25.03.2021 - 15:55 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Öffnungen nach Ostern: Weiden als Corona-Modellregion?

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Nach den Osterferien sollen Weidener Geschäfte wieder öffnen. Wer an der Ladentür einen negativen Schnelltest vorzeigt, dürfte dann eintreten. Vielleicht geht aber sogar noch mehr. Viel mehr. Wird Weiden zur Modellregion?

Schnelltests in der Tübinger Innenstadt. So ähnlich könnte es nach Ostern in Weiden aussehen. Das "Tübinger Modell", das weitgehende Öffnungen ermöglicht, soll Schule machen.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Das gemeinsame Ziel ist klar: Öffnungen – so schnell, so sicher und so umfassend wie möglich. Jetzt haben zumindest Weidens Händler auch wieder eine Perspektive dazu. In größerer Runde kamen am Mittwoch ihre Vertreter (unter anderem NOC und City-Center) sowie Verantwortliche der Stadtverwaltung und des Gesundheitsamtes zusammen. Hinter verschlossenen Türen diskutierten sie über Möglichkeiten, den totalen Lockdown gleich nach den Osterferien zu beenden. Der Schlüssel dazu ist nach Informationen von Oberpfalz-Medien eine spezielle Teststrategie: Wer einen negativen Schnelltest vorweisen kann, soll in den Geschäften einkaufen dürfen.

Das NOC soll angeboten haben, auf seinem Areal eine Schnelltest-Station einrichten zu lassen. Auch an anderen Stellen der Fußgängerzone wären mobile Stationen denkbar, an denen Passanten ihre tagesaktuelle "Lizenz zum Einkaufen" lösen können. Nach Teilnehmerangaben könnte die Stadt Weiden diese Strategie nach Stand der Dinge eigenverantwortlich verfolgen – solange der Inzidenzwert nicht über 200 klettert. Laut Stadt würde das aber nur für „Terminshopping-Angebote (Click & Meet) unter Vorlage eines aktuellen (24-Stunden) Negativtests“ gelten. Mit dem Gesundheitsamt arbeite man an einer Umsetzung des Testkonzepts.

Mit dem Segen des Freistaats wäre sogar noch viel mehr möglich: zum Beispiel auch Öffnungen der Gastronomie auf Freiflächen oder von Kinos und anderen Veranstaltungssälen. Dazu müsste Weiden aber zu einer Art "Corona-Modellstadt" werden. Wie Tübingen (Baden-Württemberg). In einer knapp dreiwöchigen Testphase sind in der dortigen Innenstadt gleich neun Schnelltest-Stationen aufgebaut. Geschäfte, Bars und Kneipen, Theater und Kinos haben seit eineinhalb Wochen geöffnet – unabhängig von Inzidenzwerten.

Modellregion: Oetzinger schiebt an

Am Dienstag hat Ministerpräsident Markus Söder für Bayern solche Modellregionen angekündigt, in denen die Folgen von umfassenden, kontrollierten Öffnungen untersucht werden sollen. Unmittelbar danach schritt CSU-Landtagsabgeordneter Stephan Oetzinger zur Tat, setzte sich gemeinsam mit Fraktionskollegen Tobias Reiß und Oberbürgermeister Jens Meyer dafür ein, dass Weiden den Zuschlag erhält. Mit Gesundheitsminister Klaus Holetschek sei er dazu in Austausch, berichtet Oetzinger auf Anfrage von Oberpfalzmedien. "Wir hoffen jetzt auf eine positive Entscheidung." Fallen soll sie schon in den nächsten Tagen. Die Stadt Weiden bestätigt, dass sie sich für das Modellprojekt beworben hat – im Verbund mit den Landkreisen Neustadt und Tirschenreuth.

Der offene Brief des CSU-Fraktionsvorsitzenden

Weiden in der Oberpfalz

Das "Tübinger Modell" zitiert auch CSU-Fraktionsvorsitzender Benjamin Zeitler in einem Antrag, den er Anfang der Woche ins Rathaus schickte. Auch als Reaktion darauf, dass er mit seinen Corona-Vorstößen zuletzt nicht so recht durchdrang bei der Stadtspitze. Bereits Anfang März hatte er in einem offenen Brief eine kommunale Teststrategie angemahnt, anscheinend mit wenig Erfolg. Nun fährt Zeitler schwerere Geschütze auf. Die Stadt, so erklärt er, habe "viel zu viel Zeit verloren, und andere Kommunen zeigen, was geht". Für den nächsten Anlauf in Sachen Corona hat sich der CSU-Fraktionsvorsitzende Schützenhilfe gesichert: Den Antrag (Titel: "Testen, testen, testen") tragen nun Bürgerliste und FDP/Freie Wähler mit – und damit die Mehrheit des Stadtrats.

