21.02.2021 - 19:28 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Grenzgebiet: Landräte und CSU-Politiker fordern trotz hoher Corona-Zahlen Öffnung

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In der nördlichen Oberpfalz und im Fichtelgebirge gibt es bundesweit die höchsten Corona-Inzidenzen. Landräte und CSU-Politiker fordern deshalb von München und Berlin Unterstützung. Und: Sie dringen auf Öffnungen.

Die Bundespolizei kontrolliert bei Mähring (Kreis Tirschenreuth) Einreisende aus Tschechien. Die verschärften deutschen Einreiseregeln zu Tschechien gelten seit 14. Februar.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Mit zwei Briefen haben sich am Wochenende unabhängig voneinander Landräte aus Ostbayern und CSU-Politiker aus der nördlichen Oberpfalz wegen der hohen Corona-Ansteckungszahlen an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gewandt. Sie fordern Unterstützung für die Region sowie Lockerungen für die Wirtschaft und eine Öffnung der Schulen. Der Tenor der Schreiben: Die nördliche Oberpfalz und Teile Niederbayerns sollten nicht hinter anderen Regionen in Bayern zurückstehen müssen.

Die Forderungen kommen in einer Zeit, da bundesweit gelockert wird. So öffnen die Schulen wieder, auch in der Mitte und im Süden der Oberpfalz. Gleichzeitig gibt es aber vermehrt Warnungen vor einer dritten Welle. So sprach der Molekularbiologe und Berater der Bundesregierung, Rolf Apweiler, in der "Welt" von zwei gegenläufigen Entwicklungen. Die alten Virusvarianten hätten zu einer Senkung der Inzidenz geführt. Dort, wo neue Virusvarianten schon dominierten, gingen die Zahlen aber nach oben.

Hotspot bei Mutationen

Das ist in Stiftland und im Fichtelgebirge zu beobachten, die als Hotspot der Corona-Mutationen gelten. Das Robert-Koch-Institut führt zudem den Kreis Tirschenreuth als den Kreis mit der höchsten 7-Tage-Inzidenz pro 100 000 Einwohner. Um bundesweit vergleichen zu können, wird der Zahl der Ansteckungen binnen sieben Tagen auf 100 000 Einwohner hochgerechnet. Am Wochenende lag die 7-Tage-Inzidenz im Kreis Tirschenreuth bei 358. Gefolgt vom Kreis Wunsiedel mit 323 und der Stadt Weiden mit 248. Der Kreis Neustadt/WN liegt mit 178 auf Platz zehn. In den Grenzkreisen in Tschechien bewegen sich die Werte der 7-Tage-Inzidenzen zwischen 999 im Kreis Cheb und 1462 im Kreis Tachov.

Teil des Fünf-Punkte-Plans der ostbayerischen Landräte ist es unter anderem, dass Impfstoff, der in anderen Regionen nicht verwendet wird und gelagert werden müsste, in den Grenzgebieten verabreicht werden soll. Zudem wünschen sich die Landräte, dass auch die Kinder in den betroffenen Landkreisen bald wieder zur Schule gehen können. Dazu wollen sie Lehrkräfte und Erzieher vorrangig impfen. In Gebieten in denen die 7-Tage-Inzidenz über 100 liegt, bleiben Schulen geschlossen, das betrifft auch die Kreise Tirschenreuth und Neustadt/WN sowie die Stadt Weiden.

Verbreitung der Corona-Mutanten

Weiden in der Oberpfalz

Handel und Gastronomie öffnen

Für Einzelhandel und Gastronomie streben die Landräte eine "Inzidenz-unabhängige Öffnungsstrategie" an. Tschechische Grenzpendler sollen nach den Vorstellungen der Landräte von Hof über Tirschenreuth, Neustadt/WN und Cham bis Freyung-Grafenau "unabhängig von der Systemrelevanz ihre Arbeit aufnehmen". Möglich machen soll das ein Ausbau der Testkapazitäten in den Grenzregionen. Dazu sollen zusätzliche Schnellteststationen betrieben werden, die Bund und Land mit Personal und Material unterstützen.

Der Bundestagsabgeordnete Albert Rupprecht, die Landtagsabgeordneten Tobias Reiß und Stephan Oetzinger sowie die Landräte Roland Grillmeier und Andreas Meier und der CSU-Stadtratsfraktionschef von Weiden Benjamin Zeitler schlagen vor, die Kreise Tirschenreuth, Neustadt/WN und die Stadt Weiden "auf Basis der hohen Inzidenzrate und der vorliegenden Mutanten zur Modellregion zu erklären". Diese solle auch die Kreise Wunsiedel und Hof umfassen. Rupprecht versteht die Idee der Modellregion als ein Konzept, um den Umgang mit der deutlich ansteckenderen Corona-Mutante B1117 zu erproben, sagte er auf Anfrage. Und so für den bundesweiten Umgang zu lernen.

Der Weidener Oberbürgermeister Jens Meyer (SPD) verweist darauf, dass die Entwicklung bei den Corona-Infektionen derzeit in eine Richtung geht, die alles andere als entspannt ist. Anlass zu Lockerungen sieht er vor diesem Hintergrund nicht. Im Gespräch macht er deutlich, dass ihm sehr bewusst ist, dass die gegenwärtige Situation den Menschen viel abverlange.

Gipfel mit Ministerpräsident und Kanzlerin

München

Die Situation in Kliniken

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Corona-Hot-Spots

7-Tage-Inzidenz in Deutschland: Kreis Tirschenreuth 358,1, Kreis Wunsiedel 323,4, Stadt Weiden 248,0, Kreis Neustadt/WN 177,9, Kreis Cham 107,0

7-Tage-Inzidenz in Tschechien: Kreis Cheb (Eger) 999,62, Sokolov 1260,6, Tachov 1462,28

Die RKI-Liste: Unter den zehn Kreisen und Städten mit den höchsten 7-Tage-Inzidenzen in Deutschland listet das Robert-Koch-Institut drei Oberpfälzer auf: den Kreis Tirschenreuth auf Platz 1, die Stadt Weiden auf Platz 3 und den Kreis Neustadt/WN auf Platz 10.

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