24.04.2019 - 15:01 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Blum prescht vor: Heiner Vierling soll OB-Kandidat der CSU werden

Ihm dauert es einfach zu lang. Jetzt setzt CSU-Stadtrat Hans Blum Pflöcke: In einem offenen Brief fordert er Heiner Vierling als OB-Kandidaten. Ein Alleingang, der die Parteispitze verärgert.

Heimatring-Chef Heiner Vierling (51) soll OB-Kandidat werden. Das wünscht sich Stadtratskollege Hans Blum.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Er sei schon so oft drauf angesprochen worden, erzählt Hans Blum im Gespräch mit Oberpfalz-Medien: Wann präsentiert die Weidener CSU endlich mal ihren Oberbürgermeister-Kandidaten? "Die Leute warten darauf, dass einer genannt wird." Und nachdem es sonst keiner übernimmt, macht's Stadtrat Blum selbst. "Heiner Vierling soll OB-Kandidat werden" – so ist ein offener Brief Blums überschrieben, der eine ebenso ausführliche wie leidenschaftliche Empfehlung für den Stadtratskollegen enthält.

"Heiner Vierling, Spross einer alteingesessenen Weidener Familie, hat gute Chancen, die Kommunalwahl 2020 zu gewinnen", schreibt Blum beispielsweise. "Sein Motto lautet: ,Ich als Weidener weiß am besten, was für die Stadt gut ist.‘ Er hat das Herz am rechten Fleck. Als Unternehmer trägt er Verantwortung in allen wirtschaftlichen Belangen." Blum bescheinigt Heimatring-Vorsitzendem Vierling "wirtschaftliche und soziale Kompetenz", "großes Ansehen in der Bevölkerung" und als Stadtrat in zweiter Periode die "notwendige kommunalpolitische Erfahrung", um OB werden zu können. "Sachverstand, gepaart mit Offenheit und Bürgernähe, machen ihn zum idealen Oberbürgermeisterkandidaten."

Die Entscheidungsfindung der Partei geht Hans Blum offenbar nicht schnell genug. Bereits vor einigen Wochen habe er dem geschäftsführenden Vorstand der Weidener CSU Heiner Vierling empfohlen, erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Parteiintern habe er große Unterstützung erfahren. Und dennoch geht nichts voran. "Es hat mal geheißen, dass wir Mitte April mit einem Vorschlag kommen", berichtet Blum den Oberpfalz-Medien. "Mitte April" ist jetzt eine gute Woche her. In der Frage des OB-Kandidaten dauere es ihm einfach zu lang, bestätigt der Stadtrat. Sein Vorstoß sei mit niemandem abgesprochen. Allerdings wisse er, so Blum, dass Vierling zur Kandidatur bereit sei.

CSU-Kreisvorsitzendem Stephan Gollwitzer schwebt ein ganz anderer Zeitplan vor als der des Stadtrats: Nominierung des OB-Kandidaten am 27. Juni, gefolgt von der Präsentation der Stadtratsliste im Juli. Bis dahin sei eigentlich Stillschweigen vereinbart worden. "Und wir lassen uns nicht von irgendjemandem treiben." Über den Vorstoß des Parteifreunds sei er "verstimmt", bekennt Gollwitzer. "Im Kreisvorstand und der Fraktionsspitze sind wir intensiv mit der Frage des OB-Kandidaten beschäftigt." Blum – "als Medienbeauftragter Mitglied des engsten Führungsgremiums" – hätte sich besser bei seinen Parteifreunden über den Stand informieren sollen statt an die Öffentlichkeit zu gehen. "Ein Anruf bei mir hätte genügt." Und: "Ich dachte, wir wären auf einem guten gemeinsamen Weg." Fraktionsvorsitzender Markus Bäumler will sich zu dem Vorgang nicht äußern.

Dass Hans Blum den Alleingang wählt, um ein Zeichen für einen "alteingesessenen Weidener" zu setzen, ist dabei sicher kein Zufall: Im Rennen als OB-Kandidat soll schließlich auch der nun ehemalige Tirschenreuther Kreisrat Benjamin Zeitler sein, ein gebürtiger Plößberger. "Zu ihm kann ich nichts sagen", betont Hans Blum. "Er ist ja erst seit zwei Monaten CSU-Mitglied in Weiden. Ich kenne ihn nicht." Auch deshalb sein Appell, "jemanden aus unseren eigenen Reihen zu nehmen, einen, der unserer Öffentlichkeit bekannt ist."

