14.01.2021 - 17:05 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ansturm auf FFP2-Masken: So groß sind die Preisunterschiede in Apotheken

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Wer in den Apotheken der Region auf das Preisschild für FFP2-Masken schaut, der stellt fest: Die Preise gehen stark auseinander. Wie groß ist die Preisspanne wirklich? Und wie kommen die Unterschiede zustande?

Die Preise für FFP2-Masken in Apotheken in Weiden und im Kreis Neustadt unterscheiden sich erheblich. Die günstigste Maske ist für unter zwei Euro zu haben. Für die teuerste müssen Kunden fünf Euro bezahlen.
von Florian Bindl Kontakt Profil

Martin Eginger ist wütend. Der 59-jährige Weidener hat drei Kinder. Alle drei haben sich nach der Ankündigung, dass diese ab nächstem Montag in Geschäften und im ÖPNV verpflichtend sind, neue FFP2-Masken gekauft. Allesamt in Apotheken. Und Eginger stellte fest: Die Preise für die Masken unterscheiden sich bisweilen erheblich. Wer die "falsche" Apotheke erwische, für den könne es ganz schön ins Geld gehen. "Ich finde das nicht in Ordnung", schimpft er. "Klar, wir leben in einer Marktwirtschaft. Ich habe selbst ein Geschäft. Über den Tisch gezogen habe ich meine Kunden aber nie." 2 bis 3 Euro sei er bereit für eine Maske zu zahlen. "Kein Problem, aber dann hört es auf. Mit sozialverträglich hat das nichts mehr zu tun." Regelmäßiges Wechseln der Maske vorausgesetzt werde das "richtig teuer". Der Bedarf der Bürger während der Pandemie werde ausgenutzt.

Selbstverständlich bieten auch alle Apotheken in Weiden und im Kreis Neustadt nun zertifizierte FFP2-Masken an. Stimmt es, was Martin Eginger sagt? Ist die Preisspanne für die Masken tatsächlich derart groß? Ja. Bei den von Oberpfalz-Medien kontaktierten Apotheken ist die günstigste Maske im Landkreis für 1,99 Euro zu haben. In der Stadt Weiden sind es 2 Euro. "Völlig in Ordnung", sagt Eginger. Die meisten Anbieter bewegen sich zwischen 2 und 3 Euro. Einige Apotheken bieten außerdem Packungen mit mehreren Masken an, die dann wiederum pro Stück günstiger sind. So lassen sich teilweise bis zu 2 Euro sparen. Der durchschnittliche Maskenpreis aller von Oberpfalz-Medien befragten Apotheken lag bei 3 Euro und 16 Cent. Am oberen Ende der Preisspanne kosten Masken aber über 4 Euro. Eine Weidener Apotheke verlangt sogar 5 Euro pro Stück. Klar ist: Die Kosten für die Herstellung der Maske liegen weit unter dem Verkaufspreis. Fabian Bauriedl, Geschäftsführer beim Eslarner Kunststoffverarbeiter BaS, schätzt sie auf "weit unter einem Euro. Zwischen 40 und 50 Cent". Er muss es wissen, seine Firma produzierte im Frühjahr noch selbst Schutzmasken. Wie kommen also diese Unterschiede an der Ladentheke zustande?

Maske nicht gleich Maske

Für Andreas Biebl, den Sprecher des Apothekerverbandes für Weiden und Inhaber der Mohren-Apotheke, sind die Preise jedenfalls keine Überraschung. "Das ist absolut marktüblich. Jede Apotheke kann und muss für sich selbst entscheiden, wie viel sie verlangen will." Die einen, sagt Biebl, nutzen die Knappheit und den Bedarf eben ein Stück weit aus, andere wollen sich nicht an der Pandemie bereichern. "Das hat man auch im Frühjahr schon gesehen, als normale Masken ohne FFP2-Zertifizierung verkauft wurden." Denselben Effekt gebe es jetzt auch wieder. Es gilt der Klassiker einer intakten Marktwirtschaft: Der Preis ergibt sich aus Angebot und Nachfrage. Die Apotheken können den Markt nicht ignorieren. "Auch wir müssen unsere Kosten decken."

Und die Masken, die die Apotheken anbieten seien ja nicht identisch. Wenn eine Apotheke eben Masken mit höchster Filterleistung und aus deutscher Produktion anbiete, dann könne der Preis höher ausfallen. Ob nun Apotheken in kleinen Orten, die dort eine Monopolstellung genießen, diese ausnutzen und den Preis nach oben treiben, dazu kann Biebl nichts sagen. "Schlussendlich muss der Verbraucher entscheiden, was ihm eine Maske wert ist. Wie bei jedem anderen Produkt auch."

Schwierige Preiskalkulation

Einen Einblick in die Einkaufspolitik der Apotheken kann Martin Wolf geben. Er leitet die Vohenstraußer Rosen-Apotheke und ist Apothekersprecher im Kreis Neustadt. Der Einkaufspreis für FFP2-Masken, also die Summe, die Apotheken den Großhändlern zahlen, hänge stark davon ab, wie viele Masken die Apotheken bestellen. Und genau hier könne, so Wolf, der Grund der hohen Preisunterschiede für den Endkunden liegen. "Es ist derzeit schwer zu kalkulieren, wie viele Masken Apotheken bestellen sollen. Niemand weiß schließlich, wie es mit der Pandemie weitergeht." Bestellen Apotheken eine große Menge, liefen sie Gefahr, auf der Hälfe sitzen zu bleiben. Kaufen sie weniger, ist der Einkaufspreis meist höher und sie müssen die Preise anheben. Auch sei es möglich, dass Apotheken noch Restbestände aus dem Frühjahr hätten. "Damals waren die Masken im Einkauf noch erheblich teurer", erklärt Wolf. Es seien schlichtweg weniger Masken auf dem Markt gewesen. In einem solchen Fall erwarten auch den Endkunden höhere Kosten.

Noch wichtiger als der Preis, betont Apotheker Wolf, sei aber ohnehin, dass die Menschen die Masken richtig verwenden. Sein Tipp: Beim Einatmen muss sich die Maske an die Backe pressen. Dann sitze sie richtig. "Wenn wir sie schon tragen, dann sollen sie auch schützen", sagt Wolf. Der Preis, wie hoch er auch ausfallen mag, soll sich lohnen.

Das sagt ein Apotheker zur FFP2-Masken-Pflicht

Weiden in der Oberpfalz

Im Frühjahr ging eine Eslarner Firma unter die Masken-Produzenten

Eslarn
Info:

FFP2-Masken im Internet

  • Auch online gibt es FFP2-Masken zu kaufen. Sie werden dort meist nicht einzeln, sondern in wesentlich größeren Packungen verkauft. Teilweise mit bis zu tausend Stück.
  • Das Preisniveau ist bei dieser hohen Stückzahl in der Regel niedriger als in Apotheken. Allerdings sind die Preise zuletzt deutlich angestiegen.
  • Längst nicht alle Masken im Internet entsprechen freilich den Anforderungen während der Corona-Pandemie. Entscheidend ist, dass Verpackung und Maske eine CE-Kennzeichnung, gefolgt von einer vierstelligen Prüfnummer, vorweisen. Außerdem müssen sie mit der Norm DIN EN 149:2001+A1:2009 ausgezeichnet sein.
  • Martin Wolf, Apothekersprecher im Kreis Neustadt, rät nicht vom Internet-Kauf ab, warnt aber, dass dort nicht alle Produkte die Anforderungen erfüllen.
  • Eine persönliche Beratung zur richtigen Benutzung der Masken gibt es im Internet ebenfalls nicht.

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