Von Julia Hammer
Die Nachricht sorgte am Freitagvormittag für Bestürzung: Um 10.32 Uhr verunglückte ein Bus auf der Ausfahrt Weiden-Frauenricht, als er von der A93 abfuhr. Er war als Schienenersatzverkehr zwischen Regensburg und Weiden eingesetzt, 32 Fahrgäste und ein Fahrer waren an Bord, 28 Menschen wurden verletzt, zwei von ihnen schwer. Warum es zum Unglück kam sei aktuell noch Gegenstand der Ermittlungen, informiert die Polizei.
Stadtbrandrat Richard Schieder betonte noch am Freitag: "Anhand der Schwere des Unfalls ist es ein Glück, dass es keine Todesopfer gab". Glück, doch vor allem der schnelle und gezielte Einsatz der Rettungskräfte verhinderte Schlimmeres. Neben den Feuerwehren Weiden, Frauenricht und Rothenstadt, die mit zehn Einsatzfahrzeugen angerückt waren, kamen vier Notärzte, neun Rettungswagen, acht Krankentransportfahrzeuge sowie Sondereinheiten, darunter Schnelleinsatzgruppen, zum Unfallort. Doch wie gehen die Rettungskräfte bei Großeinsätzen wie dem Busunglück vor? Gibt es Konzepte, die in diesen Fällen greifen?
"Alles im Detail geplant"
"Jedes mögliche, denkbare Szenario, das bei uns in der nördlichen Oberpfalz passieren könnte, ist durchgeplant", sagt Jürgen Meyer, Pressesprecher der ILS Oberpfalz-Nord. Die Bandbreite reiche vom brennenden Mülleimer über einen unbeaufsichtigten Koffer bis hin zu vermissten Schwimmern, Bahnunglücken, Amokläufen, Überschwemmungen und Verkehrsunfällen. "Unsere Pläne definieren: Was ist passiert und wo ist es passiert", schildert Meyer. Für jeden Fall gebe es ein Schlagwort, hinter dem eine Alarmierungskette stehe. "Insgesamt haben wir 566 Schlagworte", sagt der ILS-Sprecher.
Die Alarmierungskette regle unter anderem, wie viele Einsatzkräfte und Einsatzmittel benötigt werden, wie viel Wasser im Brandfall zur Verfügung stehen muss oder welche technischen Geräte der Feuerwehr zum Einsatz kommen. "Alles ist im Detail geplant. Die Rettungsketten werden immer wieder überprüft und gegebenenfalls angepasst, etwa, wenn es zu Straßensperrungen kommt." In den ILS-Betriebsstätten Amberg und Weiden kümmere sich jeweils eine Person ausschließlich um diese Aktualisierung. "Wir besprechen die Einsatzmittelketten auch immer wieder mit der Feuerwehr, dem THW und dem Rettungsdienst."
Auch am vergangenen Freitag griff eine dieser Rettungsketten. "In der Anfangsphase war noch nicht klar, dass es sich zu so einem großen Einsatz entwickeln wird. Insgesamt sechs Anrufer haben den Unfall bei der Leitstelle gemeldet, jeder wusste etwas anderes. Von Schwerverletzten wurde aber nicht berichtet", schildert Meyer. Wichtig sei, jeden Anrufer anzuhören: "Jeder hat andere Eindrücke, so können sich die Disponenten ein umfassendes Bild verschaffen."
Als der erste Rettungswagen eingetroffen war und deutlich wurde, dass es zahlreiche Verletzte gab, sei die Alarmstufe erhöht worden. "Wir waren am Freitag im Tagdienst zu viert. Als das Ausmaß des Unfalls klar wurde, haben wir alle Verwaltungskräfte in die Einsatzzentrale gerufen und die Rufbereitschaft alarmiert. Insgesamt waren wir dann acht Personen." Ihre Aufgaben: Rettungskräfte anfordern, die Polizei über neueste Entwicklungen informieren, Kontakt zur Straßenmeisterei halten, Nachbarkrankenhäuser und in diesem Fall die Bundeswehr kontaktieren, den Einsatz koordinieren und dokumentieren – "es gibt eine ganze Kette von Aufgaben". Am Freitag zählte dazu auch: "Wir haben um halb 11 Uhr den gesamten Krankentransport gestoppt. Acht Fahrzeuge haben wir zur Straßenmeisterei geschickt, wo sie abrufbereit waren. Der reguläre Rettungsdienst lief weiter."
