14.10.2021 - 14:27 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ende des Corona-Winterschlafs treibt Gas- und Ölpreise hoch

Für Gas, Strom und Sprit müssen Kunden immer tiefer in die Tasche greifen. Das sagen Experten und Händler aus der nördlichen Oberpfalz zur Preisentwicklung.

Eine ausreichende Menge an Heizöl für den Winter ist gesichert.
von Helmut KunzProfil

Gefühlt haben sich über Nacht die Strompreise in Deutschland fast verdoppelt. Das bewegt natürlich viele Menschen. „Beim Strom werden wir sicher noch steigende Nutzungsentgelte sehen“, prophezeit Professor Markus Brautsch von der Fakultät Maschinenbau und Umwelttechnik an der OTH Amberg-Weiden. Er erwartet zudem einen massiven Ausbau der Netze, sobald die erneuerbaren Energien entsprechend vorangetrieben würden, wie es in den Klimaschutzplänen von Land und Bund geplant sei.

„Der Netzausbau wird natürlich automatisch auch zu erhöhten Netznutzungsentgelten führen.“ Ferner beobachtet Brautsch beim Strom kräftig gestiegene „Arbeitspreise“ (Strompreis, wie er an der Leipziger Börse gehandelt wird) vor allem in Zeiten von wenig Wind und Sonne. „Bei den Strompreisen ist die Tendenz also steigend.“ Und Brautsch glaubt auch nicht daran, dass die derzeitige Entwicklung schon die erste Auswirkung des Klimaschutzpakets sei. „Die CO2-Steuer befindet sich momentan erst in der ersten und damit niedrigsten Stufe von 25 Euro pro Tonne.“ Die scheidende Regierung habe bis zum Jahr 2025 eine Erhöhung auf 55 Euro pro Tonne festgesetzt. „Diese CO2-Bepreisung kommt dann noch dazu.“

Möglichkeiten zum Energiesparen nutzen

Der Verbraucher habe die Preisentwicklung aber zum Teil selber in der Hand. Er müsse nur das umsetzen, was in den letzten 25 Jahren auf dem Gebiet der Energieeinsparung entwickelt worden sei. „Man muss sich möglichst energieeffizient und sparsam verhalten. Oder man muss sich von den fossilen Energien lösen, so gut es geht.“ Die Möglichkeiten seien vielfältig. Etwa die Photovoltaikanlage, die sich auf dem Dach für den Eigenstromlieferant anbiete.

Für Brautsch ist die Photovoltaik ein gutes Instrument, um seinen Strom selber zu produzieren und sich ein Stück weit vom Strombezug abzukoppeln. „Jeder Hausbesitzer sollte das tun.“ Die neue Bundesregierung werde viel dazu beitragen, den Ausbau zu forcieren. Von staatlichen Förderprogrammen für Photovoltaikanlagen halte er allerdings wenig, weil der Staat nichts fördern sollte, was sich für den Nutzer rechne. „Und eine Photovoltaikanlage rechnet sich.“ Politisch nachbessern sollte man bestenfalls bei der Gebäudesanierung, die Geld koste, aber über Jahrzehnte hinweg helfe, Energiekosten einzusparen.

Kein Gas bestellt

Bei den fossilen Heizstoffen, wie Heizöl oder Gas, stellten Angebot und Nachfrage den Preis. Die Weltwirtschaft ziehe an. Öl und Gas würden zurückgehalten und damit knapper, was den Preis verteuere. „Und die deutsche CO2-Bepreisung kommt hinzu. Brautsch glaubt nicht an einen Preisrückgang, spricht vielmehr von einer Normalisierung. „Wir waren ja nur wegen Corona so niedrigpreisverwöhnt.“ Der drastische Preisverfall sei dem Stillstand der globalen Wirtschaftsproduktion und der daraus resultierenden mangelnden Nachfrage geschuldet. Zeitweise sei der Ölpreis auf 20 Dollar pro Barrel gefallen. „Und jetzt haben wir wieder einen Anstieg auf das alte Niveau, haben aber noch längst das Vor-Corona-Niveau nicht erreicht. Wir müssen uns an deutlich höhere Energiepreise gewöhnen.“

Gerhard Bergler ist Chef der Firma Bergler, einem der größten Energieversorger in der Region. Wie es mit der Preisspirale weitergehe, könne er nicht sagen. „Das ist momentan eine schwierige Situation auf dem Energiemarkt. Auf der einen Seite haben wir die Unterversorgung der Gasmärkte, was nicht daran liegt, dass uns Russland kein Gas liefert, sondern daran, dass kein Gas bestellt wurde.“ Auf der anderen Seite, ziehe die Weltkonjunktur nach Corona wieder an, wie auch schon Professor Brautsch deutlich machte.

