25.08.2018 - 13:20 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Die in die Luft gehen: Drohnen-Piloten berichten von ihren Erfahrungen

Man sonnt sich oder geht spazieren, und plötzlich surrt es. Eine Drohne taucht auf. Sofort fragt man sich: Werde ich gefilmt? Ist die Drohne legal in der Luft? Fünf Piloten erzählen von Vorurteilen und gesetzlichen Herausforderungen.

Gerald Wagner und Melissa Pregler vom BRK-Kreisverband Tirschenreuth (Fachgruppe „Unmanned Aerial Systems“ im Fachdienst Information und Kommunikation), Philip Werfl, der nebenberuflich unter dem Firmennamen „Drone-Pics.de“ für Werbeagenturen fliegt und André Benker, Soldat und Drohnen-Steuerer bei „Copterfilms“.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Holger Gollwitzer fliegt gewerblich für seine Schirmitzer Firma "Video roxx!" Drohnen und zeigt sich zunächst begeistert: "Drohnenfliegen ist eine tolle Sache. Man sieht die Welt aus einem ganz anderen Blickwinkel, kann tolle Aufnahmen von unserer schönen Landschaft machen." Aber er kennt auch das Konfliktpotenzial, das damit verbunden ist. Die Menschen seien beim Thema Drohnen "extrem sensibilisiert". Es vergehe "fast kein Drohnenflug, bei dem ich nicht gefragt werde, ob ich das denn dürfe. Ich führe aus diesem Grund stets meine Unterlagen mit und erkläre, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Damit sind die Leute dann in der Regel beruhigt und fangen an, sich für die eigentliche Technik zu interessieren."

"Die Menschen sind beim Thema Drohnen extrem sensibilisiert." (Holger Gollwitzer, "Video roxx!")

Skepsis und Ablehnung

Es komme aber auch vor, dass er "regelrecht verfolgt" wird, wie bei einem Flug für eine Firma, die Luftaufnahmen von ihrem Betriebsgelände haben wollte. "Zuerst kam eine Frau aus einem Haus neben dem Gelände und hat mich gefragt, ob ich eine Genehmigung habe und wollte meine Adresse. Hab' ich ihr natürlich gern gegeben. Etwa eine halbe Stunde später bin ich zwischengelandet, habe die Drohne ins Auto gepackt, um die Position zu wechseln, und bin knapp einen Kilometer weiter gefahren, um dort für eine andere Perspektive zu starten. Prompt hatte ich ein Auto hinter mir, das mir bis zu meinem neuen Standort gefolgt ist. Der Fahrer stieg aus und fragte mich ebenfalls, ob ich eine Genehmigung dafür habe."

Gollwitzer bedauert die Skepsis und Ablehnung, die ihm im Alltag begegnen. Dies liege an zum Großteil negativer Berichterstattung in den Medien und daran, "dass sich leider einige Drohnenpiloten nichts um die bestehenden Gesetze und Auflagen scheren und in Bereichen fliegen, wo sie definitiv nichts zu suchen haben". Als Beispiele nennt er "das ein oder andere schwarze Schaf, das sich einbildet, die Nachbarin im Pool filmen zu müssen oder mit der Drohne über eine volle Fußgängerzone zu donnern". Er selbst halte sich stets an die Reglements, schon alleine, weil er gewerblich fliegt. Er schätzt, dass "die absolut meisten Drohnenpiloten verantwortungsvoll mit ihrem Fluggerät umgehen". Schwarze Schafe brächten jedoch die ganze "Herde" in Verruf.

Kampf mit Papierkram

Über uninformierte Piloten ärgert sich auch André Benker. Er steuert als Soldat militärische Drohnen und betreibt unter dem Namen "Copterfilms" ein Gewerbe. Der Weidener hat fast 2000 Flugstunden hinter sich, bildet selbst Drohnen-Steuerer aus und fliegt bis zu zehn Stunden pro Tag. Einen dicken Ordner mit Genehmigungen und Gesetzestexten hat er immer dabei. Drei Mal hatte er Beinahe-Kollisionen, weil sich andere Piloten nicht an die Regeln gehalten haben. Er betont, auch Hobby-Piloten müssten sich informieren, denn "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht". Selbst, wer eine kleine Drohne kauft, könne in der Anleitung lesen, dass er sich informieren und die Drohnen-Verordnung (siehe Kasten) einhalten muss.

