Arbeitslose mit Behinderung suchten im vergangenen Jahr durchschnittlich 87 Tage länger nach einer neuen Beschäftigung als Menschen ohne Behinderung. Das zeigte das Inklusionsbarometer Arbeit. „Es war nicht leicht“, erinnert sich auch Michaela Zant an ihre Jobsuche zurück. Die ehemalige Allgäuerin ist gehörlos und arbeitet bei Witt in Weiden.
Dabei geholfen, diese Stelle zu bekommen, hat Cornelia Wurm vom Integrationsfachdienst Oberpfalz. „Sie war wirklich sehr engagiert, aber trotzdem war es schwierig, einen geeigneten Platz für sie zu finden“, blickt Wurm zurück. Die Arbeitssuche ist für Menschen mit Behinderung oft schwierig. Im Inklusionsbarometer Arbeit des vergangenen Jahres heißt es, dass immer weniger Unternehmen ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachkommen, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. Ab 20 Mitarbeitenden sind Arbeitgeber verpflichtet, mindestens fünf Prozent schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen. Ansonsten müssen sie für jeden unbesetzten Platz eine Ausgleichsabgabe zahlen.
Positive Entwicklung
Wurm unterstützt Menschen mit Behinderung bei beruflichen Themen, beispielsweise wenn es Probleme am Arbeitsplatz gibt. „Von den Firmen wünsche ich mir, dass die Bereitschaft da ist, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten“, sagt sie. Es habe sich in den vergangenen Jahren schon viel verändert, die Zusammenarbeit mit den Betrieben sei gut, und viele seien bereit dazu, sich dafür einzusetzen, dass auch Fachkräfte mit einer Behinderung einen Arbeitsplatz bekommen.
„Ich höre immer Fachkräftemangel. Aber so lange wir es uns leisten können, eine Gruppe zu ignorieren, kann der Mangel nicht so schlimm sein“, sagt Alexander Grundler, Behindertenbeauftragter der Stadt Weiden. Auch wenn man es nur schwer beweisen könne, habe er den Eindruck, dass viele Bewerber direkt „raus“ seien, wenn sie ihren Behindertenstatus angeben. „Es gibt bei Arbeitgebern immer noch viele Vorurteile und Unsicherheiten“, glaubt Grundler. „Und eines muss man deutlich sagen: Eine Behinderung trifft keine Aussage über die berufliche Leistungsfähigkeit.“
Inzwischen ist Zant schon neun Jahre bei Witt. „Das funktioniert gut“, zeigt sie sich zufrieden. „Ich schätze es sehr, dass sie mir die Möglichkeit gegeben haben“, sagt die 53-Jährige. „Ich stehe in Kontakt mit dem Abteilungsleiter und kann berichten, dass auch er froh ist, sie als Mitarbeiterin zu haben“, berichtet Wurm. „Wir haben den Arbeitsplatz entsprechend ausgestattet. Es gibt dort beispielsweise ein optisches Signal für den Feueralarm“, erklärt die Beraterin.
„Wenn Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz gefunden haben, dann ist die Identifikation mit dem Unternehmen in der Regel recht hoch“, beschreibt Grundler seine Erfahrungen. „Ich stelle oft fest, dass die Gruppe bestrebt ist, ihren Job gut zu machen. Das ist meine persönliche Wahrnehmung.“
Nur wenige Dolmetscher
Barrierefreiheit bedeutet für Zant die Möglichkeit zur Teilhabe am Leben. „Es ist für mich mit Menschen zu kommunizieren, auch mit Fremden, und das sowohl in der Arbeit als auch in meiner Freizeit“, erklärt sie. Barrierefreiheit ist im Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) gesetzlich verankert. Demnach müssen Gebäude und öffentliche Plätze, Arbeitsstätten und Wohnungen, aber auch Verkehrsmittel so gestaltet sein, dass sie für alle Menschen ohne fremde Hilfe zugänglich sind. Aber auch andere Bereiche wie technische Gebrauchsgegenstände, Dienstleistungen und Freizeitangebote müssen so sein, dass auch Menschen mit Behinderung sie nutzen können. Sie müssen „in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar“ sein, heißt es.
Unterstützung benötigt Zant dennoch regelmäßig. Ihr Mann ist ebenfalls gehörlos. Der gemeinsame Sohn und auch die Schwiegereltern hören. Vor allem die Schwiegermama sei eine große Stütze, erzählt Zant. Sie könne bei Terminen dolmetschen. Doch ohne sie wäre es für die 53-Jährige schwierig. Sie regt an, dass es gut wäre, wenn es in und um Weiden mehr Gebärdensprachdolmetscher gäbe.
Menschen mit Hörbehinderung können Gebärdensprachdolmetscher über den BLWG, den Fachverband für Menschen mit Hör- und Sprachbehinderung, anfragen. Er vermittelt Dolmetscher beispielsweise für Behördengänge, Versammlungen, Fortbildungen, Gerichtstermine, Vorstellungsgespräche oder Arztbesuche. „Die Kosten übernimmt beispielsweise die Krankenkasse oder das Inklusionsamt“, erklärt Cornelia Wurm.
Wunsch nach Normalität
Ursprünglich kommt Zant aus dem Allgäu. Doch wegen ihres Mannes zog es sie in die Oberpfalz. Auch hier fühle sie sich inzwischen wohl, erzählt sie. Viel Kontakt zu anderen Gehörlosen in Weiden hat die 53-Jährige nicht. Es gebe kaum Angebote in Weiden, und wenn, dann seien dort vor allem ältere Menschen. Bayreuth sei dahingehend ein positives Beispiel. „Mein Mann spielt dort Poker für Gehörlose. Es gibt auch Bowling oder Dart für Gehörlose“, berichtet sie. Im Allgäu habe sie selbst Volleyball gespielt, doch in Weiden und der Umgebung habe sie kein solches Angebot gefunden. „Und jetzt bin ich zu alt und gehe lieber wandern, schwimme oder fahre Fahrrad“, erzählt sie lächelnd.
Von hörenden Menschen wünscht sich Zant, dass diese einfach „normal“ mit ihr umgehen. Teilweise werde sie komisch angeschaut oder Menschen begegneten ihr mit Misstrauen, berichtet sie. „Ich brauche Zeit und Ruhe. Ich wünsche mir, dass die Menschen langsam mit mir sprechen oder es aufschreiben, damit ich es verstehen kann.“ Außerdem sei es wichtig, kurze Sätze zu verwenden und abzuwarten, bis sie einen anschaue, damit sie von den Lippen lesen könne.
Welche anderen Barrieren es für Menschen in Weiden gibt, wie Betroffene sie wahrnehmen und wie der Behindertenbeauftragte der Stadt Weiden auf die Situation blickt, erfahren Sie in drei weiteren Artikeln. Zu finden sind sie auf www.onetz.de.




















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