20.08.2020 - 11:35 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kostenloser Klimaschutzmanager für Weiden?

Einige haben ihn längst. Andere meinen, ihn nicht zu brauchen. Wieder andere wollen ihn. Und jetzt, so fordert die Fraktion Grün.Bunt.Weiden, soll auch Weiden einen bekommen: einen Klimaschutzmanager.

Corinna Lowert (Mitte) wirbt 2019 mit Oberbürgermeister Michael Cerny (links) und Referatsleiter Bernhard Mitko für die Mobilitätswoche. Die gebürtige Neustädterin ist Klimaschutzmanagerin der Stadt Amberg.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Noch im Kommunalwahlkampf hätten "die meisten Wählergruppierungen" dem Thema hohe Bedeutung beigemessen, erinnert Karl Bärnklau, Vorsitzender der Fraktion Grün-Bunt-Weiden. Danach allerdings ist es ruhig geworden, sowohl um das Klimaschutzkonzept als auch den Klimaschutzmanager, der es federführend erstellen und umsetzen soll. "Die bisherigen Bemühungen (...) sind an den begrenzten finanziellen Möglichkeiten der Stadt gescheitert", erklärt Bärnklau in einem Antrag. Der soll in der Stadtratssitzung am 7. September aufs Tapet kommen.

Grün-Bunt-Weiden fordert "die unverzügliche Installation" des Experten. Und macht sogar einen konkreten Vorschlag zur Finanzierung: "Aufgrund der aktuellen Fördersituation in Bund und Land könnte dieser finanzielle Aspekt nun wegfallen, da die Stadt Weiden als ,finanzschwache Kommune‘ über die Fördermöglichkeiten der Kommunalrichtlinie des Bundesumweltministeriums beim Förderschwerpunkt ,Erstvorhaben Klimaschutzkonzept und -Management‘ 90% + 10% = 100% Förderung erhalten könnte." Sprich: Den Kümmerer gäbe es völlig gratis.

Der Landkreis Tirschenreuth forciert seine Bemühungen

Tirschenreuth

Vielleicht ist das auch einer der Gründe, weshalb derzeit unter anderem Bayreuth und Marktredwitz die Stellen von Klimaschutzmanagern ausgeschrieben haben. Als Aufgaben des Experten nennt Bayreuth unter anderem die Unterstützung bei der Umsetzung von Klimaschutzkonzepten sowie die Planung von nachhaltigem Flächenverbrauch, Klimaschutz in der Bauleitplanung, nachhaltige Mobilität, Sensibilisierung und Beratung aller gesellschaftlichen Gruppen zum Klimaschutz, Fördermittelakquise und Optimierung des Energiemanagements der städtischen Liegenschaften.

Die Förderung des Bundes ist auch im Landkreis Tirschenreuth nicht unbemerkt geblieben. Landrat Roland Grillmeier lud jüngst zum Arbeitsgespräch, in dem Vertreter mehrerer Fachstellen erörterten, wie ein Klimaschutzmanagement im Landkreis etabliert werden kann. Es werde "nach Lösungen gesucht, wie der Bereich Klimaschutz und Energie weiter professionalisiert werden könne", teilte das Landratsamt mit. Ein Klimaschutzkonzept hat der Kreis bereits seit 2010. Im vergangenen Jahr hieß es noch, den Manager brauche es nicht, weil die Punkte darin auch so "gut abgearbeitet" seien.

Für einen Energienutzungsplan – eine Art "etwas konkreterer" Klimaschutzplan – votierte 2019 der Umweltausschuss der Landkreises Neustadt. Ingrid Flieger, Klimaschutzmanagerin des Landkreises Kulmbach, berichtete von ihrer Arbeit und ihren Erfahrungen, stieß bei den Kreisräten aber auf wenig Begeisterung. Fazit: Auf einen eigenen Klimaschutzmanager soll verzichtet werden, der Kümmerer möglicherweise beim Energietechnologischen Zentrum Nordoberpfalz (ETZ) angesiedelt sein.

Diskussion im Kreisausschuss Neustadt

Neustadt an der Waldnaab

Und Amberg? Dort nahm im Mai 2019 tatsächlich eine gebürtige Neustädterin die Arbeit als Klimaschutzmanagerin auf. Corinna Loewert wuchs in Kohlberg auf und machte ihr Abitur am Weidener Augustinus-Gymnasium. Danach ging es für ein Studium der Physischen Geografie mit Schwerpunkt Fernerkundung nach Würzburg. Es folgten der Bachelor- und Master-Abschluss in Umweltplanung und Ingenieur-Ökologie mit den Schwerpunkten Landnutzung, Biodiversität und Wassermanagement. Ihre Aufgabe in Amberg ist laut OB Michael Cerny auch "intensive Öffentlichkeitsarbeit", um das Bewusstsein für den Klimaschutz zu schaffen und zu schärfen. Loewerts Erkenntnis: "Lösungen für eine klima- und umweltfreundlichere Lebens- und Wirtschaftsweise gibt es. Aber die Umsetzung ist meist schwierig oder zu wenig populär."

Corinna Loewert beginnt in Amberg

Amberg
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.