27.09.2021 - 18:14 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Erstmals mehr Briefwähler als Urnenwähler in Weiden

Die Gewinner der Bundestagswahl sind in Weiden Grüne, FDP und Freie Wähler bei den Zweitstimmen sowie Manfred Schiller (AfD) bei den Erststimmen. Seine Partei schneidet schlechter ab als 2017. Die Analyse verrät interessante Details.

In der Hans- und Sophie-Scholl-Realschule sowie im Elly-Heuss-Gymnasium hatten die Wahlhelfer am Sonntagabend alle Hände voll mit der Auszählung der Briefwahl zu tun.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Nur um Haaresbreite verpasst Manfred Schiller (AfD) über die Liste den Einzug in den Bundestag. Erstmals waren die Rechtsausleger bei einer Bundestagwahl im Wahlkreis mit einem Direktkandidaten angetreten. Er holt zwischen Waldsassen und Luhe-Wildenau auf Anhieb über 10 Prozent, in Weiden 11,1. Seine Partei liegt allerdings über 3 Prozent hinter ihrem Zweitstimmenresultat von vor 4 Jahren zurück.

Schiller punktete vor allem in den Wahllokalen Berufsschule, Pfarrheim St. Johannes, Hans-Schelter-Schule und Rehbühlschule. Dort sowie in der Hammerwegschule, holte die AfD auch viele Zweitstimmen. Schiller gelang es außerdem, in 10 von 23 Wahllokalen besser abzuschneiden als seine Partei. Das schaffen in Weiden in der Regel nur die Bewerber von CSU und SPD. Albert Rupprecht und Uli Grötsch gelang dies in allen Wahllokalen.

Trotzdem verlor Rupprecht im Abwärtssog seiner CSU nach 2013 und 2017 erneut. Grötsch legt schwächer als die SPD um 1,25 Prozent zu. Für beide gilt: Wo die Partei stark ist, sind es es auch die Direktkandidaten. Rupprecht hat in Muglhof, in Neunkirchen und am Hammerweg eine Hausmacht. Grötsch hat in Rothenstadt, am Hammerweg und in der Stockerhut überzeugt.

AfD stark in Stockerhut

Einige Stadtteile erweisen sich für die CSU als schwieriges Terrain, etwa die Altstadt und die Scheibe, die im Maria-Seltmann-Haus wählen. Gleiches gilt für den Umkreis der Stötznerschule. Im Stimmbezirk Berufsschule II, grob gesagt in der Stockerhut, landen die Christsozialen nur auf Platz drei hinter AfD und SPD. Am Vorsprung der CSU im gesamten Stadtgebiet ändert das nicht allzu viel, auch wenn Grötsch in 9 Lokalen vor Rupprecht und die SPD bei den Zweitstimmen 8 mal vor der CSU landet.

Welcher Stadtteil wählt wie? Nachdem diesmal 17 Lokale weniger zur Verfügung standen, ist dies trennscharf schwierig abzugrenzen. Am ehesten geht es noch bei den kleineren Parteien. Bei den Grünen greift die Faustregel: je zentrumsnaher, desto erfolgreicher. Ihre besten Ergebnisse verzeichnen sie im Seltmann-Haus, im Elly-Heuss-Gymnasium und in der Stötznerschule. Kurios: In Rothenstadt schneidet Anne Droste bei den Erststimmen doppelt so gut ab wie ihre Partei. Die FDP hat Hochburgen im Elly-Heuss-Gymnasium und im Pfarrheim Herz Jesu, die Freien Wähler in Rothenstadt und am Bauhof, die Linke im Seltmann-Haus und in der Rehbühlschule.

Sonderfall Muglhof

Die Einteilung der Stimmbezirke hat Wahlleiter Martin Oppitz und seinem Team im Vorfeld viel Kopfzerbrechen bereitet. Grundsätzlich war ihr Ansatz, die Wege für den Wähler möglichst kurz, sprich fußläufig, und bequem (barrierefrei) zu gestalten. Daher gab es für die südlichen Stadtteile gleich zwei Lokale, die Hans-Sauer-Schule und das Pfarrheim St. Marien. "Es ist ziemlich viel Aufwand, man kann es nicht allen recht machen", gibt Oppitz zu. Doch es stecke schon ein Sinn dahinter, wenn etwa in der Hammerwegschule und im Pfarrheim St. Markus gewählt werde, wo keine 500 Meter Luftlinie dazwischen sind. Ähnlich sieht es rund um die Innenstadt bis hinter zum Kepler-Gymnasium aus.

Die Reduzierung der Wahllokale ist dem Trend zur Briefwahl geschuldet. "Dafür ging die Auszählung ratzfatz", freut sich Oppitz. Um 21.35 Uhr war am Sonntag alles durch. Ein Unsicherheitsfaktor war das kleine Muglhof. Auch dort war die Nachfrage nach Briefwahlunterlagen stark. Somit drohte das Szenario, dass weniger als 50 Menschen ins Wahllokal gehen. In diesem Fall hätte die Urne am Abend zum Nachbarlokal Bauhof transportiert werden müssen. Sie wäre mit den dortigen Stimmzetteln ausgezählt worden, um so das Wahlgeheimnis zu wahren. Allerdings stimmten dann doch 65 Muglhofer in ihrem Feuerwehrhaus ab. Vor allem Anhänger von CSU, SPD, Freien Wählern und Grünen haben erstmals häufiger am Küchentisch als im Lokal gewählt. AfD-Wähler bevorzugten dagegen mehrheitlich den klassischen Urnengang.

Ein Kommentar zum Ausgang der Bundestagswahl in Weiden

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Hintergrund:

Briefwahl schlägt Urne

  • Gültige abgegebene Erststimmen in Weiden 22661, davon 14374 Briefwahl
  • Gültige abgegebene Zweitstimmen in Weiden 22708, davon 14406 Briefwahl
  • Gesamte abgegebene Stimmen 63,6 Prozent Briefwahl, 36,4 Prozent Urnenwahl

 

 

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