17.08.2021 - 16:04 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Neue Corona-Regeln: Wirte fühlen sich auf die Schürze getreten

Ab 18. August gelten sie wieder in Weiden: strengere Corona-Regeln. Wer also etwa in der Stadt einen Kaffee schlürfen möchte, muss sich auf Einschränkungen gefasst machen. Die Wirte sind wenig begeistert.

Regeln, Maßnahmen, Einschränkungen: Einiges wird in Weiden ab Mittwoch, 18. August, wieder verschärft. Die Corona-Neuinfektionen nehmen einfach zu stark zu.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt wieder in Weiden, und das schlagartig. Am Dienstag liegt sie laut Robert-Koch-Institut schon bei 79,5. 34 nachgewiesene Covid-Fälle gab es allein in den vergangenen sieben Tagen in Weiden. Die sich schneller ausbreitende Delta-Variante des Virus ist dabei auf dem Vormarsch. Deshalb hat die Stadt Weiden gemäß der 13. Infektionsschutzverordnung nun die Notbremse gezogen. Es gibt wieder verschärfte Einschränkungen, sowohl im Privaten als auch im Öffentlichen.

Die Corona-Lage am 18. August

Beispielsweise dürfen sich ab Mittwoch, 18. August, nur noch 3 Haushalte mit maximal 10 Personen treffen. Kinder unter 14 Jahre, Geimpfte und Genesene werden dabei aber nicht mitgezählt. Veranstaltungen mit geladenen Gästen wie bei Geburtstagen oder Hochzeiten sind ebenfalls von den neuen Regelungen beeinträchtigt: 25 Personen im Innenbereich, 50 unter freiem Himmel sind noch zugelassen. Geimpfte und Genesene zählen bei privaten Veranstaltungen nicht mit, bei öffentlichen allerdings schon. Auch auf die Gastronomie haben die Maßnahmen Auswirkungen. Dort gelten pro Tisch die Kontaktbeschränkungen, also drei Haushalte, maximal zehn Personen. Gäste aus mehreren Hausständen an einem Tisch brauchen einen Testnachweis, außer sie sind geimpft, genesen oder unter 6 Jahre alt. Dieses Regel-Wirrwarr hat schon vor Inkrafttreten enorme Auswirkungen auf die Gastronomie in Weiden, erzählt Robert Drechsel, Wirt und Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands für Weiden/Neustadt. Er und seine Kollegen sind mächtig sauer, aber auch verunsichert.

Unsicherheit bei Gästen und Wirten

"Für uns als Wirte ist es ein Fiasko", sagt er. "Im Endeffekt weiß keiner mehr genau, was er tun muss." Der Wirt vom "Alten Schuster" in Weiden berichtet am Dienstag bereits von Anfragen von Gästen, deren Unsicherheit ebenso groß ist. Können sie noch kommen? Was müssen sie einhalten? "Wo das hinführt, ist das totale Chaos. Wenn keiner mehr durchblickt, wird auch keine Regel mehr durchsetzbar sein", prophezeit Drechsel. Wie all die Regeln kontrolliert werden sollen, darauf kann er sich selbst noch keinen Reim machen. "Wir müssen uns darauf verlassen, dass die Gäste uns nicht belügen." Seine Pflicht sei es, die Gäste zu informieren, was erlaubt sei, die Pflicht der Gäste, diese Regeln einzuhalten. "Ein Kontrolleur kann ein Wirt nie sein", betont er. Interessant wird es auch dann, wenn Urlauber nach Weiden kommen. "In allen Bundesländern gilt etwas anderes, und das ist für den Tourismus der schlimmste Fall."

Offene Fragen

Martin Sauer vom Café Ristretto in Weiden hat eine ordentliche "Wut im Bauch", berichtet er. Es seien noch so viele Fragen offen, zum Beispiel, ob er sich als Wirt Impfausweis und Personalausweis zeigen lassen müsse, und überhaupt auch dürfe. Da sei die Politik wieder vorgeprescht. "Für uns ist das eine richtige Watsch'n ins G'nack." Er rechnet mit gehörigen Umsatzeinbrüchen. Der Stadt Weiden macht er dabei keinerlei Vorwürfe, denn die müsse sich strikt an Paragraph 1 der 13. bayerischen Infektionsschutzverordnung halten, der eben Maßnahmen bei einer höheren Inzidenz vorsehe. "Die Stadt hat überhaupt keinen Spielraum." Sauer hat nun schon die ersten Absagen von Reservierungen in seinem Café erhalten. Die Unsicherheit bei den Gästen sei enorm, erzählt er, die Fußgängerzone schon jetzt leer. "Es ist eine Art stiller Lockdown."

