20.10.2021 - 16:49 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weiter Weg bis zur Ganztagsbetreuung für alle Grundschüler

Ab dem Jahr 2026 wird bundesweit der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule schrittweise eingeführt. Bis dahin ist noch einiges zu tun – auch in Bayern. Etwas weiter ist der Weg in der Oberpfalz.

Grundschüler sind in einem Hort mit Bastelarbeiten beschäftigt. Ab 2026 wird der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule schrittweise eingeführt.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Mit einer guten und einer schlechten Nachricht wartet eine Vorausberechnung zur Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztag für Grundschulkinder auf. Anders als zunächst angenommen, ist demnach der Ausbaubedarf geringer, als zunächst angenommen, um den Anspruch zu gewährleisten. Auf der anderen Seite gibt es in den großen westdeutschen Ländern Nachholbedarf. Dazu gehört Bayern. Rechnet man die gegenwärtigen Betreuungsquoten hoch, gäbe es auch in der Oberpfalz noch einiges zu tun.

Während im Landesdurchschnitt 55,1 Prozent der Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren einen Betreuungsplatz haben, sind es in der Oberpfalz knapp über 50 Prozent. Ab August 2026 sollen zunächst alle Grundschulkinder der ersten Klassenstufe einen Anspruch erhalten, ganztägig gefördert zu werden. In den folgenden Jahren wird der Anspruch um je eine Klassenstufe erweitert. Ab Herbst 2029 hat dann nach den Sommerferien jedes Grundschulkind einen Anspruch auf ganztägige Betreuung.

In Bayern viele in außerschulischer Betreuung

Zahlen, wie viele Grundschüler derzeit ganztags betreut werden gibt es beim Kultusministerium nicht. Die Studienmacher des Deutschen Jugendinstituts und der TU Dortmund gehen davon aus, dass 38 Prozent der Eltern im Freistaat bereits einen Platz für ihre Kinder im Grundschulalter haben – aber 54 Prozent hätten Bedarf. Demnach müssten bis bis zum Jahr 2030 zwischen 108.000 und 136.000 Plätze zusätzlich geschaffen werden.

Deutlich weiter als die Studienmacher sieht das bayerische Sozialministerium den Freistaat in der Betreuungsfrage vorangekommen. "Von rund 471.000 Kindern im Grundschulalter (6 bis 10 Jahre) in Bayern besuchten im Schuljahr 2020/21 rund 85.500 Schülerinnen und Schüler ein schulisches Ganztagsangebot und rund 82.500 Schülerinnen und Schüler ein Angebot der Mittagsbetreuung", sagt Familienministerin Carolina Trautner zur am Mittwoch in München vorgestellten Studie. Zudem verweist die Ministerin auf die Betreuung außerhalb der Grundschule, etwa in Horten, Kindertagestätten und in der Tagespflege. "Darüber hinaus werden rund 90.000 Grundschulkinder in Kindertageseinrichtungen ... betreut. Damit nutzen insgesamt 55,1 Prozent der Grundschulkinder eine Form der ganztägigen Betreuung."

Fast 19.000 Oberpfälzer Grundschüler in Ganztagsbetreuung

In der Oberpfalz nehmen derzeit nach Angaben der Regierung der Oberpfalz von rund 37.400 Grundschülern rund 15.400 ein schulisches Ganztags- bzw. Betreuungsangebot wahr. Zudem sind noch etwa 3500 Hortplätze durch Grundschüler belegt. Dabei herrscht ein Stadt-/Landgefälle, das heißt, je städtischer die Region, desto höher ist in der Regel der Betreuungsbedarf. Damit liegt die Betreuungsquote bei knapp über 50 Prozent. Zudem stünden im Rahmen der schulischen Angebote noch weitere Betreuungsplätze zur Verfügung.

Mit Blick auf einem Anstieg der Schülerzahlen im Grundschulschulbereich und einem allgemein weiter steigenden Betreuungsbedarf rechnet die Regierung der Oberpfalz mit einem kontinuierlichen Ausbau der schulischen Ganztagsangebote. "Bayernweit stieg der Betreuungsbedarf in den letzten Jahren um jährlich etwa drei Prozent." Zahlen zum Betreuungsbedarf in den Gemeinden und Städten liegen der Regierung der Oberpfalz nicht vor, teilte der Sprecher mit. "Für die Erhebung und Antragstellung auf ein schulisches Betreuungsangebot sind die Städte und Gemeinden zuständig." Die Regierung verweist darauf, dass bisher alle genehmigungsfähigen Anträge auf Einrichtung eines schulischen Betreuungsangebots von Seiten der Regierung bewilligt wurden.

