15.05.2020 - 11:26 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Feuerwehr Weiden unterstützt Rotes Kreuz: Nach jedem Corona-Krankentransport wird desinfiziert

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Bis zu 25 Rettungs- und Krankenwagen am Tag müssen in Spitzenzeiten wie im April von den Helfern des BRK desinfiziert werden. Das Coronavirus gibt den Takt vor. Seit Wochen hilft beim Reinigen auch die Weidener Feuerwehr kräftig mit.

von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Jeder Handgriff sitzt, es riecht nach Desinfektionsmittel. Mit einem Lappen wischt Felix Lauterbach über die Rettungstrage. Liegefläche, Kopf- und Seitenstützen, auch die Gurte werden nicht vergessen. „Wenn man es paar Mal gemacht hat, dann geht das ruckzuck“, sagt der 24-jährige Angestellte im technischen Feuerwehrdienst. Mit seinem ehrenamtlichen Kollegen Maximilian Pfaffenzeller (27) ist er am Donnerstag zum Schichtdienst in der Feuerwache 2 eingeteilt. In der Halle, wo sonst Gerätschaften für den Katastrophenschutz lagern, werden seit Beginn der Corona-Pandemie die Kranken- und Rettungswagen des BRK-Kreisverbandes gereinigt. Seit dem 23. März waren das immerhin 764 Fahrzeuge.

Bis zu 25 Desinfektionen pro Tag

„Wir haben hier in der Wache gerne Platz gemacht“, sagt Stadtbrandrat Richard Schieder beim Ortstermin. Einen dicken „Corona“-Ordner unterm Arm, führt der Chef der Feuerwehr Weiden über jeden Einsatz Buch. In Stoßzeiten standen die Wagen auf dem Hof Schlange. In der Statistik sticht der 6. April heraus. „Da hatten wir 25 Fahrzeuge zu desinfizieren“, sagt Schieder. Das war die Zeit, in der in zwei Schichten von 8 bis 23 Uhr geschrubbt wurde. Mittlerweile habe sich die Lage zum Glück etwas entspannt, die Schichtzeiten wurden zurückgefahren.

Einsatz, Putzen, Einsatz

Verkürzt hat sich auch der zeitliche Aufwand der Desinfektion. Seit zwei Feuerwehrler dem Team im Rettungsfahrzeug unter die Arme greifen, schaffen sie die Reinigung des Wagens in 30 Minuten. „Wir sind echt dankbar für diese Unterstützung“, sagt Andreas Scheuner, stellvertretender Leiter Rettungsdienst und lobt die außerordentlich gute Kameradschaft unter den Einsatzkräften. Die Feuerwache 2 in der Leuchtenberger Straße sei ideal gelegen. „So halten wir das Virus auch von der Rettungswache fern.“

Lisa Eschenbacher (24), ehrenamtliche Sanitäterin beim BRK, und Notfallsanitäterin Anke Priebe nehmen derweil jeden Winkel im Krankenwagen unter die Lupe. Die 42-jährige Priebe kennt das Prozedere nur zu gut. Als Hygienebeauftragte beim Roten Kreuz hat sie unter anderem die Helfer geschult. Sie ist seit 20 Jahren dabei. „Die Flächen in den neuen Wagen lassen sich eigentlich ganz gut reinigen. Aufwendiger sind die Rettungstransporter. Hier gibt es viel mehr medizinisches Gerät“, sagt sie.

Viel geduscht

Heute müssen sie und ihre Kollegin nicht duschen. Das sei Vorschrift nach jedem Corona-Transport, der nicht in voller Schutzkleidung erfolgt. "Es kann zum Beispiel auch sein, dass wir während der Fahrt erfahren, dass der Patient im Wagen das Virus hat. Da hast Du eine 50:50-Chance. Am Anfang der Pandemie haben wir deshalb immer geduscht. Wir konnten ja nicht sicher sein. Außerdem waren eine zeitlang Schutzanzüge knapp.“ Duschen und neue Kleidung liegen in der Feuerwache bereit. Die mit Corona infizierten Sachen werden in Extra-Säcken gesammelt und in die Spezialreinigung gebracht. Hygiene geht über alles, wissen die Helfer.

Mittlerweile ist ein zweiter Krankentransporter eingetroffen. Corinna Rewitzer (32) und Sabina Bauer (21), beide ehrenamtliche BRK-Kräfte, brachten eine Covid-19-Patientin nach Regensburg. Auch sie ziehen sich eine Plastikschürze über und legen sofort mit der Desinfektion los. Die Kollegen helfen. Schließlich könnte jede Sekunde ein Einsatz kommen. „Und ein Notfall kann nicht warten“, sagt Rewitzer.

Haben die Helfer eigentlich Angst, sich anzustecken? „Nein. Bei der Feuerwehr haben wir oft genug mit Gefahrenstoffen zu tun“, sagt Felix Lauterbach. Respekt, ja, den habe er. „Corona ist neu. Du kannst es nicht riechen, nicht schmecken. Wir alle können uns nur bestmöglich schützen.“

Video: Jeder Krankenwagen wird desinfiziert

Info:

Corona-Pandemie: Einsatzfelder der Feuerwehr Weiden

Insgesamt 68 Personen hat die Feuerwehr Weiden anlässlich des Katastrophenfalls-Bayern "Covid-19-Pandemie" im Einsatz. Stadtbrandrat Richard Schieder führt über jeden einzelnen Buch:

Mitarbeit in der Einsatzleitung (Krisenstab Neuhaus): 9 Kräfte.

Desinfektion von Rettungs-/Krankenwagen auf der Wache 2: 14 Kräfte.

Wöchentliche Auslieferungen von Schutzausrüstungen und Desinfektionsmittel (u.a. an Klinikum, Altenheime, Pflegedienste, Arztpraxen, Heilberufe, Schulen, Pfarreien): 17 Kräfte. Seit 25. März gingen an 328 Bedarfsträger Lieferungen.

Unterstützung der Integrierten Leitstelle (Bürgertelefon): 3 Kräfte.

Aufbau Zeltstraße Klinikum: 9 Kräfte.

Bettentransporte zum Aufbau Notkrankenhaus: 12 Kräfte.

Überörtliche Transporte (Desinfektionsmittel): 4 Kräfte.

Die Feuerwehr in Coronazeiten:

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