04.03.2020 - 16:50 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Podiumsdiskussion zur Kommunalwahl in Weiden: Bei Gewerbegebiet West IV aufs Tempo drücken

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Fürs Gewerbegebiet West IV kämpfen sie alle. Die einen für die Arbeitsplätze, die anderen für den Erhalt des wertvollen Waldgebiets. Für manchen OB-Kandidaten in der Podiumsdiskussion von Oberpfalz-Medien ein emotionales Thema.

Jens Meyer (SPD) will dafür kämpfen, dass das Gewerbegebiet Weiden-West IV kommt, während Sonja Schumacher (Bündnis 90/Die Grünen) das wertvolle Waldgebiet erhalten möchte.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Seit das Gewerbegebiet West IV 2011 angestoßen wurde und es 2014 einen positiven Bürgerentscheid gab, wird in den Fraktionen gerungen. Die Aussicht auf neue Gewerbesteuerzahler mit vielen Arbeitsplätzen kollidiert mit Naturschutzinteressen. Das Aktionsbündnis „Walderhalt“ gründete sich und will ein neues Bürgerbegehren.

Jens Meyer: „Brauchen West IV“

Kommt das Gewerbegebiet West IV überhaupt, eröffnet Moderator Stefan Zaruba bei der Podiumsdiskussion von Oberpfalz-Medien im evangelischen Vereinshaus die Fragerunde an die OB-Kandidaten. „Wir arbeiten mit Hochdruck an West IV“, sagt Jens Meyer (SPD). „Wir brauchen es, um die Arbeitsplätze in der Region halten zu können. Und wir brauchen diese Entwicklungsmöglichkeiten für unsere Kinder“, sagt Meyer mit Nachdruck. Weiden würde heute nicht so dastehen, wenn der Stadtrat in früheren Zeiten nicht die Weichen für die Gewerbegebiete West I bis III, Pfreimter Weiher oder Forst gestellt hätte. „Mir tut es auch weh, Bäume wegzunehmen. Aber der Kulturwald in West IV ist nach Aussage von Experten erntereif.“ Das treibt OB-Kandidatin Sonja Schuhmacher (Bündnis 90/Die Grünen) fast zur Weißglut. „Es gibt keinen erntereifen Wald, den man durch Kahlschlag erntet,“ entgegnet sie energisch. Es gebe andere Flächen im Umkreis, die man erschließen könnte. „West IV hat Hanglage, die Wasserfrage ist ungeklärt, und es gibt dort geschützte Arten. Das Projekt muss scheitern.“

Ali Daniel Zant: „Wer will sich ansiedeln?“

Auch Ali Daniel Zant von der Partei Die Linke wundert es, dass in „Zeiten extremsten Klimawandels Wald gerodet wird. „Wir brauchen frische Luft in der Stadt und ein lebenswertes Klima.“ Seiner Meinung nach wird das Gewerbegebiet nicht verhindern, dass Weidener weiterhin zu ihrer Arbeitsstelle außerhalb pendeln müssen. „Außerdem hat noch keine Firma gesagt, ob sie dort was hinstellen will. Und was haben wir davon, wenn am Ende nur zwei bis drei Hallen gebaut werden?“ Unter Zwischenapplaus plädiert Zant hier für mehr Transparenz.

Benjamin Zeitler: „Gibt Interessenten“

„Ich bin täglich draußen in den Unternehmen. Die brauchen Platz“, drängt CSU-Kandidat Benjamin Zeitler. Für sie müsse man jetzt die Voraussetzungen schaffen – und vor allem an die Zugkraft von Weiden glauben. „Wir müssen mit den Firmen reden. Viele sagen, dass sie in zwei bis drei Jahren Flächen brauchen. Die denken nicht in 10-Jahres-Fristen. Deshalb müssen wir jetzt Tempo reinbringen“, so Zeitler. „Das dauert uns, und da spreche ich auch für die Bürgerliste, alles viel zu lang. Wir haben ja noch nicht mal Baureife erlangt.“ Der CSU-Kandidat erkennt, dass auch Fehler gemacht wurden. So hätte die Stadt frühzeitig für Gewerbeflächen sorgen müssen, auch kleinere. „Diese Chance haben wir verpasst.“