Alarm- und Ausrückordnung
"Als wir alarmiert wurden, war durch das uns übermittelte Stichwort klar, um welchen Notfall es sich handelt und mit welcher Mannschaftsstärke, mit wie vielen Fahrzeugen und mit welchem technischen Gerät wir ausrücken müssen", sagt Stadtbrandrat Richard Schieder am Dienstag auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Der Ablauf sei durch eine mit der ILS abgesprochene Alarm- und Ausrückordnung geregelt. Jede Feuerwehr melde ein Mal pro Halbjahr ihre gesamte Ausrüstung an die Leitstelle. "Bei jeder Alarmierung greift ein Plan, der festlegt, ob wir beispielsweise einen Rettungsspreizer oder eine Seilwinde benötigen. Hätten wir das nicht, würde die nächstgelegene Feuerwehr mit angefordert, die über das Equipment verfügt. Das alles funktioniert automatisch", sagt Schieder. Klar sei bei derart großen Einsätzen: "Wir arbeiten mit allen Kräften und allen Fahrzeugen."
Auch die Polizei arbeite bei großen Unfällen mit Checklisten, sagt Dominik Träger von der Verkehrspolizeiinspektion Weiden. "Wir haben eine eigene Einsatzzentrale, die getrennt von der ILS ist." Nach einer Alarmierung verschaffen sich die Beamten erst einmal ein genaues Bild, "unter anderem darüber, wie viele Verletzte es gibt. Entsprechend viele Einsatzkräfte schicken wir zum Unfallort." Vor Ort sei es wichtig, eine gemeinsame Rettungsstelle zu bilden. "Zudem nehmen wir Personalien auf, versuchen die Unfallursache zu ermitteln und sperren wenn nötig in enger Abstimmung mit der Feuerwehr Straßen."
Kapazitäten und Krisenstab
Am Freitag wurden die Leichtverletzten in der nahegelegenen Bundeswehrkaserne versorgt. Doch auch das Klinikum Weiden wäre auf Szenarien mit vielen Verletzten vorbereitet, sagt Michael Ruhland, Brand- und Katastrophenschutzbeauftragter der Kliniken Nordoberpfalz AG. "Das Klinikum verfügt über einen Krankenhausalarm- und Einsatzplan, der verschiedene Kapitel mit Gefahren- und Schadenslagen beinhaltet und so individuell auf die gemeldete Lage angewendet werden kann. Er enthält jegliche Szenarien, mit denen ein Krankenhaus konfrontiert werden kann. Im Fall des Busunfalls wäre das ein sogenannter MANV, ein Massenanfall von Verletzten oder Erkrankten."
Werde ein "Großschadensereignis" gemeldet, würden entsprechende Maßnahmen getroffen, unter anderem eine interne Alarmierung von Mitarbeitenden sowie deren Aufgabenverteilung, eine Umstellung auf Erstdokumentation zur Registrierung der Patienten sowie "eine Schaffung von Kapazitäten in der Notaufnahme, Radiologie und den Operationssälen – bis hin zur Bildung eines Krisenstabes bei Katastrophenereignissen", sagt Ruhland. Zuerst würden die Verletzten in der Notaufnahme versorgt. Laut Plan sei vorgesehen, die Behandlungsbereiche dafür in entsprechende Sicherungskategorien zu unterteilen. "Je nach Schweregrad erfolgt dann die weitere Versorgung und Untersuchung im OP oder in der Radiologie, bis auf die behandelnde Station verlegt werden kann." Ein maßgebliches Ereignis, in dem der Krankenhausalarm- und Einsatzplan gegriffen habe, sei die Corona-Pandemie gewesen, betont Ruhland.






















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