CSU: Stadt soll schnellstens handeln

Erklärtes Ziel ist vor allem eine Öffnungsstrategie. Behandelt werden soll der Antrag in der Sitzung am 19. April. Oder, wenn es nach Zeitler geht, bis dahin schon erledigt sein. Schließlich sei den Initiatoren bewusst, "dass die Verwaltung eher früher als später handeln sollte und wir nicht die Zeit haben bis zur nächsten Stadtratssitzung". Konkret fordern sie:

  • Kommunale Schnellteststrategie: Beginn mit zwei Schnellteststationen in der Altstadt, die "perspektivisch zu erweitern" seien. Initiativen aus Gastronomie und Handel sollen in das Konzept integriert und unterstützt werden.
  • Unterstützung von Schulen und Kitas beim Testen: Die Stadt soll für mehr Tests sorgen und bei der Durchführung helfen.
  • Öffnungsstrategie als Modellprojekt: Aufbauend auf die Teststrategie sei mit Wirten und Händlern ein Konzept zu entwickeln. Vorbild soll das "Tübinger Modell" sein (Zutritt bei negativem Testergebnis).
  • Luca-App: Viele Kommunen setzten auf diese App zur besseren Kontaktnachverfolgung.

"Gerade für die Zeit nach Ostern sind erste Öffnungen nur realistisch, wenn die bestehenden guten Hygienemaßnahmen ergänzt werden durch einen negativen Schnelltestnachweis", heißt es in dem Antrag. "Hier sollten wir aber schon zu Ostern beginnen, weil natürlich mit mehr Tests auch steigende Inzidenzwerte einhergehen. Damit wird uns ein besseres Verständnis des Infektionsgeschehens gelingen, und wir beobachten nicht nur die Entwicklung, sondern werden selbst aktiv." Apropos "aktiv". Zeitler bedauert, dass die bisherigen Bemühungen der CSU "bisher ohne Reaktion von Seiten der Stadtspitze geblieben sind". Speziell zu Schulen und Kitas merkt die Stadt auf Nachfrage an, dass bis dato die Staatsregierung für die Teststrategien in Schulen und Kitas zuständig sei. „Die Landesregierung sorgt für entsprechende Testkapazitäten und entscheidet darüber, bei welchen Inzidenzen Öffnungen verantwortbar sind."

Anderswo hätten Oberbürgermeister und Landräte eigene ergänzende Schnellteststrategien entwickelt, heißt es weiter im Gemeinschaftsantrag von CSU, FDP/FW und BL. "So gibt es kommunale Teststationen, Testbusse usw." Und: "Viel zitiert ist das Tübinger Modell, das Öffnungen mit Schnelltests ermöglicht."

Die Vorwürfe sind wohl überholt, die Weichen für Weiden als "Modellregion" gestellt. Für Einzelhandelssprecher Tobias Sonna wäre ein Zuschlag eine schöne Osterüberraschung. "Super, richtig gut" findet er das "Tübinger Modell". "Es ist aber auch das einzig Richtige, das man machen kann." Dennoch würde Sonna notfalls auch für die abgespeckte Variante plädieren – eine Öffnung nach rein kommunalem Schnelltest-Konzept. Auch wenn das wohl viel mehr Unwägbarkeiten mit sich bringen würde. So müsste die Stadt – möglicherweise erst nach einer Ausschreibung – einen Betreiber für die mobilen Teststationen finden und auch genügend Schnelltests organisieren und bezahlen. Würde der Freistaat Regie führen, fiele das wesentlich leichter. Die Modellregion wäre also die 1a-Lösung. Und die Chancen dafür, so meint Landtagsabgeordneter Oetzinger, "stehen nicht schlecht".

Hintergrund:

Das Tübinger Modell

  • Tübingen (90.000 Einwohner) ist Modellstadt für kontrollierte Öffnungen. Das Land Baden-Württemberg verspricht sich Erkenntnisse auch für andere Kommunen.
  • Laufzeit: 16. März bis zunächst 4. April.
  • Konzept: In der Innenstadt sind mehrere Teststationen aufgebaut. Bei Vorweis eines negativen Ergebnisses haben die Bürger Zutritt zu Geschäften, Lokalen im Freien, Kinos und Theatern. AHA-Regeln werden weiterhin eingehalten.
  • Schnelltest-Bedarf: 180.000 bis 250.000 an sechs Tagen.
  • Die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner beträgt im Landkreis Tübingen aktuell 65.
Weiden in der Oberpfalz

 

 

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