02.06.2021 - 12:55 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Jahrzehntelanger Kampf für Menschenrechte: Amnesty Weiden blickt zurück

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Amnesty International will ein ganzes Jahr lang den 60. Geburtstag feiern. Auch die Weidener Gruppe feiert mit und blickt auf jahrzehntelange eigene Aktivitäten zurück. Dabei ist so einiges passiert.

Kleindemo vor dem abR-Büro im Jahr 1986: Veit Wagner (Mitte) und Otto Fuhrmann im Gespräch mit einem Radfahrer.
von Siegfried BühnerProfil

Noch immer gibt es in vielen Ländern Menschenrechtsverletzungen, Beispiele sind Myanmar oder Belarus. Etwas Hoffnung macht, dass weltweit circa zehn Millionen Menschen bei Amnesty International (AI) als Mitglieder, finanzielle Förderer oder Aktivisten gegen dieses Leid ankämpfen. Genau vor 60 Jahren wurde diese Organisation gegründet.

Seit über 40 Jahren gibt es auch in Weiden eine Amnesty-Gruppe. Der erste Anlauf einer Gründung durch Pfarrer Rainer Holl und seine Frau Karin hatte noch keinen längerfristigen Erfolg, doch beim zweiten Mal, am 3. November 1978, gelang es. Zu den Mitgründern zählt auch Veit Wagner, der als Sprecher von Amnesty Weiden heute auf einen jahrzehntelangen Einsatz für Menschenrechte zurückblicken kann. „In vielen Fällen konnten wir dadurch helfen, indem wir die versteckten Einzelfälle durch Aktionen öffentlich bekannt gemacht haben“, berichtet Wagner.

Zuerst Einzelfälle im Fokus

In den ersten Jahrzehnten nach der Gründung war die Arbeit von Amnesty Weiden schwerpunktmäßig auf Einzelfälle konzentriert. Beispielsweise kümmerte man sich in Weiden erfolgreich um einen 26-jährigen Dissidenten im damaligen Jugoslawien, der in einer geschlossenen Anstalt wegen angeblicher paranoider Psychose eingesperrt war. In einem anderen Fall aus Südkorea konnte im Jahr 1979 dem inhaftierten Sekretär des damaligen südkoreanischen Oppositionsführers Kim Dae-jung zur Freiheit verholfen werden. Ziel der Arbeit sei immer, durch eine breite Öffentlichkeit Druck auf die jeweiligen Regierungen auszuüben.

Unterstützung bekamen die Menschenrechtsaktivisten in Weiden unter anderem auch von prominenten Politikern wie dem SPD-Bundestagsabgeordneten Franz Zebisch oder dem späteren SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzenden Ludwig Stiegler.

Arbeit in Netzwerken

Um Einzelfälle kümmert sich Amnesty in Weiden auch heute noch, wenngleich zwischenzeitlich laut Wagner „thematische Felder“ breiteren Raum einnehmen. Dazu gehören neben dem zentralen Menschenrechtsthema die Aktionen gegen Rassismus, Folter, Todesstrafe und Unterdrückung von Minderheiten. Oftmals geschieht die Arbeit auch innerhalb von Netzwerken, wie zum Beispiel "Weiden ist bunt".

Als besondere Schwerpunkte hat sich Amnesty in Weiden die Länder Nordkorea und Türkei vorgenommen, wobei Nordkorea als weitgehend „verschlossen“ gilt. Im Falle der Türkei steht unter anderem der türkische Journalist Nedim Türfent auf der „Kümmerer-Liste“. Der preisgekrönte Nachrichtenredakteur wurde zu einer Haftstrafe von acht Jahren und neun Monaten verurteilt. Und Sprecher Wagner zählt weitere Namen aus der Türkei auf dieser Liste auf: Tahir Elci, Nedim Türfent, Osman Kavala, Eren Keskin und die bekannte Gruppe „Istanbul 10“, zu denen auch Peter Steutner, Taner Kilic und Idil Eser gehören.

Über die Freilassung des Journalisten Ahmet Altan aus dem Gefängnis freut man sich bei Amnesty Weiden ganz besonders, weil dies auch in einer umfangreichen Postkartenaktion von Weidener Gymnasiasten gefordert wurde. Aktionen der vergangenen Jahrzehnte waren auch Demonstrationszüge, Theateraufführungen, Ausstellungen, Informationsstände und Mahnwachen. Und das soll noch lange nicht das Ende sein: „Unsere Gruppe macht weiter“ betont Amnesty Weiden.

Auch die Schwandorfer Kreisgruppe feiert in diesem Jahr ihr Jubiläum

Schwandorf

Einer der aktuellen Erfolgsfälle der Weidener Amnesty-Gruppe

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Das ist Amnesty International

  • Amnesty International gegründet am 28. Mai 1961 vom englischen Rechtsanwalt Peter Benenson; weltweit heute in 150 Ländern mehr als zehn Millionen Menschen aktiv
  • Dezember 1961: Gründung der Amnesty-Sektion Deutschland durch Journalisten Carola Stern und Gerd Ruge; aktuell 155.000 Mitglieder und Förderer sowie 600 Einzelgruppen einschließlich Jugend- und Hochschulgruppen
  • Weidener Gruppe arbeitet seit 3. November 1978, erster Sprecher war Johannes Seiler; außerdem seit Beginn aktiv, neben Veit Wagner: Rainer Holl, Helga Fiechtner-Wiesbeck, Waltraud Waag-Schmidt, Barbara Bauer-Heß, Eva Frauendorfer, Otto Fuhrmann, Anton Kuhn, Susanne Wies, Doris Zimmermann, Anna Hunsicker, Elisabeth Esterer-Herrlein und Schüler; hauptsächlich Lehrer-Kollegen von Veit Wagner
  • Organisatorisch gehört Amnesty Weiden mit derzeit rund 15 Menschenrechtsaktivisten zum Amnesty-Bezirk Oberpfalz

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