09.04.2021 - 14:12 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Impfstart in Praxen: Bei Hausärzten in Weiden und im Kreis stehen die Telefone nicht mehr still

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Hausärzte dürfen seit ein paar Tagen ebenfalls die Impfspritze gegen Covid-19 ansetzen und müssen viele Fragen der Patienten beantworten. Wir haben uns in Praxen in Weiden und dem Landkreis Neustadt umgehört, wie es läuft.

In den deutschen Hausarztpraxen geht es seit April rund. Dort dürfen die Menschen nun ebenfalls gegen das Coronavirus geimpft werden.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

48 Impfdosen des Vakzins Biontech hat Dr. Matthias Loew aus Weiden in dieser Woche nach seinem Urlaub erhalten. „Ich war schon überrascht, dass es so viel ist“, sagt der niedergelassene Arzt in Rothenstadt und Hausärztliche Vorstand des Ärzteverbunds Oberpfalz Nord. Und relativiert gleich wieder: „Für kommende Woche sind nur 6 Impfdosen angekündigt.“ In seiner Praxis war am Donnerstag „der erste große Impftag“. Seitdem ist der Alltag ein anderer.

„Das Telefon steht nicht mehr still, reihenweise gehen die Anmeldungen ein. Die Warteliste umfasst bereits vier DIN A4-Seiten“, sagt der Mediziner. Unter den Anrufern seien auch Patienten, die bereits im Impfzentrum angemeldet sind. Seiner Meinung nach sei es in Ordnung zweigleisig zu fahren. „Wer aber vom Hausarzt früher geimpft wird, sollte unbedingt seine Online-Registrierung stornieren bzw. seinen Termin im Impfzentrum absagen“, bittet er.

Loew bestellt die Patienten in 6er-Gruppen ein. Die Gruppenaufklärung erfolgt per Video über Wartezimmer-TV, bei Bedarf kurzes Arztgespräch, impfen, beobachten und fertig. „Was impft ihr denn?“ sei die am häufigsten gestellte Frage. Astrazeneca bleibe Dauerthema. „Es melden sich auch junge Erzieherinnen, die damit ihre Erstimpfung hatten und jetzt scheinbar beim zweiten Mal vor die Wahl gestellt werden. Die gibt es aber nicht. Ich kann jüngeren Frauen kein Astrazeneca spritzen, wenn ein Restrisiko besteht. Da halte ich mich strikt an die Vorgaben der Stiko (Ständige Impfkommission, Anm. d. Red.)“, wird Loew deutlich.

Personal am Anschlag

Schlag auf Schlag geht es am Donnerstag auch bei Allgemeinarzt Dr. Michael Spiegelsberger in Weiden. Auch er hatte vergangene Woche aus dem Praxisurlaub heraus die erste Bestellung geordert. „Wir haben 30 Impfdosen Biontech erhalten, nächste Woche sind es 24. Die Warteliste ist lang, vor allem mit bis zu 200 Patienten aus der Prio-Gruppe 2. Auch Spiegelsberger bestellt sie gruppenweise ein.

Der Aufwand für die vergleichsweise geringen Impfmengen sei enorm. „Allein, was wir an Formularen ausfüllen müssen. Da kommen wir kaum hinterher.“ Gemeinsam mit seinen drei Arzthelferinnen gilt es vor allem den Praxisbetrieb aufrecht zu erhalten. „Wir haben neben Covid-Infizierten und Impfsprechstunde ja auch noch Patienten mit ,normalen‘ Krankheiten.“ Das bringe das Personal ans Limit. Geimpft werde in dieser Woche nach Praxisschluss, auch wenn es wieder Überstunden bedeutet. „Wir waren uns da einig, dass wir beim Impfen dabei sind. Schließlich müssen wir doch mal vorwärtskommen.“

"Momentan sind wir alle ein bisschen aufgeregt", gibt Birgit Trottmann, medizinische Fachangestellte und Ehefrau des Neustädter Arztes Dr. Reinhard Trottmann, offen zu. Am Mittwoch ging es in ihrer Praxis los mit dem Impfen gegen das Coronavirus. 18 Patienten seien einbestellt worden. Es handle sich um Schwerkranke oder chronisch Kranke, die laut Priorisierung derzeit an der Reihe seien. "Wir haben den Impfstoff am Dienstag erhalten. Er ist vier Tage haltbar", erklärt sie. Am Mittwoch um 12.30 Uhr wurde er nun aufgelöst, und ab 13 Uhr ging es dann los. "Wir haben mittlerweile drei Ärzte, die Aufklärungsgespräch führen und dann auch gleich impfen." Denn die Warteliste Impfwilliger ist schon lang: Rund 400 Personen würden bereits auf einen Impftermin in ihrer Praxis warten.

Neben den 18 Patienten am Mittwoch stünden auch die drei Arzthelferinnen auf der Liste. Trottmann: "Weil die ja an vorderster Front stehen und bislang nicht berücksichtigt worden sind." Die Verunsicherung unter vielen Patienten sei aber noch groß, merkt die medizinische Fachangestellte. "Bei uns melden sich Patienten, die vor einigen Tagen mit Astrazeneca geimpft worden sind." Aufgrund der Meldungen über Hirnvenenthrombosen seien diese Leute sehr sensibel, was Nebenwirkungen anbelangt und würden dann beim Hausarzt zur genaueren Abklärung aufschlagen. Es würden sich auch Patienten melden, die demnächst einen Termin im Impfzentrum haben und aus Angst vor Astrazeneca am liebsten absagen würden. "Wir sagen dann, dass sie den Termin unbedingt wahrnehmen sollen", erklärt Trottmann.

