04.06.2019 - 08:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Rote Karte: FC Weiden-Ost bricht mit SpVgg SV

Die Rede ist von "Hochmut", "Populismus" und "komplettem Nonsens": Nach den öffentlichen Vorwürfen des SpVgg-SV-Vorsitzenden Michael Kurz reagiert die Führungsriege des FC Weiden-Ost - und kündigt die Vereinskooperation.

Im Gespräch mit den Oberpfalz-Medien reden der zweite Vorsitzende des FC-Weiden Ost, Markus Meier (links), und Martin Oppitz als sportlicher Leiter des Clubs, Tacheles: Die öffentlichen Äußerungen des SpVgg-SV-Chefs Michael Kurz hätten zu einem "massiven Vertrauensverlust" geführt, der eine weitere Zusammenarbeit unmöglich mache.
von Tobias GräfProfil

Die Vorwürfe Michael Kurz’ an andere Weidener Fußballvereine bewegen die Gemüter. Der Vorsitzende der SpVgg SV kritisierte Ende Mai bei einer Zusammenkunft mit SPD-Vertretern fehlende Zusammenarbeit, das Abwerben von Spielern und mangelnde Kommunikation. Vom FC Weiden-Ost werde man sogar „gehasst“.

Die Klagen der SpVgg SV Weiden

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Dieser Verein, der FC Weiden-Ost, fühlt sich hier zu Unrecht angegriffen und kündigt nun als Reaktion die Kooperation auf. Die Vertreter des FC Weiden-Ost, zweiter Vorsitzender Markus Meier und sportlicher Leiter Martin Oppitz, begründen im Gespräch mit Oberpfalz-Medien den radikalen Schritt.

FC Weiden-Ost: "Schwer enttäuscht"

Von den „diffamierenden Äußerungen“ Michael Kurz’ über den FC Weiden-Ost sei die sportliche Führungsriege um Vorsitzenden Franz Bäumler „schwer enttäuscht“, sagt Markus Meier. Hass gäbe es zwischen den beiden Vereinen nicht, das „ist kompletter Nonsens“. Vielmehr handle es sich um „eine gesunde Rivalität, so wie sie im Stadt-Derby normal ist. Wir haben mit vielen Leuten von der SpVgg regelmäßig Kontakt. Etwa mit U-19-Trainer Martin Schuster“.

Führungswechsel als Problem?

Zur Aufforderung von Kurz, man solle miteinander sprechen, sagen Meier und Oppitz: Nach Beginn der Kooperation im August 2016 habe es „ein freundschaftliches Verhältnis“ zu den damaligen SpVgg-SV-Verantwortlichen Rainer Fachtan und Philipp Kaufmann gegeben. Die Zusammenarbeit „war auf einem sehr guten Weg“. Doch „seit dem Führungswechsel im Mai 2018 kam dies alles zum Erliegen. Ein Michael Kurz oder ein neuer sportlicher Zuständiger hat sich bei uns nie gemeldet“. Man hätte laut Oppitz umgekehrt erwartet, dass der neue Vorstand von sich aus auf den FC Weiden-Ost zukommt.

FC Weiden-Ost

Aussagen sind "hochmütig"

Nicht nachvollziehen können Meier und Oppitz auch die Aussage Kurz’, die anderen Weidener Fußballvereine müssten „jedes Jahr wie die Heiligen Drei Könige zu uns kommen und uns Geschenke bringen“. Hintergrund ist, dass laut Kurz die SpVgg-SV viele Spieler kostenintensiv ausbilden würde, diese dann jedoch von anderen Weidener Clubs abgeworben würden. Dies sei „eine Aussage, die an Hochmut nicht zu überbieten ist“, entgegnet Meier. Und weiter: „Wir werben keine Spieler ab. Unsere Struktur ist, selbst eigene Spieler auszubilden.“ Das Problem mit den abgeworbenen Spielern bei der SpVgg SV sei „hausgemacht“.

Weil die SpVgg SV „ständig externe Legionäre aus Tschechien an Bord“ hole, würden diese mangels Vereinsbindung schneller wechseln. Beim FC Ost sei dies anders. Meier bezichtigt hingegen die SpVgg-SV des Abwerbens von Spielern: In den vergangenen Wochen habe die Spielvereinigung selbst „wiederholt Jugendliche unserer erfolgreichen U13-Mannschaft und trotz Kooperation sogar Herrenspieler kontaktiert, um sie zum Vereinswechsel zu animieren.“ Obwohl Kurz kritisierte, dass andere Clubs zu wenig in Jugendarbeit investierten, zeigt sich Meier von Qualität und Erfolg der eigenen Nachwuchsarbeit überzeugt: „Wir haben mit mehr als 320 Nachwuchsspielern mehr Jugendmannschaften im Spielbetrieb als die SpVgg-SV und feiern teilweise auch mehr Erfolge. Das ist oberpfalzweit bekannt. Vielleicht weiß der Nachbar das nur nicht.“

Stadt soll vermitteln

Der FC Weiden-Ost hofft nun auf Vermittlung durch die Stadt: Weil man sehr gern die neuen Kunstrasenplätze mitbenutzen würde, sagt Meier: „Wir setzen unser absolutes Vertrauen in die Stadt, dass sie uns hilft, die ,Hausherren-Thematik’ gut zu lösen.“ Denn die inzwischen einseitig aufgekündigte Kooperation sei „mit der Intention gegründet worden, in der Sportstadt Weiden mit Kunstrasenplätzen ideale Trainingsbedingungen für alle Vereine zu schaffen“.

„Als Bittsteller an den ,Hausherrn’, wie vom Vorsitzenden gewünscht, wird sich der FC-Ost nicht degradieren.“ Eine Rückkehr zur Kooperation sei ausgeschlossen: „Momentan sind die Schotten dicht. Zumindest mit dieser Führung.“

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Kommentar:

Ins Abseits mit Sturköpfen

Die Fronten scheinen komplett verhärtet. Nachdem der Chef der SpVgg SV Weiden öffentlich über den Partnerverein FC Weiden-Ost hergezogen hatte, ist es nun vorbei mit der erst seit zwei Jahren währenden Kooperation. Das Führungsgremium des FC Weiden-Ost hat sich zusammengesetzt und entschieden, die Beziehung abzubrechen.
Mir gegenüber wurde versichert: Dies geschehe nicht im Affekt, man habe sich die Entscheidung gründlich überlegt. Als Außenstehender kann man nur den Kopf schütteln: Die beiden Vereine trennen 500 Meter Luftlinie. Gesprochen wird trotzdem nur noch indirekt – über die Presse. Das erklärte gemeinsame Ziel, den Fußball in Weiden voranzubringen, wird durch solch sturköpfiges Verhalten konterkariert.
Dies zeigt sich insbesondere beim sich anbahnenden Streit um die gemeinsame Nutzung der neuen Kunstrasenplätze. Diese könnten allen Weidener Fußballern zugänglich gemacht werden. Unabhängig von Vereinsname und Niveau der Spieler. Weil sich zwei Vorstandschaften gegenseitig beharken, besteht aber die Gefahr, dass der Streit auf dem Rücken von Kindern und Jugendlichen ausgetragen wird, die einfach nur kicken wollen.

Tobias Gräf

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