25.05.2021 - 08:42 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Dekanat Weiden: Missbrauchs-Vorwürfe gegen Pfarrer

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Kurz vor Weihnachten erfuhr der evangelische Pfarrer, dass er an den Feiertagen nicht auf der Kanzel stehen würde. Jetzt steht ein Strafbefehl über elf Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung im Raum. Es geht um ein Sexualdelikt.

Zwei Jahre sind vergangenen, seit sich ein evangelischer Pfarrer des Missbrauchs an einer jungen Frau schuldig gemacht haben soll. Jetzt steht ein Strafbefehl gegen den Geistlichen im Raum.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Sexueller Missbrauch im Rahmen eines Betreuungsverhältnisses lautet der Vorwurf. Der Sex war wohl einvernehmlich. Doch später ging die junge Frau zur Polizei. Dem evangelischen Pfarrer aus dem Dekanat Weiden wird zur Last gelegt, die Situation gegenüber der volljährigen Frau ausgenutzt zu haben.

Der Beschuldigte und sein Anwalt Rouven Colbatz haben nun angeregt, dass das Verfahren in ein Strafbefehlsverfahren übergeleitet wird. Dem folgte offenbar das Amtsgericht Tirschenreuth und übergab die Angelegenheit wieder der Staatsanwaltschaft. Im Raum steht ein Strafbefehl von elf Monaten auf Bewährung.

Frühjahr 2019

Die ganze Sache zieht sich schon lange hin. Laut Anklage soll es um acht sexuelle Handlungen etwa innerhalb eines Monats im Frühsommer 2019 und wohl an verschiedenen Orten gehen. Ein erstes Verfahren war damals nach einiger Zeit von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden. Angeblich wusste der Pfarrer bis dahin gar nichts von den Ermittlungen. Erst 2020 wurde das Strafverfahren wieder aufgenommen.

Kurz vor Weihnachten des vergangenen Jahres wurde der kirchliche Mitarbeiter von seinem Vorgesetzten aus dem Dienst genommen und suspendiert. Weidens evangelischer Dekan Thomas Guba bestätigte, dass er nach Bekanntwerden der Klage durch die Staatsanwaltschaft und auf Weisung die Disziplinarkammer der Landeskirche sofort gehandelt habe. „Es gilt im staatlichen wie im kirchlichen Recht die Unschuldsvermutung, ein Verbleib im Dienst ist jedoch derzeit im Interesse aller Seiten nicht möglich“, teilte Guba mit.

Pfarrkapitel, Kirchenvorstand und Gemeinde

In der vergangenen Woche habe er nach einem Gespräch mit dem Regensburger Regionalbischof Klaus Stiegler den Kollegenkreis und an einem weiteren Abend den Kirchenvorstand der betroffenen Gemeinde sowie am Pfingstsonntag die Gläubigen im Gottesdienst davon informiert, dass der Pfarrer seine Dienstaufgaben bis zur Klärung der Angelegenheit nicht wahr nehmen werde. Auf dessen eigenen Wunsch sei er vom Dienst in seiner Gemeinde entbunden worden.

Der beschuldigte Pfarrer kümmerte sich um die allgemeinen seelsorgerlichen und kirchlichen Aufgaben mit diversen Sonderbeauftragungen. Außerdem war er im Rahmen seiner Tätigkeit im Schuldienst eingesetzt.

„Die Evangelische-Lutherische Kirche in Bayern nimmt die gemeldeten Vorwürfe sehr ernst und hat ein hohes Interesse an deren Aufklärung“, betonte der Weidener Dekan auch im Auftrag des Landeskirchenamts in München. „Die Landeskirche steht mit den zuständigen staatlichen Stellen in engem Kontakt.“

Anlaufstelle für Missbrauchsopfer

Die junge Frau hatte sich auch an die Anlaufstelle für Missbrauchsopfer im Landeskirchenamt in München gewandt. Dort seien ihr Hilfsangebote zugesprochen worden, bestätigte der Sprecher. Diese Stelle kümmert sich um das Opfer und seine Anliegen unabhängig von der ebenfalls im Landeskirchenamt angesiedelten Disziplinarkammer. Deren Entscheidungen betreffen den kirchlichen Mitarbeiter.

Ein kirchliches Disziplinarverfahren ersetze ein staatliches Strafverfahren nicht, sondern könne daneben stattfinden. „Es nimmt, anders als ein Strafverfahren, diejenigen Punkte in den Blick, die nach kirchlichem Recht eine Amtspflichtverletzung darstellen“, sagte Guba. „Ermittlungsergebnisse von Polizei und Staatsanwaltschaft finden in ein kirchliches Disziplinarverfahren Eingang.“ Mit Verweis auf das laufende Verfahren machte er allerdings keine genaueren Angaben zu den Vorwürfen.

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Hintergrund:

Sexualdelikte und Pornografiefälle im Landgerichtsbezirk Weiden

  • Sexualdelikte (von der Belästigungen bis zur Vergewaltigung), die beim Landgerichtsbezirk Weiden eingingen: 2018: 99; 2019: 82; 2020: 96.
  • Eingang von Delikten der Pornografie und Kinderpornografie im Landgerichtsbezirk Weiden: 2018: 24; 2019: 35; 2020: 46. 2021 sind es schon mehr Fälle als im gesamten Jahr 2020.

 

 

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