Ausbauprogramm für Hortplätze

Familienministerin Trautner betont; "Es bleibt unser Ziel, dass künftig alle Eltern mit der stufenweisen Einführung des Rechtsanspruchs ab dem Schuljahr 2026/27 ein bedarfsgerechtes Angebot auch für die Betreuung ihrer Grundschulkinder am Nachmittag erhalten." Die CSU-Politikerin verweist in ihrer Erklärung auf ein bayerisches Programm zum Ausbau der außerschulischen Betreuung: "Deshalb haben wir bereits 2018 im Vorgriff auf den vom Bund nun geschaffenen Rechtsanspruch ein Programm zur Schaffung von zunächst 10.000 zusätzlichen Hortplätzen aufgelegt." Den Ball sieht Trautner derzeit im Feld des Bundes liegen. Jetzt gehe es darum, dass die vom Bund angekündigten Finanzmittel in Höhe von 3,5 Milliarden Euro für die Länder auch tatsächlich abgerufen werden könnten. "Hier hat der Bund ein kompliziertes Verfahren gewählt, das derzeit zu Verzögerungen führt und deswegen vereinfacht werden sollte.“

Die Studienmacher des Deutschen Jugendinstituts und der TU Dortmund rechnen vor, dass bundesweit bis zum Schuljahr 2029/30 rund 600.000 zusätzliche Ganztagsplätze für die Kinder im Grundschulalter geschaffen werden müssen. Bundesweit besuchen demnach bereits über 1,6 Millionen Grundschulkinder ein Ganztagsangebot. Das bedeute, dass drei von vier der benötigten Plätze bereits vorhanden sind. Die Situation in den Bundesländern sei jedoch sehr unterschiedlich. Während in den ostdeutschen Flächenländern und Hamburg nur noch ein kleiner Teil der Plätze fehlt, zeigen die Vorausberechnungen, dass in den westdeutschen Flächenländern im Durchschnitt noch zwischen 30 und 40 Prozent der Plätze geschaffen werden müssen.

Suche nach Personal

„In den westdeutschen Flächenländern, vor allem in Nordrhein-Westfalen und Bayern, werden noch deutliche Anstrengungen notwendig sein, um ausreichend qualifiziertes Personal zu finden, damit der vollständige Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz im Grundschulalter ab dem Schuljahr 2029/30 erfüllt werden kann“, sagt Professor Thomas Rauschenbach, wissenschaftlicher Leiter des Dortmunder Forschungsverbunds und bis vor kurzem Direktor des Deutschen Jugendinstituts (DJI). Für diese beiden Länder geht die Autorengruppe der Studie jeweils von einem zusätzlichen Bedarf von rund 7000 beziehungsweise 7500 zusätzlichen Vollzeitstellen aus.

Bundesweit werden laut Studie für den Ausbau rund 35.000 Vollzeitstellen zusätzlich benötigt. Da in diesem Bereich jedoch von einem hohen Teilzeitanteil auszugehen ist, müssten dafür bis zum Schuljahr 2029/30 rund 57.000 Personen gewonnen werden.

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Hintergrund:

Ganztagsbetreuung an Grundschulen

  • Gebundene Ganztagsschule: Die gebundene Ganztagsschule wird in einem festen Klassenverband organisiert. Für die Schüler ist ein durchgehend strukturierter Aufenthalt in der Schule an mindestens vier Wochentagen in der Regel von 8 Uhr bis grundsätzlich 16 Uhr verpflichtend. Der Pflichtunterricht ist auf Vormittag und Nachmittag verteilt, es wechseln Unterrichtsstunden mit Übungs- und Studierzeiten und sportlichen, musischen und künstlerisch orientierten Fördermaßnahmen.
  • Offene Ganztagssschule: Die offene Ganztagsschule ist ein freiwilliges schulisches Angebot der ganztägigen Förderung und Betreuung von Schülerinnen und Schülern.
    Der Unterricht an offenen Ganztagsschulen findet wie gewohnt überwiegend am Vormittag im Klassenverband statt. Diejenigen Schülerinnen und Schüler, deren Eltern dies wünschen, besuchen dann nach dem stundenplanmäßigen Unterricht die jeweiligen Ganztagsangebote.
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