13.12.2019 - 16:18 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Fahrerflucht nach tödlichem Unfall: Nürnberg hebt Urteil auf

Der Fall des Autofahrers, der 2017 einen Radfahrer überfahren und das Opfer liegengelassen hat, muss erneut verhandelt werden. Das Bayerische Oberste Landesgericht in Nürnberg hat das Urteil des Landgerichts Weiden aufgehoben.

Symbolbild
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Der Radfahrer war bei dem Unfall am 29. August 2017 auf der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Etzenricht und Weiherhammer ums Leben gekommen. Das Amtsgericht Weiden hatte den Angeklagten deshalb im Januar 2019 zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, wobei die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wurde. Außerdem wurde dem Mann die Fahrerlaubnis entzogen und für drei Jahre gesperrt.

Die Staatsanwaltschaft Weiden legte Berufung ein. Das Verfahren wurde vor dem Landgericht Weiden erneut verhandelt. Die Kammer hob das Urteil des Amtsgerichts auf und verhängte wegen fahrlässiger Tötung und unerlaubten Entfernens vom Unfallort ebenfalls eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren gegen den Autofahrer - allerdings ohne Bewährung. Als Verteidiger des Angeklagten legte Rechtsanwalt Engelbert Schedl gegen dieses Urteil Revision vor dem Obersten Landesgericht ein und hatte nun damit Erfolg.

Zur Erinnerung: Der 33-Jährige hatte den Radfahrer im August 2017 mit seinem Transporter überfahren und aus Panik die Flucht ergriffen. Das gestand er vor Gericht ein. Zuvor hatte er jedoch versucht, eine falsche Spur zu legen. Am Tag nach dem Unfall hatte er bei der Polizei behauptet, eine andere Person müsse mit dem beschädigten Transporter gefahren sein und Unfallflucht begangen haben. Ein Freund gab ihm für den Unfallabend ein falsches Alibi. Doch als der Zeuge erfuhr, dass bei der Kollision ein Mensch ums Leben gekommen war, knickte er ein.

Überführt wurde der 33-Jährige, der vor der Fahrt noch mit einem Kollegen Bier und Mischgetränke konsumiert hatte, letztlich mit Hilfe des beschädigten VW Transporters. Ein Fahrzeugteil war am Unfallort liegen geblieben. Ein Feuerwehrmann, der vor Ort im Einsatz war, hatte zufällig einen beschädigten Wagen gesehen, zu dem dieses Teil passte. Erst als der Unfallfahrer von der Polizei mit diesen Erkenntnissen konfrontiert wurde, legte er ein Geständnis ab. Vor Gericht hieß es, dass er noch immer unter seiner Schuld leide. Wie viel Alkohol der 33-Jährige zur Tatzeit intus hatte, blieb offen. Der Alkotest am Tag danach ergab null Promille.

Ausgerechnet die Frage der Alkoholisierung spielt aber nun für den Beschluss des Obersten Landesgerichts vom 28. November eine wichtige Rolle. "Bei einem alkoholbedingten Unfall mit tödlichem Ausgang ist eine Strafaussetzung zur Bewährung in der Regel nicht möglich", erklärt Friedrich Weitner, Leiter der Pressestelle. Die Frage der Alkoholisierung sei aber im Urteil des Landgerichts nicht klar als Ursache für die Kollision zu erkennen. Das Landgericht hatte in seinem Urteil unter anderem ausgeführt, der 33-Jährige habe den Radfahrer bei Dämmerung und leichtem Nebel wohl auch deshalb übersehen, weil er mit seinem Baseball-Cap und einer E-Zigarette herum hantiert habe. "Die fehlenden bzw. widersprüchlich-unklaren Feststellungen im angegriffenen Urteil bedingen daher die Aufhebung der Einzelstrafe für die fahrlässige Tötung. Danach konnte auch die Gesamtstrafe keinen Bestand haben", heißt es im Beschluss.

Eine andere Kammer des Landgerichts Weiden muss das Verfahren deshalb erneut aufrollen. Der Termin dafür steht noch nicht fest.

Im Mai verhandelte das Landgericht Weiden über den Fall

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