Weltweite Nachfrage zieht an

Normalerweise habe man nachfragebedingte Schwankungen, weil immer irgendwo auf der Welt Winter sei. „Dadurch, dass die Welt gleichzeitig aus dem Corona-Winterschlaf aufwacht, haben wir jetzt auf allen Seiten einen Nachfrageanstieg bei Öl- und Gasprodukten.“ Aufgrund der teuren Gaspreise werde auch das eine oder andere Kraftwerk plötzlich wieder mit Öl betrieben, was die Problematik noch verdopple.

Allerdings gebe es beim Heizöl, anders als beim Gas, kein Problem mit der Versorgungssicherheit. „Das ist auf den Märkten nach wie vor ausreichend verfügbar.“ Die Nachfrage sei allerdings auch beim Öl gestiegen. Hinzu kämen die Spekulationen an der Rohstoffbörse. „Insgesamt ist beim Öl die Versorgung zwar teuer, aber entspannt.“ Niemand brauche zu fürchten, im Winter zu frieren. Denn Horrorszenarien, dass die Gasversorgung im Winter nicht gewährleistet sei, fänden nicht statt. „Wir haben in Deutschland gute Energieversorgungsunternehmen.“

Regelmäßig zum Ende des Jahres Preisanstieg

Natürlich spüre die Firma Bergler auch die steigende Nachfrage durch die Verbraucher. Die seien verunsichert. „Die wollen sich kurzfristig sicherheitshalber noch einmal mit Heizöl eindecken.“ Er rate aber zu einem kühlen Kopf, sagte Bergler. „Wenn sich alles wieder eingependelt hat, kann man durchaus mit einer Seitwärtsbewegung der Preise rechnen." Kurze, scharfe Preisanstiege seien meist immer recht kurzfristig. Ohne Gewähr natürlich. Denn die steigende CO2-Abgabe ab Januar könne solchen Prognosen dazwischen grätschen. "Das ist aber dann ein deutsches Problem."

„Tendenziell ziehen die Preise bei Brennstoffen zum Winter hin immer an“, berichtet Matthias Ziegler von Ziegler-Erden in Plößberg. „Deshalb empfehlen wir unseren Kunden immer, wenn man es sich einrichten kann, am besten im Frühjahr oder Sommer zu tanken.“ Die Händler könnten sich somit besser auf die Lage einstellen, was eine Win-Win-Situation wäre.

Pelletpreis von Entwicklung im Holzmarkt abhängig

Der Pelletpreis habe sich noch nie an den Energiepreisen von Öl oder Gas orientiert und hatte bisher auch nicht so große Schwankungen, sagt er. „Die Rohstoffpreise sind hier abhängig von einigen anderen, zum Teil komplexen Marktentwicklungen im Holzbereich, die auf lange Sicht immer schwieriger einzuschätzen sind. Ich gehe aber davon aus, dass es sich auf das Niveau von vor zwei bis drei Jahren einpendeln wird.“ In vier bis fünf Monaten werde sich der Markt beruhigen.

Das Klimaschutzpaket begünstige den Umstieg auf alternative Energien und somit auch den Einbau von Pelletkesseln. Das Paket fördere ferner den Ausbau der Pelletproduktionen und sichere somit den Markt ab. Von Deutschland werden immer noch große Mengen an Holzpellets exportiert. Zunehmend würden sie aber im Land vermarktet. Dies mache ökologisch gesehen Sinn und sichere die Versorgung in Deutschland.

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Eine ausreichende Menge an Heizöl für den Winter ist gesichert.
Eine ausreichende Menge an Heizöl für den Winter ist gesichert.
Der Strompreis wird immer teurer.
Eine Photovoltaikanlage zur Senkung der Kosten ist nach Expertenmeinung eine Investition in die Zukunft.
Hintergrund:

CO2-Steuer und Gas

  • Der Preis je Tonne CO2 steigt von derzeit 25 Euro stufenweise auf 55 Euro im Jahr 2025.
  • Für Erdgas bedeutet das: Je Kilowattstunde werden 2021 rund 0,5 Cent erhoben.
  • Bei 25.000 Kilowatt sind das zusätzlich 125 Euro.
  • Bei einem Verbrauch von 20000 Kilowattstunden stößt eine Gasheizung 4940 Kilogramm
    CO2 aus.
  • Bei Heizöl oder Kraftstoff entspricht ein Preis von 25 Euro pro Tonne CO2 weniger als 10 Cent pro Liter.

 

 

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