Nichtsdestotrotz kämpft André Benker wie die anderen Piloten mit all dem Papierkram, der zu bewältigen ist. "Ich bin teilweise nicht mehr in die Luft gegangen, weil ich nicht mehr wusste, was zu tun ist", erklärt er. Doch inzwischen hat er sich Durchblick verschafft, arbeitet nach eigener Aussage "zu 100 Prozent korrekt". Als Selbstständiger fliegt er überwiegend Immobilien ab. Dazu braucht er unter anderem die Genehmigung der Architekten der Gebäude. "Ich habe schon sehr viele Aufträge abgegeben, weil sie nicht mit 100-prozentiger Korrektheit machbar gewesen wären", erzählt er. Der Papierkram macht dabei einen nicht unerheblichen Teil der Arbeit aus: "Um eine Stunde zu fliegen, sind davor und danach zehn Stunden Arbeit nötig." Seitenweise Tabellen dokumentieren jeden Flug. Beim Start ist André Benker mit der Deutschen Flugsicherung verbunden.

"Um eine Stunde zu fliegen, sind davor und danach zehn Stunden Arbeit nötig." (André Benker, "Copterfilms")

Schwarze Schafe

Er geht davon aus, dass die Zahl der schwarzen Schafe unter den Piloten hoch ist. Viele seien ohne die nötige Haftpflichtversicherung unterwegs. Den Anteil derer, die sich nicht um die Einhaltung der Drohnenverordnungen scheren, schätzt er auf über 90 Prozent. Das Problem: "Wenn Drohnen illegal unterwegs sind, findet man die Steuerer natürlich kaum."

"Es gibt Riesenprobleme im Blaulicht-Bereich, weil irgendwo Drohnen auftauchen", erzählt Gerald Wagner. Dabei ist das Überfliegen von Einsatzorten verboten. Wagner leitet die Fachgruppe UAS ("Unmanned Aerial System", also unbemannte Flugsysteme, wie Drohnen fachlich korrekt genannt werden) im Fachdienst Information und Kommunikation beim Kreisverband Tirschenreuth des Roten Kreuzes. 2015 hat die heute siebenköpfige Fachgruppe ein Konzept für den Drohneneinsatz erstellt und die Erprobungseinheit gegründet, die für ganz Bayern zuständig ist. Die Drohne hilft dem Roten Kreuz bei der Dokumentation, Erkundung und Rettung (siehe Bild unten rechts). Gerald Wagner setzt sich auch auf Bundesebene für den Einsatz von Drohnen im Bevölkerungsschutz und Rettungswesen ein. Es gibt jedoch noch viel zu tun.

"Es gibt noch keine Ausbildungsstandards. Aber im Einsatz muss man zum Beispiel auch mit einem kaputten Kompass fliegen können." Sicherheit stehe auch beim Roten Kreuz an oberster Stelle: "Bei uns geht keiner alleine in die Luft. Wir fliegen immer mindestens zu zweit", erklärt Wagners Kollegin Melissa Pregler. Um sich im Regel-Dschungel zurecht zu finden, empfiehlt sie Hobbypiloten die "SafeDrone-Basisschulung" auf der Website der Lufthansa. "Man muss sich dahinter klemmen. Aber das gibt einem am Ende Sicherheit."

Der Multikopter des BRK-Kreisverbands Tirschenreuth ist seit 2017 in Betrieb. Er kommt unter anderem bei der Vermisstensuche, Dachbegutachtungen nach Einbrüchen, Flächenbränden, Gefahrgutunfällen sowie zur Erkundung von Rettungswegen und Besucherströmen auf Festivals zum Einsatz. Durch die Drohne kann die Eigengefährdung der Einsatzkräfte verringert werden, weil diese sich nicht in den Gefahrenbereich begeben müssen. Das Gerät misst ab Rotorspitze diagonal 1,40m, ist für Nachtflüge geeignet und mit einer Wärmebildkamera ausgestattet. Das Luftfahrtsystem kann bis zu 35 Minuten fliegen.

