18.10.2020 - 13:51 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kein neuer Vorsitzender für die Tafel Weiden-Neustadt

Es kommt in der Mitgliederversammlung der Tafel Weiden-Neustadt so, wie es der bisherige langjährige Vorsitzende geahnt hat: Es findet sich kein Nachfolger. Die Politik müsse endlich handeln. Obendrein sind aktuell die Lagerräume leer.

Einen Nachfolger gibt es nicht: Josef Gebhardt (von rechts) bleibt kommissarischer Vorsitzender der Tafel. Er ehrt seinen Stellvertreter Engelbert Mayer sowie Gerda Gooding vom Flohmarkt.
von Autor rdoProfil

Trotz eines Aufrufes in der Tageszeitung findet sich kein neuer Vorsitzender oder ein Vorstandsteam für die Tafel Weiden-Neustadt. Der bisherige Vorsitzende Josef Gebhardt bedauerte dies bei ordentlichen Mitgliederversammlung - unter Coronabedingungen, aber von der Stadt genehmigt – am Freitag. Zugleich meinte er, das sei ein Weckruf an die Politik in der Stadt und im Landkreis Neustadt/WN. Sie solle sich des Themas annehmen. Hier bestehe Gesprächs- und Handlungsbedarf. Seit der Oberbürgermeister-Stichwahl habe sich kein neu gewählter Stadtrat in der Tafel sehen lassen.

Der vergebliche Aufruf der Tafel-Vorsitzenden

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Tafel-Vorsitzender muss weiter kommissarisch ran

Gebhardt willigte einst ein, als der damalige Oberbürgermeister Kurt Seggewiß ihn bat, den Vorsitz für zwei Jahre zu übernehmen. Daraus sind fast sieben Jahre an der Spitze der Hilfsorganisation geworden. In der Satzung der Tafel heißt es unter § 10 Abs. 2: Der Vorsitzende führt die Geschäfte bis zur Wahl eines neuen Vorstandes. „Es ist nun Zeit für Verhandlungen, und wir werden uns vermutlich im Januar wiedersehen“, sagte Gebhardt. Er dankte allen Mitarbeitern, Unterstützern, dem ehemaligen Oberbürgermeister sowie Landrat Andreas Meier und allen Spendern für die Unterstützung der Tafel, die zu einem Unternehmen geworden sei.

Lager sind derzeit leer

Im Kurzbericht 2020 ging der Vorsitzende auf die Warenflut mit Großgebinden von Gastwirten und Kantinen zum Lockdown im März ein, die nur dank der neu angemieteten Räume überhaupt gelagert werden konnten. Derzeit aber sind die Lager leer, schildert der Tafel-Chef Gebhardt. Große Überstände würden fehlen. Das bekämen die Abholberechtigten zu spüren. 2019 waren dies 1195 aus Weiden und dem Landkreis Neustadt/WN, wobei jedem Abholer durchschnittlich zweieinhalb Personen zugerechnet würden.

Bitte um Obstspende

Aus Angst vor Ansteckung blieben viele Berechtigte aber derzeit fern. Die Ausgabe sank zeitweise um bis zu 25 Prozent und damit auch die Einnahmen. Abzuwarten sei, wie sich der Arbeitsmarkt entwickeln wird, wenn nach der Vollbeschäftigung 2019 das Auslaufen der Kurzarbeit und eine wirtschaftliche Eintrübung mit Arbeitslosigkeit 2021 folge. Derweil boomte während der Coronazeit die Kleider- und Warenspende, da einige Wohlfahrtsverbände nichts annahmen. Deshalb werde überlegt, künftig die Ware auch für ein breites Publikum zugänglich zu machen, um so Einnahmen und Lagerkapazität zu erhalten. Obst sei Mangelware, weil manche Geschäfte ab 18 Uhr zum Sonderpreis verkauften. Obstspenden aus dem Garten wie Äpfel, Birnen und sonstiges werden gerne angenommen. Wegen fehlender Spenden an haltbaren Lebensmittel fallen heuer vermutlich die Weihnachtspäckchen aus.

Keine Coronafälle

Auch bei den Tafel-Mitarbeitern zeigte sich, dass die zur Risikogruppe zählenden älteren Mitarbeiter von April bis Juni zu Hause blieben. Gebhardt aber dankte ihnen sowie den eingesprungenen jüngeren Helfern. Alle wolle er zu einem kleinen Fest einladen, wenn es die Situation wieder erlaube. Denn über die Hälfte der deutschen Tafeln hatten in der harten Corona-Zeit geschlossen. In Weiden sei immer geöffnet gewesen. Derzeit seien auch nahezu alle Helfer wieder an Bord. Gebhardt ist zudem bisher kein einziger Fall von Coronainfektion unter den etwa 80 Mitarbeitern und den Lebensmittelabholern in der Tafel bekannt. Damit widerspreche er anderslautenden Gerüchten. Neben der Kernmannschaft aus Ehrenamtlichen leisteten derzeit auch Menschen Sozialstunden ab, Praktikanten oder Leute zur Wiedereingliederung in die Arbeitswelt würden beschäftigt.

Ehre für Bert Mayer und Gerda Gooding

Geehrt wurde stellvertretender Vorsitzender Bert Mayer mit einer Münzausgabe von Leonardo da Vinci. Damit spielten die Verantwortlichen auf Mayer als Allrounder an, der in allen Alltagssituationen, im Fahrzeugpark, in der Tafel oder als eifriger Fahrer stets geholfen habe. Zudem habe er unentgeltlich viel Ware mit dem Privatauto gefahren.

Mit einem Geschenkkorb dankte Gebhardt Gerda Gooding, die den Flohmarkt mit-aufbaute und zu dem gemacht habe, was er heute ist. Sie habe zur gesellschaftlichen Akzeptanz und einem wirtschaftlichen Plus beigetragen. Doch auch hier wird ein neuer Betreuer oder eine Nachfolgerin gesucht.

Darum schmeißt der Vorsitzende hin

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Hauptamtlicher Geschäftsführer?

Stadträtin Dagmar Nachtigall überbrachte die Grüße des Oberbürgermeisters Jens Meyer und sagte: "Als Stadt wollen und brauchen wir und der Landkreis die Tafel." Auch ein Vorstandsteam mit Arbeitsverteilung auf mehrere Schultern oder ein hauptamtlicher Geschäftsführer wären für sie eine Lösung. Die Stadträtin bedauerte die Abwesenheit der Bürgermeister, die mehr Einfluss auf die Verwaltung nehmen könnten.

„Es ist wichtig, sich für die Tafel einzusetzen“, sagte Linken-Stadtrat Ali Zant. Er möchte in der nun anstehenden Etatplanungen der Stadt eine hauptamtliche Stelle dafür schaffen. Von den Freien Wählern im Landkreis lobte Kreisrat Karl Meier die gelebte Mitmenschlichkeit, er rief zum Weitermachen auf.

Ergebnis der Neuwahlen

Bei den Wahlen blieb die Frage des Wahlleiters Karl-Heinz Schell nach einem Vorsitzenden und dessen Stellvertreter unbeantwortet. Mit Einverständnis wurden in Abwesenheit gewählt: Schatzmeisterin Gabriele Glaubitz, Schriftführerin Angelika Michel, Kassenprüfer Elmar Grosser und Stefanie Sperrer sowie (anwesend) Beisitzer Herrmann Rothballer. Acht Beiräte stehen zudem zum Dienst bereit.

Gesichter der Armut in Weiden und im Landkreis Neustadt/WN

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