03.07.2020 - 14:21 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Rehbühlschule Weiden: Keine Chance für Kunst an der Fassade

Die Arche Noah in Not, der heilige Franziskus vor dem Aus: Die beiden Gemälde, die bei Sanierungsarbeiten an der Fassade der Rehbühlschule zum Vorschein kamen, werden hinter der nötigen Dämmung wieder verschwinden. Verloren sind sie nicht.

Noch ist die "Arche Noah" an der Fassade der Rehbühlschule hinter dem Gerüst zu sehen. Bald aber wird das Kunstwerk von 1959, das für wenige Monate wieder zum Vorschein gekommen ist, wieder hinter Wärmedämmung verschwinden.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Der Weidener Künstler Franz Friedrich war Ende der 1950er Jahre der Mann der Stunde für die Rehbühlschule - und dann als solcher in Vergessenheit geraten. Im Auftrag des Weidener Stadtrats gestaltete er damals die Fassade mit zwei Gemälden: "Arche Noah" und "Heiliger Franziskus". Lehrer, Eltern und Schüler lobten die Darstellungen an den Wänden in der Fichte- und Richard-Strauß-Straße in den höchsten Tönen. Trotzdem verschwanden sie ohne großes Aufhebens bei Arbeiten an der Schule Mitte der 1980er Jahre hinter der neuen Fassade.

70 Jahre später ist der Franz Friedrich wieder in aller Munde. Denn bei den aktuellen Sanierungsarbeiten an der Schule kamen seine Werke im späten Frühjahr wieder zum Vorschein. Mit Historiker Dr. Sebastian Schott macht sich seither der CSU-Ortsverband stark für deren Erhalt. Nun steht fest, der Erhalt ist nicht möglich.

Der Kampf für die Rettung der Kunstwerke an der Rehbühlschule beginnt

Weiden in der Oberpfalz

"Bauphysikalisch nicht darstellbar"

Dabei wurden vorab mehrere Möglichkeiten zum Erhalt geprüft, sagt Bau- und Planungsdezernent Oliver Seidel auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. "Eine Freilassung der Gemälde-Flächen in Sachen Wärmeschutz ist aber bauphysikalisch nicht darstellbar." Auch der Wärmeschutz von Innen verursache gravierende Probleme. Kurzum: "Wenn sich das Bauwerk weiterentwickelt, muss sich auch die Kunst weiterentwickeln", meint der Baudezernent. Das Wärmedämmverbundsystem werde demnach, wie geplant, auch an den Giebelseiten mit den Kunstwerken angebracht. "Aber natürlich wollen wir die Erinnerung an die Werke erhalten."

Erinnerungstafel: "Das Mindeste"

Eine Fachfirma sei deshalb beauftragt, Franz Friedrichs "Arche Noah" und "Heiligen Franziskus" auf eine Transparentfolie zu übertragen, um diese zu dokumentieren. Kostenpunkt: "Im oberen vierstelligen oder unteren fünfstelligen Bereich", sagt Seidel. Die Verwertung dieser Dokumentation über die Archivierung hinaus sei nicht endgültig geklärt. "Wir wollen das sicher nicht reproduzieren", so Seidel, "das halte ich für keinen würdigen Umgang." Eine Tafel, die auf die Werke hinweist, ist für den Baudezernenten "das Mindeste". Er könne sich aber auch vorstellen, dass die Konturen der Werke sich auf der neuen Fassade wiederfinden, eventuell in der Form unterschiedlicher Oberflächengestaltung durch Putzarbeiten.

So sah er aus, der "Heilige Franziskus" von Franz Friedrich. Das Werk ist bereits wieder in der Mauer verschwunden.

Sanierung auch im neuen Schuljahr

Die Sanierungsarbeiten insgesamt laufen jedenfalls auf Hochtouren, allerdings mit Verzögerung. Coronabedingt. Denn dadurch hakte es zwischenzeitlich bei den Gewerken Abbruch und Wärmedämmverbundsystem. Aktuell gestalte sich zudem die Vergabe der Fliesen- und Estricharbeiten schwierig: "Es gibt derzeit, nach Ausschreibung und danach freier Angebotseinholung keine Firma, die ein Angebot abgegeben hat." Insgesamt wird sich deshalb der ursprüngliche Plan, der Abschluss der Arbeiten noch vor Schulbeginn, nicht halten lassen. Dabei wird weiter in den Ferien fleißig gearbeitet. Anfang August etwa wird mit dem Einbau der entsprechenden Toilette und der Rampen für Barrierefreiheit gesorgt. "Wir rechnen derzeit damit, dass die Arbeiten Mitte Oktober abgeschlossen sind. Allerdings werden die außenliegenden Arbeiten den Schulbetrieb innen nicht beeinträchtigen", verspricht Baudezernent Seidel.

Kosten steigen

Dabei ist schon einiges geschehen. Die Fenster im Untergeschoss des Schultrakts sind neu, die in der Turnhalle werden noch ausgetauscht. Ein Teil der Wärmedämmung ist angebracht, Arbeiten am Aufzug laufen. "Konjunkturbedingt gibt es aber eine Kostensteigerung", räumt Seidel ein. So seien die Vergaben überwiegend erfolgt und lägen zum Teil über der Kostenschätzung. "Ein gewisser Ausgleich könnte sich durch die Mehrwertsteuersenkung ergeben." Über die Höhe der Kostensteigerung insgesamt, verursacht unter anderem durch Corona und die Sonderausgaben für die aufgetauchten Kunstwerke, könne noch keine Aussage getroffen werden. Ende Juli werde rechtzeitig zu den Beratungen für den Nachtragshaushalt dazu berichtet. Ursprünglich ging die Stadt von Gesamtkosten von 1,2 Millionen Euro für die vor allem energetischen Maßnahmen aus. Davon ist mit einer Förderung von über 900 000 Euro zu rechnen.

Wenn sich das Bauwerk weiterentwickelt, muss sich auch die Kunst weiterentwickeln.

Baudezernent Oliver Seidel

Baudezernent Oliver Seidel

Wer war Franz Friedrich?:

Ein Künstler mit vielen Spuren in Weiden

  • Der Kunstmaler und Grafiker Franz Friedrich wurde am 11. März 1907 in Klein Augezd in Böhmen geboren.
  • Bei der Weidener Firma Bauscher Hotelporzellan machte er eine Lehre als Entwerfer für Formen und Dekore und war anschließend über zehn Jahre bei dieser Firma als Abteilungsleiter tätig.
  • Im Jahr 1931 führte ihn eine Studienreise nach Amerika. Von 1939 bis 1943 studierte Friedrich an der Akademie in München Malerei bei Professor K. H. Dallinger.
  • Nach Krieg und Gefangenschaft in Frankreich kehrte er 1949 nach Weiden zurück und arbeitete erfolgreich in der Oberpfalz sowie in Niederbayern als freischaffender Künstler. Er übernahm die Wandgestaltung in Schulen, Kirchen, Altenheimen und anderen öffentlichen Bauten, stattete die Gebäude mit Mosaiken und Fresken aus.
  • Franz Friedrich entwarf etwa die Kirchenfenster in St. Johannes. Erhalten sind von ihm auch Mosaikarbeiten wie die Figur des heiligen Josef. Sie zierte bis 2017 für 51 Jahre das Josefshaus und hat nun einen neuen Platz beim Kindergarten St. Josef. Seine Bilder – „Vom liegenden jungen Mädchen“ (eine Aktmalerei) bis zum „Bunten Blumenstrauß“ – sind noch heute zu erwerben.
  • Franz Friedrich starb am 1. Februar 1973 in Weiden.

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