28.12.2020 - 16:13 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Grippe-Impfung laut Ärzteverbund Oberpfalz Nord "medizinisch und ethisch dringend empfohlen"

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Eindringlich appelliert Dr. Matthias Loew aus Weiden, sich auch im Corona-Winter gegen die Grippe impfen zu lassen. Es sei "medizinisch und ethisch dringend empfohlen", schreibt er im Namen des Ärzteverbundes Oberpfalz Nord in einem Aufruf.

"Normalerweise gibt es im Februar oder März im Klinikum einen Belegungsberg wegen Grippeinfektionen. Den können wir jetzt definitiv nicht brauchen", sagt Dr. Matthias Loew und ruft dazu auf, sich auch jetzt noch gegen Grippe impfen zu lassen.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

ONETZ: Herr Dr. Loew, warum ist es ausgerechnet mitten im Corona-Lockdown wichtig, sich gegen Grippe impfen zu lassen, obwohl man nur wenig Kontakt zu anderen Menschen hat?

Dr. Matthias Loew: Natürlich wirken die AHA-Regeln (Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen; Anmerk. d. Red.) auch gegen eine Grippevirus-Infektion. Im Frühjahr 2020 haben wir gesehen, dass beim Lockdown im März sofort Schluss war mit der Grippe. Sie war um den 15. März herum auf einmal vorbei. Auch auf der Südhalbkugel, wo während unseres Sommers Grippesaison ist, hat diese dieses Jahr praktisch nicht stattgefunden. Man kann das mit den AHA-Regeln erklären, aber es waren auch mehr Leute beim Impfen. Der Grund für den Rückgang ist also nicht eindeutig klar. Wir tragen eine Verantwortung für uns und unser Umfeld. Die Grippe ist eine ekelhafte Krankheit, aber ein laues Lüftchen im Vergleich zu Corona. An der Grippe sterben "nur" zehn- bis zwanzigtausend Menschen pro Saison. Die kommen aber vorher auch ins Krankenhaus, auf die Intensivstation – also in das System, das gerade ächzt. Normalerweise gibt es im Februar oder März im Klinikum einen Belegungsberg wegen Grippeinfektionen. Den können wir jetzt definitiv nicht brauchen. Und ganz gruselig wird es, wenn man beide Krankheiten hat.

ONETZ: Im Herbst gab es vielerorts keinen Grippe-Impfstoff. Ist die Knappheit nun vorbei?

Dr. Matthias Loew: Ich spreche jetzt für meine Praxis. Wir hatten ordentlich Impfstoff vorbestellt, die Vorräte aber schon im Oktober komplett verimpft. Und dann kam die Nachbestellung, die in der 47. KW kommen sollte, nicht. Keiner hat gewusst, ob sie noch kommt. Dann hat die Bayerische Staatsregierung ein Sonderkontingent von rund 550.000 Impfdosen freigegeben, die für schlechte Zeiten eingelagert waren, um sie kurzfristig in den Markt pumpen zu können. Ich hatte mich für das Sonderkontingent gemeldet, aber dann kamen doch noch die vorbestellten Dosen. Ich musste das Kontingent nicht anzapfen. Alle, die sich gegen Grippe impfen lassen wollten und im Oktober und November weggeschickt wurden, sollten jetzt dran denken.

ONETZ: Haben sich dieses Jahr mehr oder weniger Menschen gegen Grippe impfen lassen?

Dr. Matthias Loew: Deutlich mehr. Ich hatte für dieses Jahr ungefähr die Menge an Impfstoff bestellt, die wir im Vorjahr verimpft hatten. Normalerweise reicht das mindestens bis in den halben Dezember.

ONETZ: Für welche Menschen gilt Ihr Aufruf besonders?

Dr. Matthias Loew: Ganz prinzipiell für alle über 60 Jahre, chronisch Erkrankte und für Schwangere. In Bayern gibt es darauf aber keine Beschränkung. Jeder, der will, kann sich impfen lassen. Und in diesem Pandemiejahr würde ich raten, besonders breit zu impfen.

ONETZ: Bis wann sollte man sich spätestens impfen lassen, um nicht zu spät dran zu sein?

Dr. Matthias Loew: Das kommt auf die Grippewelle an. Wenn die Welle richtig da ist, ist es irgendwann zu spät für eine Impfung. Denn der Impfstoff braucht zehn bis 14 Tage, bis er wirkt. Jetzt ist die Welle noch nicht da. Hinzu kommt mit Blick auf die Corona-Impfungen, dass es immer einen Abstand zwischen Impfungen geben soll. Üblicherweise sind das vier Wochen. Laut den Vorgaben für die Corona-Impfungen sollen es mindestens 14 Tage sein. Deshalb ist unser Aufruf jetzt wichtig.

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Hintergrund:

Zur Person: Dr. Matthias Loew

  • Facharzt für Allgemein- und Sportmedizin aus Weiden mit Praxis in Rothenstadt
  • Hausärztlicher Vorsitzender des Ärzteverbundes Oberpfalz Nord (ÄVON)
  • Vorstandsmitglied des Ärztlichen Kreisverbands Neustadt-Weiden-Tirschenreuth
  • Mitglied der Vertreterversammlung der kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB)
  • SPD-Stadtrat in Weiden

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