04.07.2019 - 17:05 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Es braucht Security im Schätzlerbad Weiden

Pöbeleien und Gewaltandrohungen gegen Bademeister und Gäste im Schätzlerbad Weiden nehmen zu. Deshalb soll ab Montag ein Sicherheitsdienst helfen, im Freibad des Schwimmvereins Weiden für Ordnung zu sorgen.

Doris und Michael Reinig sind nur zwei der Bademeister, die im Schätzlerbad die Aufsicht innehaben. Ihre Arbeit gestaltet sich dabei zunehmend schwerer. Badegäste pöbeln sie an, werden aggressiv.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

"Heuer ist es brutal. Wir gehen nur noch in Zwei-Mann-Stärke um den Weiher", sagt Michael Reinig. Seit acht Jahren ist er Bademeister im Schätzlerbad. Ängstlich sieht der großgewachsene Mann mit breiten Schultern, stattlichem Kreuz und einer Trillerpfeife um den Hals nicht gerade aus. Doch nach den Erlebnissen am vergangenen Hitze-Wochenende reicht's dem Bademeister und seinen Kollegen. Es kam wieder vermehrt zu unerfreulichen Zwischenfällen, Alkoholmissbrauch, Aggressionen, Pöbeleien, Gewaltandrohungen. Deshalb baten die Bademeister den Schwimmverein Weiden um Hilfe. Nun kommt ein Sicherheitsdienst zur Unterstützung. "Ab Montag steht Security am Eingang des Bads, um unser Personal zu schützen und die Badegäste vor Ärger zu bewahren", erklärt SV-Vorsitzende Ilona Forster. "Es wird Taschenkontrollen geben." So hat es der Vorstand beschlossen.

Eskalation am Sonntag

"Der Sonntag hat alles bislang Dagewesene übertroffen", erzählt Reinig. Ja, mit 36 Grad war es an diesem Tag heiß. Sehr heiß. Aber das könne nicht der Grund für die vielen Ausraster sein. Glasflaschen, laute Musik oder Shishas seien seit jeher laut Hausordnung im Bad verboten. Straßenschuhe, Essen sowie Rauchen im Beckenbereich sind genauso tabu. Zahlreiche Schilder weisen darauf hin. "Aber die beachtet ja keiner", weiß Ilona Forster. Die Folge: Eineinhalb Stunden helfen mehrere Bademeister zusammen, Scherben von Glasflaschen rund um die Tischtennisplatte zu beseitigen. Ans Ende der Liegewiese müssen sie turnen, um auf Bitten der Badegäste andere darauf hin zu weisen, dass die Musik ausgemacht werden muss oder Jugendliche dort davon abzuhalten, die Liege eines Badegastes zu demolieren. Wertvolle Zeit, in der die Aufsicht am Beckenrand fehlt. Aber nur eine Kleinigkeit im Vergleich zu der aggressiven Art, mit der vor allem Gruppen Bademeister sowie Badegäste angingen. "Zwei Mal war heuer schon die Polizei wegen Schlägereien im Bad."

"Warte nur, wenn wir dich dann draußen wiedersehen", hat einer Reinig gedroht. Sein Auto würden sie auch finden. Diesen jungen Mann und seine Freunde hatte der Bademeister zuvor gebeten, aus dem Wasser zu steigen. Die Uhr zeigte kurz nach 20 Uhr. Um 20 Uhr ist Badeschluss. Den jungen Leuten war's egal. Einer aus so einer Gruppe ging zuletzt gar Reinigs Frau Doris an, ebenfalls Bademeisterin. Er drohte mit Gewalt. "Da hat's gereicht. Der Respekt gegenüber dem Bademeister fehlt einfach völlig. Übrigens schon von den Kleinsten", klagt Michael Reinig.

Alles im Blick: Bademeisterin Doris Reinig beobachtet das Schwimmerbecken, im Hintergrund ist das Seniorenbecken zu sehen. Nicht selten werden sie und ihre Kollegen in letzter Zeit von Badegästen angegangen.
Doris und Michael Reinig sind nur zwei der Bademeister, die im Schätzlerbad die Aufsicht innehaben. Ihre Arbeit gestaltet sich dabei zunehmend schwerer. Badegäste pöbeln sie an, werden aggressiv.

Ab Montag steht Security am Eingang des Bads, um unser Personal zu schützen und die Badegäste vor Ärger zu bewahren.

Taschenkontrollen am Badeingang

Die Security soll deshalb ab Montag drohendes Unheil für Bademeister und Gäste schon am Eingang des Schätzlerbads ausbremsen – "mit Taschenkontrollen wie am Flughafen", sagt Ilona Forster. In puncto Glasflaschen und der durch sie drohenden Verletzungsgefahr kennt die Schwimmvereinsvorsitzende keine Gnade: "Dieses Flaschen-Verbot gilt ausnahmslos für alle Gäste." Werden also Glasflaschen in Badetaschen gefunden, sind sie in Containern, die am Eingang aufgestellt werden sollen, zu entsorgen. "Oder sie müssen zurück ins Auto gebracht werden." Gleiches gelte für Musikboxen, Shishas oder ein Arsenal an Alkoholika, sollten sie sich unter Handtüchern und Sonnencreme verstecken.

Doch so einen Sicherheitsdienst, der bei großem Andrang aufgestockt werden soll, gibt es nicht gratis. "Unsere gemeinnützige GmbH trägt erst einmal die Kosten für die Security", sagt SV-Vorsitzende Forster. Die Eintrittspreise blieben konstant. Aber der Schwimmverein werde mit dem Zuschussgeber, der Stadt Weiden, über diese zusätzlichen Ausgaben für die Security sprechen müssen, "mit denen wirklich keiner gerechnet hat".

Die Zeitungsausschnitte vor den Umkleidekabinen weisen auf die Gewalttat im Essener Freibad hin. Dort griffen junge Männer einen Bademeister an. Ein weitere Aushang verweist darauf, dass der Bundesverband deutscher Schwimmbäder über aggressive Gäste klagt.

Das meint Redakteurin Simone Baumgärtner zum Sicherheitsdienst im Schätzlerbad

Weiden in der Oberpfalz
Zwischenbilanz Schätzlerbad:

So läuft bislang die Badesaison 2019

"Es ist bislang ein gutes Jahr mit mehr Gästen", sagt Ilona Forster, Vorsitzende des Schwimmvereins Weiden. Die beiden neuen Rutschen würden zu dieser positiven Zwischenbilanz sicher das ihre beitragen. "Die Rutschen kommen gut an." Entgegen anders lautender Gerüchte habe es bislang keinen einzigen Unfall auf der breiten Wellen- und auf der steilen Free-Fall-Rutsche gegeben. Trotzdem werde die Neuheit des Bades weiter optimiert: "Ein Ampelsystem wird kommen."

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Kommentare

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Dr. Jürgen Spielhofen

In einer selbsternannten „offenen Gesellschaft“ sollte es auch möglich sein, dass über alles offen gesprochen wird!

07.07.2019
Dr. Jürgen Spielhofen

Zum Abbau von Vorurteilen wäre es vielleicht sinnvoll zu erfahren um welche Gruppen von Jugendlichen es sich handelt, die sich im Schätzlerbad derart daneben benehmen!

04.07.2019