Das sagt die Polizei

Eine Vielzahl der neuen Beschränkungen ab Mittwoch in Weiden gehen vornehmlich mit Test-, Impf- oder Genesungsnachweisen einher. Das zu kontrollieren, sei aber nicht die Aufgabe der Polizei. Vielmehr "impliziert dies zunächst eine gewisse Pflicht für die jeweiligen Betreiber oder Veranstalter", teilt der Sprecher der Polizei, Mario Schieder, auf Anfrage von Oberpfalz-Medien mit. Damit sind also Wirte und Hoteliers zuvorderst gefordert. Polizisten verfolgen aber natürlich Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, die ihnen mitgeteilt werden, oder die sie selbst feststellen. Konkret heißt das, begegnet einem Beamten ein Rudel Jugendlicher, kann er durchaus nachhaken, ob hier mehr als drei Haushalte beisammen sind. Ruft eine Frau wegen einer großen Gartenparty bei den Nachbarn an, muss die Polizei nach dem Rechten sehen. Und beschwert sich ein Gast über die Nicht-Kontrolle im Restaurant, schaut ebenfalls die Polizei vorbei, übergibt dann aber die Angelegenheiten hier wie da ans Ordnungsamt der Stadt. Diese antwortet auf Anfrage Folgendes: "Die Einhaltung der geltenden Regelungen wird natürlich auch weiterhin kontrolliert. Wie und auf welche Art ist davon abhängig, welche Vorschriften kontrolliert und wer ihre Einhaltung sicherzustellen hat."

Keine Einschränkungen beim Einkaufen

Für den Weidener Einzelhandel gibt es bislang keine Einschränkungen. Darüber ist Tobias Sonna, Ortsvorsitzender in Weiden für den Einzelhandelsverband Bayern, zwar froh, dennoch dürften er und seine Kollegen die Hände nicht in den Schoß legen. Er appelliert daran, die Regeln einzuhalten und besonders nicht mehr Kunden in die Läden zu lassen, als pro Quadratmeter-Fläche vorgesehen. "Steigende Zahlen sind ein Signal. Es ist unser aller Aufgabe, das irgendwie einzugrenzen." Sollten die Zahlen aber weiterhin steigen, befürchtet er auch Einschränkungen für den Einzelhandel. Er hofft nun, dass angesichts der hohen Inzidenz sich doch wieder mehr Menschen bereiterklären, sich impfen zu lassen.

Neue Corona-Einschränkungen in Weiden

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Das gilt ab 18. August in Weiden

  • Kontaktbeschränkungen: Maximal drei Haushalte mit höchstens zehn Personen, ausgenommen Kinder unter 14, Geimpfte oder von Covid-19 Genesene
  • Öffentliche und private Veranstaltungen: nur noch bis 25 Personen im Innen- und bis 50 im Außenbereich. Im Privaten zählen Geimpfte und Genesene nicht mit, bei öffentlichen Treffen dann schon.
  • Gastronomie: Treffen gemäß der Kontaktbeschränkungen erlaubt. Sitzen Gäste aus mehreren Hausständen an einem Tisch brauchen sie einen Testnachweis, ausgenommen Geimpfte und Genesene sowie Kinder unter 6 Jahren.
  • Sport: Gruppen bis zehn Personen erlaubt, unter freiem Himmel mit bis zu 20 Kindern; mit Testnachweis sogar ohne Personenbegrenzung
  • Kultur- und Sportveranstaltungen: Zuschauer benötigen einen Testnachweis, ausgenommen Geimpfte und Genesene sowie Kinder unter 6 Jahren. Bei Großveranstaltungen nur noch 1500 Zuschauer draußen und 1000 drinnen erlaubt.
  • Testnachweis: für Besuch von Freizeitparks, Indoorspielplätzen, Schwimmbädern, Thermen, Spielhallen. Ausgenommen: Geimpfte, Genesene, Kinder unter 6 Jahren.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.