegen des Rücktritts von Sebastian Kurz als Bundeskanzler hat diese offenbar verzögert, obwohl sie ab 1. November gelten soll.

Für Schüler über zwölf in Österreich 3G

Bei der Einreise nach Österreich gilt für Schüler über zwölf Jahren die 3G-Regel – geimpft, genesen oder getestet. So wie wie für Erwachsene auch. "Der Test muss von einer befugten Stelle, zum Beispiel einer Apotheke oder Teststraße bestätigt sein", teilt Claudia Marte von der Österreich Werbung Deutschland GmbH in Berlin auf Anfrage mit. Das Gleiche gilt für die Übernachtung: "Was so ein Nachweis sein kann, ändert sich je nachdem, in welcher Stufe des dreistufigen Plans der Regierung wir gerade sind", teilt die Österreichische Hoteliervereinigung auf Anfrage mit. Dabei genügen Selbsttest unter Aufsicht nicht: "Unserer Auffassung nach sind Selbsttests einer nicht-österreichischen Schule kein gültiger 3G-Nachweis. Sobald wir Stufe 2 erreichen, sind Selbsttests zudem nicht mehr zulässig." Unter der derzeit in Österreich geltenden Stufe 1 der Corona-Maßnahmen seien aber grundsätzlich Selbsttests möglich, schreibt Marte weiter. Das Augustinus-Gymnasium hat in Flachau eine Unterkunft, in der die Wirtin die österreichische Testbefugnis hat. Das erleichtert den Skikurs, auch unter 3G.

FFP2-Maskenpflicht in Seilbahnen

Auch in den Seilbahnen gelte demnach 3G und zudem die Pflicht, FFP2-Masken zu tragen. Die Regeln sind österreichweit einheitlich, es könne aber lokale Verschärfungen geben, sagt Marte. Auf die FFP2-Maskenpflicht verweisen auch die Bergbahnen Saalbach. Zudem würden sie Wartebereiche unabhängig von den rechtlichen Vorgaben so organisieren, dass eng zusammenstehende Personengruppen möglichst vermieden werden. Bei Seilbahnanlagen seien ausreichend Hand-Desinfektionsmöglichkeiten installiert worden, und die Einrichtungen würden regelmäßig desinfiziert. Zudem seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bergbahnen weitgehend gegen Covid-19 geimpft oder würden regelmäßig getestet. Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im unmittelbaren Kontakt zu Gästen gelte eine FFP2-Maskenpflicht.

Die Teilnahme an Klassenfahrten ist grundsätzlich freiwillig, das war auch schon vor der Corona-Pandemie so. Für Schülerinnen und Schüler, die nicht mitfahren, gilt weiter die Schulbesuchspflicht. Für den Fall, dass die Fahrt wegen der Entwicklung der Corona-Pandemie abgesagt werden müsse, gibt es an beiden Schulen die Möglichkeit der kostenlosen Stornierung. Schulleiter Kreuzer vom Augustinus-Gymnasium in Weiden verweist auf die langjährige Partnerschaft zu Busunternehmer und Unterkunft für den Skikurs, die dies ermögliche. Anders als im vergangenen Schuljahr gibt es keine Hilfe vom Freistaat mehr: "Eine Erstattung für etwaige entstehende Stornierungskosten durch staatliche Leistungen ist nicht möglich", teilte eine Sprecher des Ministeriums mit.

Entwicklung bei der Betreuung in der Oberpfalz

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Hintergrund:

Das rät das Ministerium zu Klassenfahrten

  • Das Kultusministerium befürwortet mehrtägige Schülerfahrten ins In- und Ausland und Schüleraustausch im Schuljahr 2021/2022.
  • Die Teilnahme an mehrtägigen Schülerfahrten für die Schülerinnen und Schüler freiwillig. Die Schulbesuchspflicht für Nichtteilnehmende bleibt bestehen.
  • Das Ministerium wirbt für eine Austausch in der Schulfamilie – Eltern, Schüler und Lehrkräfte –, ob die angedachte Fahrt durchgeführt werden soll.
  • Schulen wurden darauf hingewiesen, auf günstige Stornobedingungen zu achten. Eine staatliche Erstattung für etwaige Stornierungskosten gibt es nicht mehrmöglich.
  • Die Corona-Maßnahmen am Zielort sollen in de Planung mit einfließen.

 

 

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