16.01.2019 - 17:53 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Giftköder-Alarm oder Panikmache?

Ausgerechnet nahe der Grundschule Rothenstadt will die Polizei am Sonntag Giftköder gefunden haben. Ein Hund sei bereits daran verendet, heißt es. Schon geht es rund in den sozialen Medien. Dabei könnte alles nur Käse sein. Sprichwörtlich.

Müssen Hunde in Rothenstadt aufpassen, nicht an Giftköder zu schnuppern? Hier wurden Käsestücke mit rotem Pulver gefunden. Nach ersten Ermittlungen meint die Polizei aber, es bestünde keine akute Gefährdung.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

„Eine akute Gefährdung besteht nicht“, sagt Polizeisprecher Mario Schieder am Mittwoch auf Nachfrage. „Denn wir haben in diesem Fall überhaupt nichts Verifizierbares.“ Facebook-Kommentare, ein Tierheim-Post und der Elternbrief des Rektors der Hans-Sauer-Grundschule Christian Kauschinger klingen da ganz anders – eine Chronologie.

• Sonntagnachmittag: Auf der Facebook-Seite des Tierheims Weiden heißt es: „Uns wurde gemeldet, dass heute in Rothenstadt an der Grundschule diese Käsestücke mit einem roten Pulver versetzt gefunden wurden!“ Bilder von Käsestücken, die über nasses Gras und Laub verteilt sind, sowie die Aufforderung „Bitte passt gut auf eure Hunde auf, da man nicht weiß, ob es sich um Köder handelt“ flankieren den Post.

Was tun, wenn der Hund einen Giftköder gefressen hat?

• Montagvormittag: Christian Kauschinger, Rektor der Hans-Sauer-Schule Rothenstadt, legt mit einer Schuldurchsage und einem Elternbrief nach: „Am [...] Sonntag wurden in der unmittelbaren Nähe der Schule durch die Polizei vergiftetet Hundeköder aufgefunden. Unser Hausmeister hat diese ordnungsgemäß beseitigt. Wir können jedoch nicht ausschließen, dass sich noch weitere Giftköder in der Nähe der Schule befinden.“ Die Schulkinder sollten vorsichtig sein und die Augen offenhalten, die Hundebesitzer Rothenstadts ebenfalls auf sich und ihre Vierbeiner aufpassen, heißt es weiter. Nach den Warnungen seitens der Polizei „mussten wir reagieren“, erklärt Rektor Kauschinger.

• Montagnachmittag: Auch die Facebook-Seite des Tierheims reagiert prompt: „UPDATE“ steht da. Und: „Achtung! Es waren/sind ECHTE GIFTKÖDER!!! Der Rektor der Schule hat ein Schreiben raus gegeben, dass es sich um Giftköder handelt!!!“

• Dienstag: Mittlerweile wurde die Warnung im Netz Hunderte Male geteilt. Darunter wird sich über Hundehasser beklagt, die Gefahr für die Schulkinder diskutiert und sich über das Böse im Menschen ausgelassen. Im Internet kursieren Gerüchte, bereits mehrere Hunde in Rothenstadt seien tot. Die Aufregung ist groß.

• Mittwoch: „Es hat sich gezeigt, dass es nicht so ist, wie es schien“, sagt Rektor Kauschinger. Er ist über die Ermittlungen der Polizei und die Rücksprachen mit Hundeexperten informiert worden. Sie ergaben laut Polizeisprecher Schieder, dass der tote Hund wohl eher an Altersschwäche binnen weniger Stunden verendete, als qualvoll über Tage wegen des Fressens von Rattengift dahinzusiechen. Weitere tote Hunde gebe es nicht. Und auch die Käsescheibchen mit rotem Pulver, die der Rektor in seinem Elternbrief als "Kartoffelchips" beschreibt, haben wenig mit Rattengift gemein. Daraus schließt Schieder von der Polizei Weiden: „Prinzipiell müssen wir deshalb vieles in diesem Fall ins Reich der Fabeln verweisen.“

Es sei wie so oft in diesen Fällen. Einer erzählt etwas von Giftködern, der nächste hat dazu auch schon etwas gehört – und dann werden die ersten Hunde totgesagt. Zugleich betont Schieder: „Natürlich sollte man eine solche Warnung immer ernst nehmen und vorsichtig sein. Eine akute Gefährdung besteht aber nicht.“ Gewissheit bringe die toxikologische Untersuchung des Käsestücks beim Landeskriminalamt. Das Ergebnis lasse aber noch auf sich warten. „Wir haben aber vermutlich wirklich nur Käse“, sagt Schieder.

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