29.10.2021 - 10:57 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Allerheiligen beschert Friedhöfen Hochbetrieb

Kurz vor Allerheiligen wird auf den Friedhöfen fleißig gewerkelt. Gräber werden winterhart gemacht und mit Gestecken geschmückt. Oberpfalz-Medien schaute sich auf den Ruhestätten in Weiden und im Landkreis Neustadt/WN um.

Im Waldfriedhof Weiden warten zweifarbige Stiefmütterchen auf ihren Einsatz.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Ende Oktober sind die Blumen auf den Gräbern verblüht. Mit der kalten Jahreszeit beginnt auch auf den Friedhöfen eine neue Phase. Es stehen die Tage des Gedenkens an. Viele Angehörige wollen die letzte Ruhestätte ihrer Liebsten besonders festlich anpflanzen und schmücken. In den Friedhofsgärtnereien und Blumenläden herrscht Hochbetrieb. Gefragt sind Kreativität und Individualität.

Simone Zierer von der gleichnamigen Gärtnerei in Weiden weiß, wovon sie spricht. In den Wochen vor Allerheiligen gibt es jede Menge Arbeit: "Es geht schon Anfang Oktober los mit den Gestecken. Natürlich helfen wir Kunden, die beim Bepflanzen des Grabes Rat brauchen. Wir stellen dann passende Pflanzen zusammen." Nachdem viele Gräber in den vergangenen Jahren in Brombeerfarben leuchteten, werde es heuer wieder etwas bunter auf den Friedhöfen. Zu den Herbstklassikern zählen Callunen, Stiefmütterchen und Heuchera, auch Purpurglöckchen genannt. Zusammen mit Silberblatt, Gräsern und Freilandfarn bilden sie eine stimmige Kombination.

Bei Spaziergängen durch die Friedhöfe der Umgebung sieht man Bepflanzungen, die mit Tannenzweigen, Zapfen, Moos oder Wacholder aufgehübscht worden sind. Der Kreativität mit persönlichem Bezug zum Verstorbenen sind keine Grenzen gesetzt. So ist auf einer Ruhestätte im Stadtfriedhof neben Blüten, Blättern und einer roten Kerze ein volles Fläschchen Bier drapiert. Als ob man dem Toten noch sein Feierabendbier gönnen möchte.

Einzigartige Friedhofskultur

Andreas Gloßner, Vorsitzender der Gartenbaugruppe Weiden, freut sich über gerade diese Individualität: "Es gibt da keine Trends. Jeder macht, worauf er Lust hat und was er schön findet." Unschlüssige oder unerfahrene Hobbyfloristen sollten bei der Grabbepflanzung nur einen Rat befolgen: "Weniger ist mehr". Das Grab sollte also nicht überladen wirken. Die Friedhofskultur im deutschsprachigen Raum bewertet Gloßner als einzigartig: "Nirgends sind die Friedhöfe so nachhaltig gepflegt wie bei uns." Daran könnten auch einzelne verwahrloste Grabstätten und der Trend zum pflegeleichten Urnengrab oder dem Wiesengrab nicht viel ändern.

Angehörigen sei es oftmals ein grundlegendes und in der Trauer auch heilendes Bedürfnis, sich um die Grabstätte eines lieben Verstorbenen zu kümmern: "Der Mensch braucht einen Ort, wo er mit seiner Trauer hingehen kann." Gloßner kennt Angehörige, die nach Jahren gestehen, dass sie anstelle eines schmucklosen Wiesen- oder Waldgrabes für ihre Verstorbenen lieber eine Grabstelle hätten, bei der sie ihre Trauer durch eine liebevolle Gestaltung bewältigen könnten.

Stadtgärtnerei im Großeinsatz

Thomas Huber von der Stadtgärtnerei in Weiden hat die drei Friedhöfe der Stadt im Blick: "Hauptaufgabe ist das Reinigen von Laub und das Beseitigen von Wildkraut auf den Wegen. Dies erfolgt vom Friedhofspersonal unter Mithilfe der Kollegen der Stadtgärtnerei und des Bauhofs." Rasen und Hecken erhalten den letzten Schnitt des Jahres, und auch die Pflege der Rabatten und Beete findet zu dieser Zeit statt. Daneben entfernen die Friedhofsmitarbeiter die bereits abgelaufenen Grabmale und beseitigen den erhöht anfallenden Grünabfall und Plastikmüll. Die 15 Kriegs-, Helden- und Ehrengräber werden von den städtischen Gärtnern gesäubert und bepflanzt. Am frühen Morgen des Allerheiligentages wird am Stadtfriedhof an den Grabsteinen der verstorbenen Soldaten jeweils eine Chrysanthemen-Topfpflanze gesetzt und auch die Denkmäler, Kreuze der Friedhöfe werden für die diesen Tag und für die kirchlichen Andachten stimmungsvoll dekoriert und eingegrünt.

