21.03.2019 - 15:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Hans Dampf" erhitzt die Gemüter - Mitarbeiter werden bedroht

Das Hundezentrum Mittelfranken und das Veterinäramt Weiden können die Flut von Mails und Anrufen wegen des Dog Argentinos "Hans Dampf" kaum bewältigen. Doch nicht alle Reaktionen sind friedlich.

Dog-Argentino-Rüde "Hans Dampf" wartet immer noch auf ein neues Zuhause. Doch das scheint in weiter Ferne.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

"Die Suche nach einem neuen Zuhause hat einen großen Wirbel, ja fast schon einen Orkan verursacht", sagt Hundetrainer Gerd Schuster, bei dem der Kampfhund, ein Dog Argentino, zur Zeit untergebracht ist. Viele würden Anteil nehmen und gute Ratschläge geben, doch ernsthafte Anfragen sind nicht dabei. "Es gibt mit Sicherheit ein oder zwei Plätze, die in dem Chaos aber niemals gefunden werden können." Den Hund einzuschläfern, stehe zur Zeit nicht zur Debatte. Dies bekräftigt Schuster auch auf seiner Facebook-Seite. "Wir stehen in engem Kontakt mit den Behörden. Derzeit gibt es keinen Grund zur Euthanasie", informiert der Hundetrainer.

Weiden in der Oberpfalz

Polizei fährt Streife

Das Weidener Veterinäramt hatte gehofft, mit dem Aufruf einen kompetenten und fachkundigen Hundehalter zu finden, der bereit ist, "Hans Dampf" ein neues Zuhause zu geben. Es meldeten sich zwar viele, die spenden wollten oder jemanden kennen, der helfen könnte, doch ein Angebot zur vernünftigen Unterbringung war nicht dabei. Während Gerd Schuster ganz offen zugibt, dass er auch bedroht wurde und seit ein paar Tagen die Polizei vermehrt Streife entlang seines Grundstücks fährt, möchte sich die Stadt Weiden nicht zu möglichen Drohgebärden äußern. Dem Vernehmen nach soll es auch im Rathaus einen Vorfall gegeben haben, der Polizeipräsenz erforderte.

Obwohl Leiterin Jutta Böhm und ihr Team nichts mit der Vermittlung von "Hans" zu tun haben, rufen auch im Tierheim Weiden aufgebrachte Leute an, die die Mitarbeiter bedrohen und beschimpfen. Dabei war der Dog-Argentino-Rüde niemals hier. Außerdem darf eine Einrichtung wie Weiden keine Listenhunde aufnehmen.

Gerd Schuster hat im Interview mit Oberpfalz-Medien, auf Facebook und in You-Tube-Videos immer wieder erklärt, dass "Hans" keine Rüden, Katzen oder Frauen mag. Dennoch wollten die Leute genau das immer wieder von ihm wissen. "Wir bräuchten Vollzeitkräfte, die sich ausschließlich mit der Beantwortung der Mails, Anrufe und Nachrichten auf Facebook beschäftigen", klagt er.

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Kaum Vertrauen

Deshalb nochmals: "Der arme Kerl ist bereits seit er klein ist von einer Person zur nächsten gereicht worden. Weiter wissen wir, dass der Hund als Jungtier misshandelt wurde und Menschen nicht vertraut, selbst nach langer Pflege, gibt es Situationen, wo er kaum Vertrauen zeigt, vor allem gegenüber Frauen", erklärt Schuster. Momentan darf "Hans" im Hundezentrum bleiben, wo er sich wohl fühlt und viele Stunden ein über 7000 Quadratmeter großes Areal zum Bewachen hat.

Kommentar:

Drohungen statt echte Hilfe

Da gibt es Menschen, die sich viele Gedanken über das Schicksal von „Hans Dampf“ machen. Dazu gehören Gerd Schuster vom Hundezentrum Mittelfranken und auch die Mitarbeiter des Weidener Veterinäramts. Seit Oktober 2017 suchen sie für den Kampfhund ein neues Zuhause – leider bislang vergeblich. Die Hoffnung auf einen guten Platz lag in einem erneuten Aufruf. Doch was folgte: Schimpf, Schande und Bedrohungen. Viele haben nur eine Schlagzeile gelesen, aber nicht den ganzen Artikel und sich darüber empört, dass dem Hund die Todesspritze drohen könnte. Natürlich ist übers Einschläfern gesprochen worden, aber nicht als unmittelbare Maßnahme, sondern nur als allerletzte Konsequenz, die sich keiner der Beteiligten wirklich wünscht. Das wird in den Zeilen nach der Überschrift übrigens mehr als deutlich.

Michaela Lowak

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Kommentare

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Stefan Kreuzeck

Irgendwie gleitet heute vieles in beide Extreme.
In der Öffentlichkeit könnte der Hund ja einen Maulkorb tragen, dann ist er auch keine Gefahr. Die vom Menschen verursachten Dinge wird er nicht mehr wegbekommen.

Unabhängig von diesem Hund würde ich mir aber einen Maulkorbzwang in der Öffentlichkeit wünschen für Hunde. Nicht weil ich Hunde nicht mag, das Gegenteil ist der Fall.
Aber wer denkt eigentlich an die vielen Menschen die panische Angst vor Hunden haben oder die Fälle wo dann Hunde (meist sind es unfähige Halter, aber auch Hunde können durchdrehen wie Menschen) einfach Menschen angreifen, gerade bei Spaziergängern im Wald, auf Wiesen.
Mit Maulkorb kann nichts passieren. Man muss auch die Ängste vieler berücksichtigen, bei allem notwendigen Interesse für die Hunde, aber so ein Korb tut ja nicht weh.

22.03.2019