16.09.2019 - 14:13 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Polizist wird erneut belastet

"Wir waren gute Kollegen", versichert der Verkehrspolizist, der am Montag im Prozess gegen einen Polizisten (29) wegen Verfolgung Unschuldiger aussagt. Seine Ausführungen scheinen allerdings nicht geeignet, den Kollegen zu entlasten.

Symbolbild
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Ganz im Gegenteil: Was der 43-Jährige am zweiten Verhandlungstag über die Ex-Freundin seines Kollegen berichtet, entlastet eher die Frau als den 29-Jährigen. So wie es bereits bei der Aussage seines 37-jährigen Kollegen am ersten Verhandlungstag der Fall war (Oberpfalz-Medien berichteten).

Der 29-Jährige habe ihn und seinen Kollegen informiert, dass seine "Ex" finanzielle Probleme habe und deshalb immer montags in Tschechien Drogen besorge, erzählte der Zeuge. Das Rauschgift würde sie meist im Radkasten oder hinter den Kennzeichen ihres Autos verstecken. Am 15. Oktober 2018 habe der 29-Jährige ihn angerufen und mitgeteilt, seine "Ex" sei wieder beim Einkaufen in Tschechien gewesen. Sie werde sich jetzt mit seinem Informanten in Weiden treffen, "das Gift" sei schon an den Kennzeichen montiert.

"Ich dachte, das ist hanebüchen", erklärte der Zeuge dazu. "Der normale Menschenverstand sagt einem, ich bringe das sofort weg und fahre nicht die ganze Zeit mit dem Rauschgift herum." Der 29-Jährige habe aber eine gute Erklärung dafür gehabt: Als Ex-Freundin eines Polizisten sei die Frau der Ansicht, sie müsse keine Kontrolle fürchten.

In Weiden-West hätten er und sein 37-jähriger Kollege die Frau schließlich angehalten und kontrolliert. "Sie war ganz normal. Nicht ängstlich oder nervös, sondern freundlich und höflich. (...) Als wir das Tape mit dem Rauschgift am Kennzeichen entdeckt haben, ist sie aus allen Wolken gefallen, hat halb geweint und sich gefragt, wer ihr Leben zerstören will." Ihr zu Hilfe gerufener Bruder habe sofort vermutet, dass der Polizist und Ex-Freund hinter der Aktion stecke.

Er habe dann den Besitzer von "Deutschlands bestem Rauschgiftspürhund" alarmiert, betonte der Zeuge. Auch diese Aktion förderte eher Entlastendes zugunsten der jungen Frau zutage. "Der Hund hat nur da, wo die beiden Kennzeichen montiert gewesen waren, Drogen angezeigt." Die Ex-Freundin habe darauf bestanden, dass bei ihr ein Drogentest durchgeführt und das komplette Auto untersucht werde. "Das war alles negativ."

Könnte die Ex-Freundin die Überraschung nur vorgetäuscht haben, als die Drogen an ihren Kennzeichen entdeckt wurden, wollte Richter Hubert Windisch wissen. Die Antwort des Zeugen: "Wenn sie das gespielt hätte, wäre das Hollywood-reif gewesen." Der 29-Jährige hatte ihm außerdem noch erzählt, dass das Rauschgift zum Weiterverkauf beim neuen Freund der "Ex" in Etzenricht gelagert werden sollte.

Eine ganz andere Geschichte hatte dagegen der mitangeklagte Kumpel und angebliche Informant des 29-Jährigen am ersten Verhandlungstag aufgetischt, wobei er sich selbst und den 29-Jährigen schwer belastete. Der Schüler (23) hatte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft weitgehend bestätigt. Demnach hatte er mit dem Geld des 29-Jährigen Marihuana in Plauen besorgt und es im Beisein des angeklagten Polizisten und einer Bekannten bei einer Nacht-und-Nebel-Aktion in Etzenricht am Auto der Ex-Freundin angebracht, um diese zu belasten.

Die Anklage gegen den 29-Jährigen lautet deshalb auf unerlaubten Erwerb von Betäubungsmitteln und Verfolgung Unschuldiger. Der Schüler selbst ist wegen unerlaubten Erwerbs von Drogen in Tatmehrheit mit unerlaubtem Waffenbesitz angeklagt. Denn in seinem Auto und in seiner Wohnung fanden die Beamten ein Butterfly-Messer und zwei Schlagringe. Der angeklagte Polizist ließ die Vorwürfe durch seine Rechtsanwälte zurückweisen und schweigt ansonsten.

Der Prozess wird am Montag, 23. September, um 8.30 Uhr fortgesetzt. Dann steht unter anderem die Vernehmung der Ex-Freundin als Zeugin an.

Staatsanwaltschaft wirft 29-jährigem Polizisten die Verfolgung Unschuldiger vor

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