13.08.2020 - 16:20 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Corona macht Kräuterbuschen-Ausgabe schwierig

Corona macht dem Brauch an Mariä Himmelfahrt heuer einen Strich durch die Rechnung: Die Weidener Pfarrei Sankt Konrad kann keine Kräuterbuschen ausgeben. Der Frauenbund konnte sich nicht treffen. In Michldorf aber hilft das Dorf zusammen.

Coronabedingt stand das Kräuterbuschen-Binden auf der Kippe. Mehrere Michldorfer haben auf eigene Faust Kräuter und Blumen gepflückt und nun zu insgesamt 120 Büschen gebunden.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Das Kräuterbinden und die Weihung am 15. August zu Mariä Himmelfahrt ist ein Jahrhunderte alter Brauch in der katholischen Kirche. Sieben Kräuter werden in diesen Buschen zusammengebunden. "Die stehen für die sieben Sakramente und verdeutlichen auch die sieben Schmerzen Marias", sagt der Weidener Dekan Johannes Lukas von der Pfarrei Sankt Konrad. "Es gibt eine Legende, die besagt, dass die Apostel in Marias Grab ausschließlich Blumen fanden, als sie es öffneten", so der Pfarrer.

Die Tradition der Kräuterweihe sei "eigentlich ein fester Bestandteil bei uns in der Pfarrei". Doch die Corona-Pandemie macht dem Brauch heuer einen Strich durch die Rechnung. "Seit vielen Jahren werden die Kräuterbuschen vom katholischen Frauenbund gebunden, danach gesegnet und gegen eine kleine Spende ausgegeben", erzählt Lukas. Doch coronabedingt habe sich der Frauenbund nicht wie gewöhnlich zum Binden treffen können.

Heuer werden also keine Kräuterbuschen in der Pfarrei abgegeben - und das, obwohl die sonst immer einen "reißenden Absatz" gefunden hätten. "Trotzdem dürfen die Leute gerne ihre eigenen Buschen mitbringen und sie segnen lassen", sagt Dekan Lukas.

Michldorf: Dorf hält zusammen

Aus der Not eine Tugend gemacht hat dagegen die Dorfgemeinschaft in Michldorf. "Dort waren wir in der ähnlichen Lage wie die Pfarrei in Weiden", berichtet Pfarrer Alfons Forster. Denn auch hier konnte der Frauenbund nicht zum Binden zusammenkommen.

Damit wollte sich die Dorfgemeinschaft nicht zufrieden geben. "Wir fanden einen Kreis junger Familien, die mit ihren Kindern Kräuter und Blumen gesammelt haben." Kurzerhand half das halbe Dorf gleich mit beim Pflücken. Denn vor allem am Land habe dieser Brauch eine große Tradition, sagt der Pfarrer.

Vergangenen Sonntag hätten sich schließlich die tatkräftigen Familien in einem Hof getroffen und zusammen mit ihren Kindern die Buschen gebunden. Es sind insgesamt 120 Stück, die bereits in der Michldorfer Kirche ausliegen und an Mariä Himmelfahrt abgegeben werden.

Am Donnerstagnachmittag liegen die Buschen bereits in der Kirche aus. Die werden an Mariä Himmelfahrt gesegnet und abgegeben.

Auch in Kastl wird die Tradition hoch gehalten

Kastl bei Kemnath

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