"Auflagen ohne Ende"

Den Rettungskräften sind wie Holger Gollwitzer Situationen bekannt, in denen sie als Piloten von nicht beteiligten Menschen angesprochen werden. "Aber wenn ein Pilot zehn Kilogramm in der Luft hat, kann er sich nicht einfach umdrehen und diskutieren", so Wagner. Die BRK-Drohne ist mit Warnfarben beklebt, die Piloten tragen Westen. Nur zwei Schritte hin zu mehr Aufklärung und Transparenz.

"Wenn ein Pilot zehn Kilogramm in der Luft hat, kann er sich nicht einfach umdrehen und diskutieren." (Gerald Wagner, BRK Tirschenreuth)

Seine erste Drohne hat Philip Werfl 2014 selbst gebaut. Heute fliegt er im Nebengewerbe hauptsächlich in den neuen Bundesländern für Werbeagenturen und dreht Image-Videos. Auch er kämpft mit Gesetzen und Genehmigungen. "Es ist fast unmöglich, legal zu fliegen", fasst er zusammen. "Ich kann nicht zu 100 Prozent wissen, ob ich wirklich alles richtig mache." Was ihn am meisten ärgert: Dass sich viele Hobby-Piloten nicht an Vorgaben halten, während gewerbliche Drohnen-Steuerer wie er "Auflagen ohne Ende" bekommen. Privatleute könnten beinahe tun und lassen, was sie wollen. Sie flögen beispielsweise über Menschenansammlungen, obwohl das verboten ist.

"Es ist fast unmöglich, legal zu fliegen." (Philip Werfl, "Drone-Pics.de")

Teure Regeln

Auch er weiß von schwarzen Schafen unter den Drohnen-Piloten, schätzt den Anteil auf 80 Prozent. Er und André Benker kritisieren auch Piloten, die ihre illegal aufgenommenen Bilder für wenig Geld verkaufen. "Die Genehmigungen und Nachweise kosten viel Geld", so Werfl. "Wir müssen das an unsere Kunden weitergeben. Für den, der sich nicht an die Regeln hält, ist das kostenlos."

Ein Problem sieht der Waldsassener aber auch in Wissenslücken und fehlenden Ansprechpartnern bei den Behörden. Er sei schon gefragt worden, warum er überhaupt anrufe, als er Flüge anmelden wollte. Das kommt auch André Benker bekannt vor: "Komplizierte Fragen kann keiner beantworten. Zum Beispiel, was zu beachten ist, wenn ich drei Drohnen auf unterschiedlicher Höhe gleichzeitig in der Luft habe." Etwas Orientierung geben den Piloten spezielle Drohnen-Apps, wie sie zum Beispiel die Deutsche Flugsicherung anbietet. Diese zeigen für jeden Standort an, welche Regeln zu beachten sind und ob dort geflogen werden darf.

Das Thema Sicherheit hat für sie alle eine hohe Priorität. "Natürlich wären es tolle Aufnahmen, wenn man zum Beispiel beim Nofi-Lauf direkt über mehreren Tausend Läufern fliegt und filmt", schwärmt Holger Gollwitzer. "Jedoch müssen tolle Aufnahmen einfach hintenanstehen, wenn es um Sicherheit geht. Es gibt genügend Möglichkeiten, trotzdem sehr gute Aufnahmen einzufangen."

Holger Gollwitzer fliegt nicht nur Drohnen, sondern auch einen Motor-Drachen. "Wenn sich jeder an die Auflagen hält, können sich Drohnen und Flugzeuge definitiv nicht in die Quere kommen", sagt er. Für Sportflugzeuge gelte eine Mindest-Flughöhe von 150 Metern über Grund im offenen Gelände. Über Ortschaften seien es 300 Meter und über großen Ortschaften und Städten sogar 500 Meter. "Die einzige Zone, in der sie diese Höhe unterschreiten müssen, sind logischerweise Start und Landung. Genau aus diesem Grund besteht im Bereich um Flugplätze und -häfen eine absolute Flugverbotszone für Drohnen im Radius von 1,5 Kilometern. Als Sportpilot halte er sich an diese Flughöhen: "Ich möchte definitiv keine Drohne in meinem Propeller haben." Moderne Drohnen könnten in der Nähe von Flughäfen gar nicht fliegen, da ihre Position per GPS hinterlegt sei. Befinde sie so eine Drohne in einer Verbotszone, werde sie automatisch gesperrt. "Bei meiner Drohne ist es so, dass ich dann nicht einmal die Rotoren starten kann." Ältere Drohnenmodelle haben jedoch diese Technik noch nicht.