Von Anfragen von Unternehmen hat auch FDP-Kandidat Christoph Skutella gehört. Es sei aber alles noch geheim. Er will West IV nachhaltig und sukzessive auszubauen, nicht gleich alles zubetonieren. „Nicht über den Quadratmeterpreis, sondern über die attraktive Umgebung können wir punkten.“

Christoph Skutella: „Sukzessive ausbauen“

Zu den geplanten Rodungen könne er als Mitglied des Umweltausschusses im Landtag sagen, dass es in den vergangenen 40 Jahren keine Abnahme von Waldflächen in Bayern gegeben habe. „Nur letztes Jahr ein einziges Mal, was zu vernachlässigen ist.“ Natürlich seien ein naturbelassener Wald oder Monokulturen wie in West IV wertvolle Flächen, „aber wir brauchen hochqualitative Arbeitsplätze, und dafür benötigen wir den Platz“. Dafür gibt es lautstarken Applaus.

Für SPD-Kandidat Meyer steht fest, dass „wir Fachkräften attraktive Arbeitsplätze anbieten müssen, und ich werde dafür kämpfen.“ Im Industriegebiet Luhe-Wildenau sei wertvoller Ackerboden versiegelt worden, in Dießfurt würden für den Sandabbau mehrere Hundert Hektar gerodet. Das sei nicht in Ordnung. „Wir in Weiden müssen es schaffen, West IV ökologisch zu entwickeln und mit der Ökonomie in Einklang zu bringen.“

Video zur Podiumsdiskussion

Sonja Schumacher: „Neuer Entscheid“

Auf die Frage, ob der Bürgerentscheid zementiert sei, hat Sonja Schuhmacher eine klare Antwort: Das war ein Ratsentscheid mit einer irreführenden Fragestellung. Von Waldrodung war darin keine Rede.“ Schuhmacher deutet an, dass die Entscheidung von 2014 revidiert werden könnte. Die Aktivisten bildeten mittlerweile ein breites Bündnis. „Wir brauchen keinen weiteren Bürgerentscheid“, sagt CSU-Kandidat Zeitler. Er räumt ein, dass „wir den Bürger auf dem verwaltungstechnischen Weg in der West-IV-Debatte verloren haben“. Wichtiger sei jetzt ein aktiver Dialog.

OB-Kandidaten: Kliniken in kommunaler Hand behalten

Weiden in der Oberpfalz

Teures Pflaster

Wäre da noch die Frage nach den Quadratmeterpreisen, die im Moment bei bis 120 Euro liegen sollen. „Welcher Mittelständler soll sich das leisten?“, fragt Grünen-Kandidatin Schuhmacher. Das sei etwas für Bodenspekulanten, ärgert sie sich. West IV sei ihrer Meinung nach viel zu teuer und löse keine finanziellen Probleme. „Die Gewerbesteuer fehlt aber, wenn Firmen sich nicht ansiedeln“, entgegnet Zeitler (CSU). Und damit fehlen auch die Arbeitsplätze. Darauf Schumacher: „Die steigen laut Jobcenter im Moment auch ohne das Gewerbegebiet“. Viel schlimmer für die Grünen-Kandidatin sei, dass „unsere Frischluftschneise gerodet wird“. Gelächter und Buhrufe im Saal. Darauf Schuhmacher: „Die Klimakrise kommt, auch wenn mache es leugnen.“

Für SPD-Kandidat Meyer ist jedenfalls klar, dass „wir Fachkräften attraktive Arbeitsplätze anbieten müssen, und ich werde dafür kämpfen. Walderhalt könne kein gegenargument sein. In Luhe-Wildebnau sei wertvoller Ackerboden versiegelt worden, in Dießfurt würden für den Sandabbau mehrere Hundert Hektar gerodet. „Wir müssen es schaffen, West IV ökologisch zu entwickeln und mit der Ökonomie in Einklang zu bringen.“

Die Podiumsdiskussion im Livestream

Rund 500 Zuhörer wollen Weidens OB-Kandidaten im Talk erleben

Weiden in der Oberpfalz

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.