30.01.2020 - 16:07 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

CSU und SPD gemeinsam für Bahnhof-Durchstich

Die CSU war früher dran. Sie beantragte bereits Anfang Januar die direkte Anbindung von Lerchenfeld und Bahnhof samt Barrierefreiheit. Nun fordert die SPD genau das Gleiche. Ein wenig Gegenwind gibt's trotzdem.

So nah und doch so fern. Noch führt kein direkter Weg vom Lerchenfeld zum Bahnhof. Jetzt gibt es gleich zwei Stadtratsanträge, um das zu ändern.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Das in NT und Onetz veröffentlichte Bild, auf dem SPD-Fraktionschef Roland Richter am Mittwoch einen Antrag unterschreibt, muss eingeweihten CSU-Stadträten wie Hohn vorgekommen sein. In dem Antrag fordern die Genossen die Stadt zu Schritten auf, um den Bahnhof barrierefrei zu machen und gleichzeitig an den Stadtteil Lerchenfeld anzubinden. Die Chancen, dass der Stadtrat dafür in der Sitzung am 9. März mehrheitlich grünes Licht gibt, stehen nun bestens. Denn einen sehr ähnlichen Antrag stellte die CSU bereits Anfang Januar. Darauf wies am Donnerstag CSU-Ehrenkreisvorsitzender Lothar Höher hin.

Der Antrag der Christsozialen datiert vom 3. Januar, vier Tage später ging er im Rathaus ein. Fraktionsvorsitzender Markus Bäumler nimmt darin Bezug auf eine Bestätigung, die der parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Enak Ferlemann, Bundestagsabgeordnetem Albert Rupprecht hat zukommen lassen (wir berichteten). Demnach sei es möglich, den barrierefreien Umbau des Weidener Bahnhofs von dem langwierigen Verfahren der Elektrifizierung zu entkoppeln.

"Die barrierefreie Erschließung bietet für die Stadt Weiden die einmalige Chance, den Ortsteil Lerchenfeld noch enger an die Stadt anzubinden", schreibt Bäumler. Die Stadt müsse hier von Anfang an die Überlegungen in diese Richtung lenken, die Finanzierung vorbereiten und ein Ineinandergreifen der Planungen sicherstellen. Konkret fragt der Fraktionschef unter anderem nach Fördermöglichkeiten und den Kosten einer Machbarkeitsstudie, die in einem zweiten Schritt in Auftrag zu geben sei. "Damit ist eine Arbeitsgrundlage zur Abstimmung mit den unterschiedlichen Behörden vorhanden, und die Stadt kann dieses Thema weiter vorantreiben."

Wie Höher erklärt, sollten die Medien den CSU-Antrag vor der Stadtratssitzung am 9. März erhalten. Im SPD-Fraktionsbüro lag er zwar vor, sei aber nicht beachtet worden, sagt Bürgermeister Jens Meyer. Dass die Genossen nun den gleichen Vorstoß unternahmen, „war keine böse Absicht“, versichert Meyer. „Das Thema ist uns viel zu wichtig, als dass wir daraus ein Politikum machen würden.“ Er wolle keinen Streit, betont auch Bürgermeister Höher: „Wichtig ist jetzt nur, dass wir das gemeinsam machen.“

Wie ernst ist die Initiative so kurz vor dem Wahltermin zu nehmen? In einer Reaktion auf die SPD-Initiative spricht Christian Deglmann, Fraktionsvorsitzender der Bürgerliste, von einer "uralten Idee". "Zu Wahlkampfzwecken wird sie nun als Schaufensterantrag rausgezogen." Frühere Debatten im Stadtrat hätten ergeben, dass die direkte Anbindung Bahnhof-Lerchenfeld nicht möglich, weil zu teuer sei. Zudem habe die Bahn nie mitgespielt.

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Verbindung zwischen Bahnhof und Lerchenfeld:

Mehrere Vorstöße seit 80er Jahren

Bereits Mitte der 80er Jahre hatte der damalige Stadtrat Willibald Härning erstmals angeregt, Bahnhof und Stadtteil Lerchenfeld mit einem Tunnel zu verbinden. Die Idee beschäftigte das Stadtratsgremium über die Jahre mehrfach. 2006 gab es eine Untersuchung, was eine Verlängerung des Tunnels zu den Bahnsteigen um etwa 30 Meter kosten würde: inklusive Treppen- und zwei Aufzugsanlagen sowie "Park & Ride"-Anlage 3,1 Millionen Euro, hieß es damals. Hinzu kämen Grunderwerbskosten. Als Zuschuss seien nur 600.000 Euro zu erwarten. Die Variante war dann auch Gegenstand eines Gesprächs zwischen Verantwortlichen von Bahn und Stadt. Beide Seiten zeigten sich danach optimistisch, der Umgestaltung des Bahnhofes entscheidend nähergekommen zu sein. In einer Presseerklärung hieß es: "Zeitlich höchste Priorität habe der Bahnhof samt Vorplatz sowie die Verbindung zum Lerchenfeld samt Park&Ride-Anlage." Das war vor genau zehn Jahren.

Inzwischen geht es um ganz andere Summen und Förderkulissen als damals. Für die Anbindung Bahnhof-Lerchenfeld wünscht sich die SPD den Wittgarten-Durchstich als "Blaupause". Diese Wegeverbindung samt Fußgängertunnel kostete 6 Millionen Euro, 70 Prozent davon übernahmen Bund und Freistaat. Als Segen erwies sich vor allem das "KIP1"-Förderprogramm des Bundes, mit dem Barrieren im öffentlichen Raum abgebaut werden sollen.

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