Die neue Drohnen-Verordnung grafisch erklärt. Die wichtigsten Eckpunkte finden Sie auch in unserem Infokasten unten.

Info:

Es gibt zwar Ausnahmegenehmigungen und unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern, die wichtigsten Eckpunkte der Drohnenverordnung geben jedoch Orientierung. Sie gelten beim Besitz einer kostenpflichtigen Allgemeinerlaubnis, die man beim zuständigen Landes-Luftfahrtamt beantragen muss:

Kennzeichnungspflicht: Alle Drohnen ab einem Startgewicht von 250 Gramm müssen mit einer feuerfesten Plakette mit Namen und Adresse des Eigentümers gekennzeichnet sein.

Haftpflichtversicherung: Eine spezielle Halter-Haftpflichtversicherung für Drittschäden ist sowohl für gewerblich als auch für privat genutzte Drohnen vorgeschrieben.

Kenntnisnachweis: Ab einem Startgewicht von zwei Kilogramm und / oder wenn mehr als 100 Meter über Grund geflogen werden soll und das Gerät kein Multikopter ist, ist der sogenannte Drohnen-Führerschein Pflicht (Mindestalter 16 Jahre). Lerninhalte sind Technik und Navigation, Grundlagen des Luftrechts und die örtliche Luftraumordnung. Keinen Kenntnisnachweis benötigen Inhaber einer gültigen Erlaubnis als Luftfahrzeugführer sowie Piloten auf Modellfluggeländen.

Erlaubnispflicht: Für den Betrieb einer Drohne über fünf Kilogramm und den Betrieb bei Nacht ist eine Erlaubnis der Landesluftfahrtbehörde erforderlich. Für die Oberpfalz kostet diese 50 Euro. Organisationen mit Sicherheitsaufgaben sind von der Erlaubnispflicht befreit.

Höchstflughöhe: 100 Meter über Grund. Auch Multikopter dürfen nicht höher fliegen, wenn keine Ausnahmegenehmigung vorliegt.

Nicht überflogen werden dürfen: Straßen, Bahnanlagen, Menschenmengen (ab 12 Personen), Wohngrundstücke (wenn das Startgewicht über 250 Gramm liegt und/oder das Gerät optische, akustische oder Funksignale empfangen, übertragen oder aufzeichnen kann), Einsatzorte von Polizei und Rettungskräften, Krankenhäuser, Justizvollzugsanstalten, Industrieanlagen, Bundes- und Landesbehörden, militärische Anlagen, Kontrollzonen von Flugplätzen, Naturschutzgebiete. Es gilt zum Teil ein seitlicher Mindestabstand von 100 Metern. Ausnahmegenehmigungen sind möglich.

Flüge über Wohngrundstücken sind laut Allgemeinverfügung der Regierung Mittelfranken für die Regierungsbezirke Oberpfalz, Mittel-, Unter- und Oberfranken auch ohne Erlaubnis des Eigentümers erlaubt bei einer Startmasse von unter zwei Kilogramm, wenn es keine Alternative für den Zweck des Fluges gibt und die Einwilligung nicht in zumutbarer Weise eingeholt werden kann, wenn der Steuerer alles unternimmt, um einen Eingriff in die Privatsphäre zu vermeiden und eine Flughöhe von mindestens 30 Metern eingehalten wird sowie wenn das Luftfahrtsystem nicht länger als 30 Minuten täglich an maximal vier Tagen im Jahr betrieben wird.

Sichtweite: Drohnen bis zu einem Startgewicht von fünf Kilogramm müssen in Sichtweite des Piloten betrieben werden. Bei mehr als fünf Kilogramm kann die Landesluftfahrtbehörde ein Fliegen ohne Sichtweite erlauben.

Flüge innerhalb geschlossener Ortschaften müssen mindestens 24 Stunden vorher an die Polizei gemeldet werden – egal, ob sie gewerblich oder privat sind.

Eigentümer von Grundstücken, von denen aus gestartet wird, müssen den Flug genehmigen.

Die Privatsphäre von Personen sowie Datenschutzregelungen sind einzuhalten. Aufnahmen von Personen ohne deren Erlaubnis sind verboten.

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