18.04.2019 - 13:53 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Geschleuste identifizieren "Scheich Merwan"

"Scheich Merwan" bestreitet weiterhin, 99 Menschen nach Deutschland geschleust zu haben: Er habe nur als Vermittler fungiert. Am zweiten Prozesstag in Weiden identifizieren ihn jedoch einige Geschleuste.

Symbolbild.
von Autor RNSProfil

Im Gegensatz zum ersten Verhandlungstag vor der Großen Strafkammer, als zahlreiche von Bulgarien nach Deutschland Geschleuste den Angeklagten nur indirekt kennengelernt haben wollten, identifizierten ihn am Donnerstag einige Männer doch als den „Scheich Merwan“. Der 38- Jährige, der vor Gericht steht, soll für mindestens acht Schleusungen verantwortlich sein, bei denen 99 Illegale im Sommer 2017 über Waidhaus, Furth im Wald oder Tillyschanz nach Bayern gekommen waren. Wahrscheinlich ist das aber nur die "Spitze des Eisbergs".

„Scheich Merwan“ soll „der Boss“ in Sofia gewesen sein. Ein Syrer berichtete, wie er den „Scheich“ in der „arabischen Straße“ kennengelernt hatte. Jeder habe ihn gekannt als den Mann, der alles organisieren konnte und „das Sagen hatte“. Kurden und Araber hätten ihm gesagt: „Die Strecke, die Scheich Merwan bietet, ist die Beste“. Dieser habe in einem „Kapitalistenviertel“ gewohnt und eine große Limousine gefahren. Gezahlt habe seine Mutter in Düsseldorf den Schleuserlohn von 4700 Euro, sagte der Syrer, wofür dann Taxi und Wohnung in Sofia gestellt worden sei. Nach einer Nacht außerhalb der bulgarischen Hauptstadt sei er in einen Lastwagen verladen worden. Dies sei „wie in einem Sarg“ gewesen und es sei zehn Stunden ununterbrochen gefahren worden. Die acht Personen im doppelten Boden des Fahrzeugs hätten nur fünf Zentimeter Luft zwischen ihrem Gesicht und den Brettern gehabt.

Ein Türke erkannte den Angeklagten anhand eines auffälligen Tattoos am rechten Arm. Die Familie des Mannes, der wegen politischer Aktivitäten in der Türkei verfolgt wurde, war bereits über Spanien in die Bundesrepublik gekommen. Er selbst habe den Weg über das Aufnahmelager in Bulgarien gehen müssen, ein Lager, umzäunt mit fünf bis sechs Meter hohen, Stacheldraht bewehrten Mauern. Dort habe er den Fluchthelfer kennengelernt.

Wie bereits berichtet, hat der Angeklagte über seinen Verteidiger Rouven Colbatz ein Geständnis abgelegt. Er bestreitet jedoch vehement, dass seine Vermittlertätigkeit mit Scheusertätigkeit gleichzusetzen sei. Nie habe er jemanden persönlich in ein Fahrzeug gesetzt. Nie habe er jemanden nach Deutschland gebracht. Der Verhandlung wird am Dienstag um 9 Uhr fortgesetzt.

Der erste Verhandlungstag:

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