06.05.2021 - 13:58 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Empörung über Corona-Antrag der AfD im Weidener Stadtrat

Die Weidener Stadträte müssen erstmals über Stunden FFP-Masken tragen. Ein Kommunalpolitiker protestiert vergeblich dagegen. Für heftigere Reaktionen sorgt ein Corona-Antrag der AfD.

Zumindest am Rednerpult darf DÖW-Stadtrat Helmut Schöner (rechts) die Maske nach unten ziehen.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Es half nichts. Auch Maskengegner Helmut Schöner (DÖW) musste die mehrstündige Stadtratssitzung mit FFP2-Filter vor Mund und Nase durchstehen. Erstmals galt die Anordnung, dass sämtliche Teilnehmer und Besucher in der Max-Reger-Halle permanent die Maske zu tragen hatten. Schöner protestierte kurz: Eine solche Pflicht bestehe meist auch am Arbeitsplatz nicht, und im Saal könnten doch Abstandsregeln eingehalten werden. Wobei er sich auch keinem Schnelltest unterzogen habe: "Es kann falsch positive Testergebnisse geben", er wolle nicht Gefahr laufen, von so einem an der Ausübung seines Mandats gehindert zu werden. Schöners Protest wurde zur Kenntnis genommen, mehr nicht. Immerhin durfte er die ungeliebte Maske am Rednerpult kurz abnehmen.

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Weitaus mehr Emotionen weckte ein AfD-Antrag. Die veröffentlichten Zahlen zu Coronainfektionen, so forderten die Rechtspopulisten, seien unbedingt um den jeweiligen Ct-Wert der Betroffenen zu ergänzen. Dieser Wert misst die Virusintensität und kann Aufschlüsse zur Ansteckbarkeit liefern. AfD-Stadtrat Manfred Schiller zog einen originellen Vergleich: Bei Autofahrern, die positiv auf Alkohol getestet würden, bestimme ja auch der Promillewert, ob und welche Folgen das hat. Ein positiv auf Corona Getesteter werde hingegen "eingesperrt" und an der Ausübung seines Berufs gehindert. Mehr Aufschlüsse zu den Ct-Werten können nach Schillers Überzeugung belegen, "wie sinnlos dieser Lockdown ist". Schiller forderte "die sofortige Aufhebung der Coronamaßnahmen und eine Rückkehr zum normalen Leben".

Regelrecht in die Luft ging darauf hin Sabine Zeidler (SPD). "Dieser ,sinnlose Lockdown‘ hat sehr, sehr viele Menschenleben gerettet", schimpfte sie. "Es steht mir bis hierher!" Dem AfD-Mann bescheinigte sie Ignoranz angesichts zahlreicher Opfer und dem überlasteten Personal in den Kliniken. Als einer, der mit der Krankheit selbst schwer zu kämpfen hatte, verwahrte sich Gerald Bolleininger (SPD) gegen die "Verharmlosung". Die meisten Infizierten seien ja positiv genug, um andere anzustecken. Die Pandemie sei nicht wegzuleugnen. Bolleininger: "Lieber gehe ich bei der Sicherheit einen Schritt zu weit, als dass ich etwas zulasse, das anderen das Leben kostet."

Das eher sachliche Urteil eines Arztes: "Dieser Antrag zeugt von erstaunlicher Ahnungslosigkeit." Dr. Matthias Loew, SPD-Stadtrat und Allgemeinarzt, hielt Schiller entgegen, "dass eine Infektionskrankheit kein statisches, sondern höchst dynamisches Geschehen" sei. Der Antrag sei in Teilen "völliger Blödsinn" und Ausdruck von "totaler Ignoranz gegenüber der pandemischen Situation". Und überhaupt – das stellte auch Rechtsdezernentin Nicole Hammerl fest: Die Stadt sei der völlig falsche Adressat, denn weder erhebe sie die Infektionszahlen noch veröffentliche sie diese amtlich. Loews Rat an Schiller: "Den Antrag müssen sie bei der WHO stellen."

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Kommentare

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Manfred Schiller

Im Nachgang zur Stadtratssitzung letzten Montag, den Reaktionen der Kollegen, sowie des obigen Artikels möchte ich folgendes nachtragen:

Das was ich im Stadtrat bereits mit Antrag vom 04.01.21 gefordert habe, ist nichts anderes als die WHO-Linie seit dem 20.01.21. Unsere Regierung, die sonst immer der WHO an den Lippen hängt hat darauf nicht reagiert. Auch die Welt Online brachte kürzlich einen Artikel dazu.

Zitat WHO vom 20.01.21

WHO guidance Diagnostic testing for SARS-CoV-2 states that careful interpretation of weak positive results is needed (1). The cycle threshold (Ct) needed to detect virus is inversely proportional to the patient’s viral load. Where test results do not correspond with the clinical presentation, a new specimen should be taken and retested using the same or different NAT technology.

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article230407507/Ct-Wert-Wir-muessen-die-Ergebnisse-der-PCR-Tests-genauer-auswerten.html

Eine sachliche Diskussion scheint bei diesem Thema nicht möglich bzw. gewollt zu sein.

Viele Grüße
Manfred Schiller
Stadtrat

07.05.2021
Manfred Schiller

Im Nachgang zur Stadtratssitzung letzten Montag, den Reaktionen der Kollegen sowie des obigen Artikels möchte ich folgendes nachtragen:

Das was ich im Stadtrat bereits mit Antrag vom 04.01.21 gefordert habe ist nichts anderes als die WHO-Linie seit dem 20.01.21. Unsere Regierung, die sonst immer der WHO an den Lippen hängt hat darauf nicht reagiert. Auch die Welt Online brachte kürzlich einen Artikel dazu.

Zitat WHO vom 20.01.21

WHO guidance Diagnostic testing for SARS-CoV-2 states that careful interpretation of weak positive results is needed (1). The cycle threshold (Ct) needed to detect virus is inversely proportional to the patient’s viral load. Where test results do not correspond with the clinical presentation, a new specimen should be taken and retested using the same or different NAT technology.

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article230407507/Ct-Wert-Wir-muessen-die-Ergebnisse-der-PCR-Tests-genauer-auswerten.html

Eine sachliche Diskussion scheint bei diesem Thema nicht möglich bzw. gewollt zu sein.

Viele Grüße
Manfred Schiller
Stadtrat

07.05.2021