"Es wird im allgemeinen weniger Wert auf diesen Feiertag gelegt. Man merkt durchaus, dass die Grabpflege zunehmend etwas vernachlässigt wird und auch weniger gepflegt wird. Es gehen merklich weniger Besucher, im Vergleich zu früher, an Allerheiligen ans Grab. Vielleicht ist die Corona-Pandemie auch ein Grund hierfür", meint Huber. Bei ungepflegten Gräbern würden die Nutzungsberechtigten von der Friedhofsverwaltung angeschrieben und aufgefordert, ihre Gräber zeitnah, etwa innerhalb von vier Wochen, pflegen zu lassen.

Urnengräber im Trend

Der Trend zum Urnengrab mache sich laut Huber eindeutig bemerkbar. "Es liegt vor allem daran, dass die Bevölkerung immer älter wird und dass die Menschen ihren Angehörigen nach dem Tod nicht unbedingt zur Last fallen wollen. Oft sind die Kinder oder Hinterbliebenen verzogen, und auch die Kosten für ein Urnengrab verstärken diese Tendenz." Je nach Lage der Urnennische besteht auf den angebauten Treppen ein Ablageplatz für Blumenschmuck. "Die Nutzungsberechtigten müssen diese Bereiche selbst pflegen und in einem würdigen Zustand erhalten." Sie sind dabei verpflichtet, verwelkte Blumen und Kränze zu entfernen. "Sofern bei stichprobenartigen Kontrollen durch unsere Friedhofsaufseher festgestellt wird, dass sich auf den Ablageflächen unansehnlicher Grabschmuck, wie zum Beispiel verblühte Kränze, befindet, wird dieser von uns entfernt und entsorgt."

Trotzdem bleibt Allerheiligen ein wichtiger Gedenktag, ist sich Huber sicher. Viele würden den Friedhof zum Verweilen und als Ort der Ruhe und Erholung nutzen. "Ein Wettbewerb um das schönste Grab auf den Friedhöfen, ist bei uns nicht zu erkennen", so der Fachmann. Bei einzelnen Gräbern werde schon sehr großer Aufwand beim Blumenschmuck betrieben. Dies habe sich aber im Vergleich zu früher deutlich verringert.

Ruhe im Waldfriedhof Eschenbach

Eine ganz besondere Atmosphäre spürt man beim Gang durch den Ruhewald in Eschenbach. Hier sorgt einzig und allein die Natur für den Grabschmuck. Nur graue Granitblöcke und kleine Nummernschilder deuten auf die Gräber unter Blättern und zwischen Bäumen hin. Blumen, Kerzen oder Bepflanzungen sind nicht erlaubt. Auf dem Areal des Urnenwaldfriedhofs erfolgen ausschließlich Naturbestattungen in anonymer und persönlicher Form.

Deutliche Vorgaben hat die Stadt als Friedhofsverwalterin zur Pflege und Gestaltung der Grabstätten getroffen: „Das naturbelassene Areal darf in seinem Erscheinungsbild als solches nicht gestört und verändert werden. Einzig zulässig sind Bodenplatten an Urnengrabstätten, deren Beschriftung nach Vorgaben der Stadt Eschenbach zu erfolgen hat. Sie werden vom vertraglich Beauftragten der Stadt Eschenbach gefertigt und angebracht. Andere Grabmale, Einfassungen, Gedenksteine sowie jegliche Anbringung von Gegenständen und Ähnlichem sind im gesamten Urnenwaldfriedhof Oberer Birschling untersagt.“

Das erste Allerheiligen am Grab der Mutter

Vohenstrauß

Urnenwaldfriedhof in Eschenbach kann genutzt werden

Eschenbach
Hintergrund:

Zahlen zu den Städtischen Friedhöfen in Weiden

  • Von insgesamt 14.303 Grabstätten sind aktuell 63 Prozent aller Erdgräber und 92 Prozent aller Urnengräber belegt. Seit mehreren Jahren lässt sich der deutliche Trend zur Urnenbeisetzung erkennen. Im Jahr 2020 waren lediglich 33 Prozent (2015: 38,08 Prozent) aller Beisetzungen auf den städtischen Friedhöfen Erdbegräbnisse. In den Jahren 2015 bis 2020 fanden durchschnittlich 62,45 Prozent Urnenbeisetzungen und 37,55 Prozent Erdbestattungen pro Jahr auf den Friedhöfen statt.
  • Auf den städtischen Friedhöfen sind derzeit 4679 Gräber frei, davon 4317 Erdgräber, 117 Kindergräber und 245 Urnengräber.
  • Nach Ablauf der Ruhefrist oder Nutzungszeit können die Gräber zurückgegeben werden. 2020 wurden 171 Erdgräber und 45 Urnengräber aufgelassen. An den im Jahr 2020 aufgelassenen Erdgräbern konnten im selben Jahr nur 2 (1,17 Prozent) neue Nutzungsrechte vergeben werden, während 35 (77,78 Prozent) der Urnengräber bereits im gleichen Jahr wieder vergeben werden konnten.

 

 

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