Hans Blums Erklärung im Wortlaut:

"Heiner Vierling soll OB-Kandidat werden"

"Bereits vor einigen Wochen habe ich Heiner Vierling als OB Kandidaten im Geschäftsführenden Vorstand der Weidener CSU vorgeschlagen. Da ich sehr oft auf diese Thematik angesprochen werde, und parteiintern große Unterstützung erfahre, mache ich meinen Vorschlag nun auch öffentlich.

Heiner Vierling, Spross einer alteingesessenen Weidener Familie, hat gute Chancen die Kommunalwahl 2020 zu gewinnen. Sein Motto lautet: „Ich als Weidener weiß am besten, was für die Stadt gut ist“. Er hat das Herz am rechten Fleck. Als Unternehmer trägt er Verantwortung in allen wirtschaftlichen Belangen. Gleichwohl ist im bewusst, dass man als Arbeitgeber die Belange seiner Mitarbeiter immer im Blick haben muss. Heiner stellt immer wieder seine wirtschaftliche und soziale Kompetenz unter Beweis. Durch seine Sympathie geniest er großes Ansehen in der Bevölkerung.

Bereits im letzten Jahr übernahm er von Günther Magerl das herausgehobene Amt des Vorsitzenden des Heimatringes. Der Heimatring ist die Interessenvertretung sämtlicher kulturtreibenden Vereine der Stadt Weiden. Vierling hat in dieser Funktion schon gezeigt, dass ihm die Belange der Bürger sehr wichtig und Richtschnur für sein Handeln sind. Darüber hinaus ist er durch sein sportliches Engagement beim HC Weiden fest im Weidener Sport verwurzelt.

Heiner Vierling ist nun schon in der zweiten Periode im Stadtrat und hat damit die notwendige kommunalpolitische Erfahrung, um das Amt eines Oberbürgermeisters ausfüllen zu können. Für Fraktion und Partei ist es sehr wichtig, einen alteingesessenen Weidener für das Spitzenamt ins Rennen zu schicken. Sachverstand, gepaart mit Offenheit und Bürgernähe, machen ihn zum idealen Oberbürgermeisterkandidaten. Mit Heiner Vierling an der Spitze wird die CSU die Kommunalwahl 2020 gewinnen."

Bericht über "Hoffnungsträger" Benjamin Zeitler

Hans Blum prescht mit seiner Empfehlung für Heiner Vierling vor.
Kommentar:

Hausgemachte Unruhe

Weniger als ein Jahr bis zu den Kommunalwahlen. „Und die Unruhe beginnt“, stöhnt CSU-Kreisvorsitzender Stephan Gollwitzer über den jüngsten Querschuss aus eigenen Reihen. Als müsste das zwangsläufig so sein. Dabei geht’s ja auch anders, und das ist nun Teil des CSU-Problems: Schon Anfang Februar hat die SPD die wichtigste Frage beantwortet und zieht nun gelassen und geschlossen in den Wahlkampf. Jens Meyer ist ihr OB-Kandidat, und er betreibt munter Werbung in eigener Sache, während die Christsozialen noch immer an personellen Lösungen tüfteln.
Zuvor haben sie noch schnell den Fraktionsvorsitzenden ausgewechselt und dabei Gräben aufgerissen. Sollte dieser Schritt nötig gewesen sein – er kam schlicht viel zu spät. Auch davon dürfte der Alleingang Hans Blums zeugen. Hat er das Vertrauen in die Entscheidungsträger seiner Partei verloren? Eigentlich ist er ja selber einer – als Medienbeauftragter des CSU-Kreisverbands und stellvertretender Fraktionschef. Um so irritierender ist sein Entschluss, sich mit seinem Anliegen lieber an die Öffentlichkeit zu wenden als an die Parteifreunde. Die Unruhe beginnt nicht, sie setzt sich vielmehr fort und tritt nun offen zutage.

Ralph Gammanick

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