Weiden in der Oberpfalz
07.05.2019 - 15:41 Uhr

Mathe-Abitur: "Prüfungen sollten kein Glücksspiel sein"

Auch in Weiden und im Landkreis Neustadt herrscht unter den Abiturienten großer Unmut über die Reifeprüfung in Mathe. Zahlreiche Schüler aus der Region haben gegenüber Oberpfalz-Medien ihre Meinung geäußert.

Zahlreiche Schüler in Bayern ärgern sich über die Abi-Prüfungen im Fach Mathe. Bild: Armin Weigel/dpa
Zahlreiche Schüler in Bayern ärgern sich über die Abi-Prüfungen im Fach Mathe.

Weil sie sich noch mitten in der Prüfungsphase befinden, wollen sie sich nur anonym äußern. Folgende Aussagen stammen von Schülern des Elly-Heuss-, Augustinus- und Kepler-Gymnasiums in Weiden sowie der Gymnasien in Eschenbach und Neustadt:

"Ich finde, dass schon der A-Teil schwieriger war als in den Vorjahren und daher Leute, die vielleicht nicht so mathematisch begabt sind, fast keine Chance hatten, überhaupt ein paar Punkte zu bekommen."

"Für die Komplexität der Aufgaben war die Zeit viel zu knapp. Ich musste die Aufgaben teilweise mehrfach durchlesen, um dann festzustellen, dass ich sie trotzdem nicht lösen kann. Die Aufgabenstellung war so kompliziert, dass es während der Prüfung pure Verzweiflung in mir hervorrief. Am liebsten hätte ich losgeweint, weil ich mir sicher war und immer noch bin, dass ich keinen Notenpunkt erreichen werde und somit in die Nachprüfung muss."

"Ich bin jetzt ned komplett scheiße in Mathe, deswegen kann ich sagen, dass die A-Teile teilweise auf dem Niveau von den B-Teilen waren. Während bei den B-Teilen Analysis noch machbar war, war Stochastik schon happig und die letzten beiden Geometrie-Aufgaben schlicht scheinbar unlösbar in der gegeben Zeit. 15 Minuten vor Ende war ich bei diesen beiden Aufgaben angelangt und hab' nach kurzer Zeit direkt beschlossen, die restlichen Aufgaben lieber noch einmal durchzugehen. Da es wahrscheinlicher war, vielleicht noch einen Fehler zu finden als dass man die Lösung oder sogar einen Ansatz zu den besagten Geometrie-Aufgaben findet."

"Ich fand auch, dass die Aufgaben viel zu verschachtelt formuliert waren und man erstmal zehn Mal den Text lesen musste, um herauszufinden, was man rechnen sollte. Natürlich ist es so, dass die Aufgaben einen gewissen Anspruch haben müssen, aber es war nicht vergleichbar mit den Aufgaben aus den letzten Jahren. Selbst Schüler, die gut bis sehr gut in Mathe sind und sich wochenlang vorbereitet haben, hatten Schwierigkeiten. Und wie soll man sich dann noch besser vorbereiten, um so ein Abitur zu bearbeiten? Die Schwierigkeit des Abiturs sollte nicht vom Bundesland und dem Jahrgang, in dem man es bestreitet, abhängen."

"Ich hab' kein Problem damit, wenn ein Abitur schwer ist, aber dann sollte es auch bitte in jedem Jahrgang schwer sein und nicht Glückssache sein, ob es mal schwer oder mal leicht ist!"

"Ich habe nahezu alle Abiture ab 2011 in Mathematik gerechnet, doch keines hatte einen annähernd gleichen Schwierigkeitsgrad wie das diesjährige. Ebenso bemerkte ich extreme Schwankungen zwischen den Abituren. Am leichtesten von allen war auf jeden Fall das Abitur 2018, und das hat wohl jemandem auf den höheren Plätzen gar nicht gefallen..."

"Also mir fällt Mathe eigentlich leicht, aber ich hab' schon zu tun gehabt mit ein paar Aufgaben. Die Aufgabenstellungen legten mehr Wert auf Beweise ohne Rechnung, was anspruchsvoller ist, als mit einer Rechnung etwas zu bestätigen. Nach der Abgabe hat auch eine Lehrerin zugegeben, dass sie nicht wussten, welche Aufgabengruppe von Geometrie sie nehmen sollen."

"Natürlich waren schwerere Aufgaben dabei, bei denen man viel überlegen musste und vielleicht trotzdem nicht drauf gekommen ist, aber prinzipiell wurde nichts Unmögliches von uns verlangt, und für ein Abitur finde ich es angemessen. Ich glaub' das Problem ist auch nicht das Abitur an sich, sondern der Vergleich zu den Vorjahren."

"Der Tumult um einzelne, unlösbare Aufgabenteile ist schon etwas überzogen. Alle Aufgaben waren machbar, nur standen diese eben in keinem Verhältnis zu vorherigen Jahren. Der stark variierende Schwierigkeitsgrad dürfte nicht der Ausschlaggeber sein, ob und wie gut man sein Abitur schafft, da dies kein Glücksspiel sein sollte. Auch hatte man dieses Mal so gut wie keine Zeit, seine Rechnungen ein zweites Mal zu prüfen, da die komplexeren Aufgabenstellungen, die sowohl den A-, als auch den B-Teil erheblich erschwerten, zusätzliche Zeit benötigten, um sie zu durchdringen."

"Es ist normal, dass einem das eigene Abitur immer viel schwerer vorkommt als die vorherigen, aber vergleicht man direkt die Aufgaben, vor allem Stochastik, fällt in jedem Fall auf, dass 2019 fast ausschließlich Aufgaben der Königsklasse und fast keine Standardfragen gestellt wurden, was sehr zum Nachteil der Schüler ist, die auf Standardaufgaben zählen müssen, um Punkte zu sammeln und das Mathe-Abi zu bestehen."

"Dieser ganze Unsinn mit dem hoch-heiligen bayerischen Abitur nervt halt arg. Ein Schulsystem wird nicht dadurch besser, dass die Prüfung am Ende schwieriger ist als anderswo, sondern dadurch, dass möglichst viele Schüler am Ende eine angemessen schwere Prüfung möglichst gut bestehen. Das, was dieses Jahr abging, ist nur die Kirsche auf dem brennenden Müllcontainer des bayerischen Schulsystems, auf das wir ja angeblich ,so stolz‘ sein können."

Bayern06.05.2019
Weiden in der Oberpfalz06.05.2019
Weiden in der Oberpfalz06.05.2019
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