Weiden in der Oberpfalz
06.05.2019 - 18:10 Uhr

Mathe-Abi: Schüler "eher an Lesekompetenz gescheitert"

War das Mathe-Abi zu schwer? Schüler protestieren, Lehrer widersprechen. Der Bezirksvorsitzende des bayerischen Philologenverbands, Norbert Schedlbauer, sieht ein ganz anderes Problem.

Ein Schüler grübelt über eine Abitur-Aufgabe. Symbolbild: Felix Kästle/dpa
Ein Schüler grübelt über eine Abitur-Aufgabe.

(dpa/jut) Nach Kritik über angeblich zu schwere Aufgaben beim Mathe-Abitur hat das bayerische Kultusministerium noch nicht über das weitere Vorgehen entschieden. Das solle "zeitnah" geschehen, sagte ein Sprecher am Montag - ohne aber konkrete Angaben zu machen. Nach den Prüfungen am Freitag war im Internet eine Petition gestartet worden, damit die Benotung dem Schwierigkeitsgrad angepasst wird. Bis Montagnachmittag hatten das rund 60 000 Teilnehmer unterstützt - bei rund 37 000 bayerischen Gymnasiasten im Abistress.

Der bayerische Philologenverband (bpv) riet, zunächst die erste Benotung abzuwarten. Wenn die Noten vom Durchschnitt der vergangenen Jahre abweichen, könne man über die Schwere der Prüfungen sprechen, sagte bpv-Sprecher Benedikt Karl der dpa. Dem Ministerium zufolge bewegten sich die Mathematik-Abiturnoten in den vergangenen Jahren um einen Durchschnitt von 3,1.

Amberg06.05.2019

Sehr lange Texte

"Aus mathematischer Sicht war es sicher nicht zu schwer", sagte der Oberpfälzer bpv-Bezirksvorsitzende Norbert Schedlbauer am Montag unserer Zeitung. Schedlbauer war bis zu seiner Pensionierung im Februar Mathe-Fachbetreuer am Albertus-Magnus-Gymnasium in Regensburg. Von dort habe er nichts Außergewöhnliches gehört. Die meisten Schüler würden die Prüfung bestehen - so wie die vergangenen Jahre auch.

Trotzdem sei das diesjährige Mathe-Abi durchaus problematisch gewesen - aber nicht aus mathematischer Sicht. Die Texte seien wahnsinnig lang gewesen, zum Teil verschachtelt, findet Schedlbauer. "Die Schüler sind wohl mehr an der Lesekompetenz gescheitert als an mathematischer." Das Problem seien die kompetenzorientierten Aufgaben. "Zum Beispiel wurde heuer gefragt, wie lange die Wirkung von einem Medikament abgebaut wird." Alleine wie das funktioniert, sei auf einer halben Seite erklärt worden.

Die Aussage von Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, kann Schedlbauer nicht nachvollziehen. Fleischmann hatte gesagt, dass selbst Mathelehrer keine einzige Aufgabe im Kopf rechnen hätten können. "Ich habe mich heute früh hingesetzt, und war in einer Stunde durch. Ein Drittel der Aufgaben habe ich im Kopf ausgerechnet, ohne großen Aufwand", sagte Schedlbauer.

Bayern06.05.2019

"Erregung im Internet"

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger von einem Gymnasium im niederbayerischen Deggendorf, sieht das ähnlich. "Im Internet lässt sich Erregung sehr schnell mobilisieren. Deshalb sollten wir abwarten", sagte er der "Rhein-Neckar-Zeitung". Der Landesschülerrat in Bayern forderte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) auf, die Aufgabenstellungen im Bezug auf den Schwierigkeitsgrad sowie die Verhältnismäßigkeit zu überprüfen.

Das Internet über das Mathe-Abi

 
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