14.07.2020 - 08:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Was ist denn Ransomware, bitteschön?

Auch das Handwerk muss sich vor Hackerangriffen schützen.

Lernlabor für Cybersicherheit in Weiden: Haben wir da ein Problem? OTH-Prof. Loebenberger (rechts) wirft seinem Kollegen Felix Schärtel (wissenschaftlicher Mitarbeiter) einen fragenden Blick zu.
von Reiner Wittmann Kontakt Profil

Daniel Loebenberger arbeitet an der OTH in Weiden als Professor für Cybersicherheit und lietet dort den Oberpfäzer Standort des Fraunhofer-Institus für Angewandte und Integrierte Sicherheit (AISEC). Er erklärt, worauf zu achten ist.

ONETZ: Herr Loebenberger, Sie sind an der OTH Amberg-Weiden Professor für Cybersicherheit. Klingt ganz schön martialisch. Was hat das denn mit Handwerkern zu tun?

Prof. Dr. Daniel Loebenberger: Tendenziell weisen viele Systeme bei Klein- und Mittel-Unternehmen Sicherheitslücken auf, insbesondere dann, wenn relevante Geräte schon seit vielen Jahren in Betrieb sind. Besonders muss man auf die Sicherheit achten, wenn die Geräte mit dem Internet verbunden sind.

ONETZ: Welche Cyber-Risiken lauern denn konkret so auf den Handwerker um die Ecke?

Prof. Dr. Daniel Loebenberger: Ganz profan: Datenklau. Dass jemand auf Daten zugreifen kann, die ihm nichts angehen. Eine weitere reale Gefahr ist Ransomware, das heißt Software, die die Festplatte verschlüsselt, so dass man nicht mehr darauf zugreifen kann. Der Angreifer verlangt einen bestimmten Betrag, damit die Daten wieder entsperrt werden. Klassische Erpressung. Das Perfide daran ist: Das wird relativ zielgerichtet gemacht, denn die Angreifer schätzen vorab ein, wie viel der Angegriffene realistischerweise zahlen kann, so dass es zwar schmerzhaft, aber für den Betrieb nicht existenzgefährdend ist.

OTH-Prof. Loebenberger: "Ehrlich gesagt sind meine Mitarbeiter die besseren Hacker."

ONETZ: Wie kann man sich schützen, ohne gleich Unsummen zu investieren?

Prof. Dr. Daniel Loebenberger: Die Schutzmaßnahmen, die man ergreift, hängen natürlich von der Betriebsgröße und von der Bedrohungslage ab. Ein kleiner Betrieb sollte darauf achten, dass er auf seinen Systemen die regelmäßigen Sicherheits-Updates fährt. Nicht auf E-Mail-Anhänge von unbekannten Absendern klicken. Auch Offline-Backups und eine Firewall sind sinnvoll. Und natürlich gute Passwörter. Anderes kann schnell teuer werden. Je größer der Betrieb, umso größer aber die Gefahr eines Angriffs. Das gilt auch für das Handwerk. Da kann es überlegenswert sein, bei einem Profi wie uns die Erarbeitung eines Sicherheitskonzepts in Auftrag zu geben.

ONETZ: Wie erkennt man, ob man Opfer eines Hackerangriffs wurde?

Prof. Dr. Daniel Loebenberger: Wenn es ein Profi-Hacker ist, erkennt man es im Zweifel gar nicht. Sollten Systeme instabil arbeiten, komisch reagieren oder plötzlich abstürzen, kann das natürlich immer ein Hinweis auf Hacking sein.

ONETZ: Sie machen ja eher einen seriösen Eindruck, aber mal Hand aufs Herz: Haben Sie selbst schon mal ein System gehackt?

Prof. Dr. Daniel Loebenberger: Ehrlich gesagt, sind meine Mitarbeiter die besseren Hacker. Als sogenannte White-Hat-Hacker versuchen wir nach einem entsprechenden Auftrag in Kundensysteme einzudringen, um herauszufinden, wo die Schwachstellen sind und sie zu beseitigen. Das ist alles ganz legal.

ONETZ: Können mittelständische Handwerker in Sachen Cybersicherheit mit Ihnen zusammenarbeiten und wie könnte eine solche Kooperation aussehen?

Prof. Dr. Daniel Loebenberger: Na klar, dafür sind wir als Fraunhofer AISEC da. Wir sind an die OTH Amberg-Weiden angebunden, befinden uns auf dem Weidener Campus rein räumlich im so genannten "eHouse": Unser Auftrag lautet, der heimischen Wirtschaft zu helfen. Das kostet in der Regel natürlich Geld. Daneben gibt es diverse Schulungsangebote. Wir haben aber auch Studierende, die zum Beispiel in Zusammenarbeit mit einem Betrieb Bachelorarbeiten über Themen zur IT-Sicherheit anfertigen. Die betreuen wir selbstverständlich kostenlos, wenn das Thema auch wissenschaftlich interessant ist..

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