Höchstzahl: 50 Impfdosen

Jede Praxis dürfe immer dienstags die Höchstanzahl von 50 Impfdosen bestellen. "Da wir ja zwei Kassensitze haben, versuchen wir beim nächsten Mal, 100 Dosen zu bekommen." Eine Woche später erfahre man dann, wie viele Impfdosen tatsächlich geliefert werden. Ärzte und Personal müssten jedenfalls jede Menge Aufklärungsarbeit leisten: "Es gibt viel zu tun. Weil es eben Neuland ist für jeden."

Viele Anfragen zum Thema "Impfen" erhält auch die Grafenwöhrer Gemeinschaftspraxis von Dr. Sabine Schultes und Dr. Barbara Tilgener. Dass sich die Patienten dabei gehäuft Sorgen wegen des Wirbels um das Vakzin von Astrazeneca machen – diesen Eindruck hat Dr. Sabine Schultes allerdings nicht, erzählt sie am Mittwoch. Wichtig sei den Bürgern dagegen, dass sie sich nun in vertrautem Umfeld bei ihrem Hausarzt impfen lassen können, merkt sie bei den Gesprächen. Seit Donnerstag, 1. April, haben die Ärztin und ihre Kollegin schon zehn Patienten mit Astrazeneca geimpft, also ein Fläschchen Impfstoff aufgebraucht. 36 Biontech-Dosen sollen es in dieser Woche sein. "Wir können von Woche zu Woche bestellen. Wie viele Dosen wir bekommen, wissen wir da aber nicht." Ist der Impfstoff frisch geliefert, geht es ans Telefonieren. Angerufen würden die Patienten, die auf eine Impfung warten, streng nach Priorisierung, also im Hinblick auf Alter, Krankheiten, Kontaktpersonen. Bislang hätten ihre Patienten die Impfung gut vertragen, sagt Schultes. Wer nun beim Hausarzt zum Impfen gewesen sei, könne sich beim Impfzentrum wieder abmelden, meint sie außerdem.

Die erste Corona-Impfung: Ein Erfahrungsbericht

Weiden in der Oberpfalz

Lob für Impfzentren

Das allgemeine Impftempo im Landkreis empfindet die Ärztin auch als positiv: "Ich glaube, dass es in unserer Region ganz gut läuft. 50-Jährige, die zum Beispiel Bluthochdruck haben, haben auch schon Impftermine", lobt sie die Mitarbeiter in den Impfzentren in Weiden, Pressath und Vohenstrauß. Davon, dass der Landkreis Grenzregion sei, würden die Bürger bei der Impfstoffverteilung nun eben profitieren.

Der Vohenstraußer Arzt Martin Poschenrieder impft in der Gemeinschaftspraxis zusammen mit Dr. Gudrun Korzenietz und Dr. Katrin Herfurth ebenfalls schon seit der vergangenen Woche. "Wir kriegen jetzt langsam eine Routine rein. Es muss sich auch einspielen. Wir müssen wissen, dass wir verlässlich mit Impfstoff beliefert werden, um die Termine planen zu können", meint Poschenrieder. Erste Erfahrungen würden zeigen, dass die Praxen bislang nur die Mindestanzahl an Impfdosen erhalten. "Letzte Woche bekamen wir Astrazeneca, diese Woche ist ist Biontech", informiert der Mediziner. Besonders beim Thema Astrazeneca sei der Beratungsbedarf sehr hoch: "Viele rufen nach der Impfung an und fragen, ob die Reaktionen noch normal sind." Nähere Untersuchungen seien bei diesen Patienten aber bislang nicht nötig gewesen.

"Wir werden jetzt impfen, impfen, impfen", betont auch der Pressather Allgemeinmediziner Dr. Shirantha Arachchige beim Impfstart in seiner Praxis am Mittwoch. Die Termine koordiniert sein Team dabei selbst. Anhand einer Liste werden die Patienten angerufen – 2 sind am Mittwochvormittag gegen 10 Uhr schon mit dem Vakzin von Biontech geimpft worden, 18 sollen es diese Woche insgesamt sein und nächste Woche dann 50 – das sind 5 Fläschchen. "Viele Leute haben schon die erste Dosis bekommen", sagt der Arzt, deshalb sei es mittlerweile schon schwierig, in seinem Bereich 50 Leute für eine Erstimpfung zu finden.

Faktencheck: Lungenschäden durch Corona-Impfung?

Weiden in der Oberpfalz
Info:

So läuft´s im Impfzentrum Weiden

  • Corona-Impfungen gibt es im Impfzentrum Weiden und seit Mitte März in den Impfzentren Vohenstrauß und Pressath.
  • 26 575 Menschen in Weiden und im Landkreis Neustadt/WN haben bislang eine Erstimpfung erhalten, 10 234 Menschen eine Zweitimpfung.
  • In den vergangenen sieben Tagen wurden 6894 Personen geimpft, davon 2958 Menschen zum zweiten Mal.
  • Das Impfzentrum Weiden erwartet kommende Woche (ab 12. April) eine Lieferung von 2148 Impfdosen Biontech, 500 Dosen Moderna und 1000 Dosen Astrazeneca.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.