Weiden in der Oberpfalz
01.09.2025 - 16:48 Uhr
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Helfer in der Not: Die Rolle der Bundeswehr beim Busunglück in Weiden

Von der Weidener Kaserne auf die A 93 sind es wenige Hundert Meter. An dieser Ausfahrt durchschlug am Freitag ein Bus die Schallschutzwand, 28 Menschen wurden verletzt. Unter den ersten Helfern waren Soldaten. Eine kleine Heldengeschichte.

Da diskutiert Deutschland derzeit das Für und Wider einer Wehrpflicht, schon schreiben Weidener Soldaten eine kleine Heldengeschichte. Am Freitagvormittag, bei dem schweren Busunfall auf der Ausfahrt Weiden-Frauenricht an der A 93, spielte die Bundeswehr eine entscheidende Rolle – und das zweimal.

Am Freitag gegen 10.30 Uhr war der aus Regensburg kommende Bus des Schienenersatzverkehrs an der Ausfahrt nach links auf den Grünstreifen geraten. Daraufhin kam der Bus, besetzt mit 32 Fahrgästen und dem Fahrer, wohl ins Schleudern und durchbrach auf der rechten Straßenseite sowohl die Leitplanke als auch die Schallschutzwand. Dahinter stürzte das kaum ein Jahr alte Fahrzeug einen Abhang hinunter, ehe es mit zersplitterten Scheiben, schräg nach unten hängend, an zwei Bäumen zum Stehen kam. Die Bilder des Unglücks ließen Schlimmstes befürchten.

Zufällig hinter dem Bus

Zur selben Zeit saßen zwei Weidener Soldaten im Auto. Sie waren gerade auf dem Weg zur Kaserne. Der Bus fuhr wohl unmittelbar vor oder wenige Fahrzeuge entfernt von ihnen, berichtet Weidens Stadtbrandrat Richard Schieder. Die beiden waren folglich unter den ersten Helfern, die am Freitag an der Unglücksstelle ankamen.

Schieder erzählt, zusätzlich zu den ersten Helfern sei noch ein Militärfahrzeug aus der Kaserne an den Unfallort gekommen, um den Kollegen zu helfen. Als die Feuerwehr eintraf, hätten die Soldaten die Fahrgäste bereits beim Aussteigen unterstützt, ihnen den Abhang hinauf geholfen, Verbandszeug ausgepackt und zum Beispiel Platzwunden versorgt. "Die waren wirklich eine gute Unterstützung für uns", sagt der erfahrene Feuerwehrmann. Um den Busfahrer aus dem Wrack zu befreien war dann jedoch schweres Gerät nötig.

Feldbetten in der Turnhalle

In der Kaserne, nur wenige Hundert Meter von der Autobahn-Ausfahrt entfernt, ging um 10.48 Uhr eine Meldung der ILS ein. Laut dem Weidener Presseoffizier Marc-Leon Hahne vom Panzerartilleriebataillon 375 bat die Rettungs-Leitstelle um Hilfe: Ob mehrere Verletzte nach dem schweren Unfall gleich nebenan in der Kaserne versorgt werden könnten? Konnten sie. Die Soldaten reagierten sofort. "Wir haben in der Turnhalle mehrere Feldbetten aufgestellt und uns um Getränke und Verpflegung gekümmert", berichtet Hahne, der selbst am Freitag mithalf. Er spricht von einer "Versorgungsstation", bis die eigentlichen Sanitäter eintrafen.

Ein angeforderter Bus für den verunglückten Schienenersatzbus brachte die 28 leicht oder mittelschwer verletzten Fahrgäste zur Kaserne. Dort kümmerten sich wenig später auch die gerufenen Rettungskräfte um sie. Die drei Schwerverletzten, darunter der Busfahrer, transportierte der Rettungsdienst direkt ins Krankenhaus.

Die Soldaten gaben in der Turnhalle ihr Bestes, sprachen mit den Verletzten, auch ein Militärseelsorger war im Einsatz. "Man hat gemerkt, dass einige unter Schock standen", erzählt Hahne. "Der eine hat es besser verkraftet, der andere weniger." Für Angehörige der verletzten Fahrgäste schufen die Soldaten derweil im zur Bundeswehr gehörenden Casino nebenan Platz. Das legt den Schluss nahe, dass einige der Fahrgäste aus der unmittelbaren Umgebung stammen. Zur genauen Herkunft der Personen hat die Bundeswehr keine Informationen.

Mit dem Ersatzbus kamen die Fahrgäste, nachdem sie medizinisch versorgt waren, schließlich zu ihrem eigentlichen Ziel, dem Weidener Bahnhof. "Am Ende waren alle wieder relativ gefasst", sagt Hahne.

Bundeswehr als Nothelferin

Soldaten bei schweren Unglücken als Helfer, das kommt gar nicht so selten vor. Als im Februar 2021 vier Lkw auf der Autobahn bei Ingolstadt zusammenstießen, war ein Ausbildungstrupp der Bundeswehr unter den Ersten an der Unfallstelle. Die teils noch sehr jungen Soldatinnen und Soldaten in der Ausbildung retteten mehrere Menschenleben.

Gut ein Jahr später, im Juni 2022, waren es ebenfalls Soldaten, die Schwerverletzte aus dem entgleisten Regionalzug bei Garmisch-Partenkirchen zerrten. Zwei von ihnen standen damals wegen des Unglücks auf der angrenzenden Bundesstraße im Stau, sprangen aber aus ihren Autos und halfen mit. In beiden Fällen ehrte die Bundeswehr die Helfer öffentlich für ihren Einsatz.

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Hintergrund :

Die Bundeswehr in Weiden

  • Standort: Major-Radloff-Kaserne (ehemals Ostmark-Kaserne), eröffnet 1935
  • Panzerartilleriebataillon 131: seit 2014 in Weiden; ca. 550 Soldaten
  • Panzerartilleriebataillon 375: seit 2023 in Weiden; ca. 550 Soldaten

Quelle: Bundeswehr

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