Weiden in der Oberpfalz
17.09.2023 - 12:16 Uhr
OnetzPlus

Warum rund 1000 Weidener am Hammerweg um den TB-Bau bangen

Seit 15 Jahren sehnen sich die Vereine am Weidener Hammerweg nach einer Bleibe. Ohne Unterkunft für Treffen ist ihre Zukunft in Gefahr. Die größte Hoffnung ruht ausgerechnet auf 3,5 Hektar Rasenfläche – dem Turnerbund-Areal.

Ein Verein, der keine Unterkunft hat, keinen Ort, um zusammenzukommen, der stirbt. Jedenfalls auf lange Sicht. Jüngstes Beispiel am Weidener Hammerweg: die Schützengesellschaft. Der Verein löste sich 2021 auf. Überaltert, Corona-geschwächt und ohne Heim. Ein Veranstaltungsraum ist für Schützen, Siedlergemeinschaften oder Fischer das, was für Musiker der Proberaum und für Fußballer der Rasen ist. Es geht nicht ohne.

Nun ja, grünen Rasen gäbe es auf dem ehemaligen Turnerbund-Gelände am Hammerweg genug. Nur liegt dort das Problem. Die Stadt ringt seit dem Kauf der Fläche 2017 zunehmend verzweifelt um eine Bebauung der 3,5 Hektar. Der aussichtsreichste Investor für das Großprojekt mit rund 300 Wohnungen, ein Drittel davon sozial gefördert, sprang ab. Die Suche nach neuen Projektträgern läuft derzeit. Ein Brandbrief der CSU an die Stadt, unterzeichnet vom Kreisvorsitzenden Stephan Gollwitzer, brachte im August mächtig Feuer in die Debatte.

Im Bebauungsplan verankert

Leidtragende der scheinbar unendlichen TB-Geschichte sind einerseits diejenigen, die auf günstigen Wohnraum angewiesen sind. Zum Zweiten aber, damit zurück zum Vereinssterben, die Vereine am Hammerweg. Ihnen nämlich stellte die Stadt einen Raum in Aussicht, der im Zuge des TB-Wohnbaus entstehen sollte. Das ersehnte Vereinsheim war im Bebauungsplan integriert und soll dem Vernehmen nach auch vom nun abgesprungenen Investor abgenickt worden sein. Grünes Licht auf der grünen Wiese, so schien es. Heute blinkt am Hammerweg wieder die rote Alarmleuchte. Was wird jetzt aus der Unterkunft für die Vereine?

Rund 1000 Mitglieder sind am Hammerweg bei der Siedlergemeinschaft, im Vereinskartell, bei den Lustigen Konradern oder in der 7er-Kameradschaft engagiert. Es ist der an Einwohnern genmessen zweitgrößte Stadtteil Weidens (5547; Stand 2020) hinter dem Rehbühl (6542). Das heißt: Beinahe jeder fünfte "Hammerwegerer" gehört einem der Vereine an. Seit mehr als zehn Jahren fehlt ihnen ein Ort für Versammlungen oder Feste. Die letzte Unterkunft schloss mit der Gaststätte Waldheim 2008. Eine Renovierung des heruntergekommenen Glötzner-Stüberls auf dem TB-Gelände scheiterte, sie schien auch finanziell wenig rentabel. 2017 kaufte es die Stadt mitsamt der TB-Fläche.

Einst Freizeitanlage

Die Vorgeschichte, sie sei "ganz schön lang", sagt Nikola Vranjes und schnauft, als sei das Thema auch körperlich zur Last geworden. Vranjes ist zweiter Vorsitzender der Siedlergemeinschaft und Chef der CSU-Ortsgruppe Hammerweg. Das TB-Gelände, sagt er, sei derzeit die einzig übrige Hoffnung auf eine dauerhafte Bleibe. In den Sälen der Pfarrheime am Hammerweg hätten kirchliche Veranstaltungen Vorrang, außerdem würde teils eine hohe Miete fällig. Das Café Hägler, für kleinere Treffen eine Option, ist derzeit geschlossen. "Es etabliert sich nichts, es kommt niemand mehr zusammen, es gibt ja nichts mehr", klagt Vranjes. Zum TB-Grundstück hat er eine emotionale Bindung. Als Kind und Jugendlicher jagte er auf der heute so umstrittenen Wiese dem Fußball hinterher. "Es ist schade, wenn man sieht, wie das verfällt. Man konnte dort mal seine Freizeit verbringen."

Hans Blum, der das Vereinskartell am Hammerweg und damit die organisatorische Draufsicht auf die Vereine leitet, stellt sich einen Versammlungsraum vor. Einen mit "einer gewissen Größe für Selbstverpflegung". 50 bis 100 Personen sollten hineinpassen. Die Gebühren flössen an den Investor oder an die Stadt, je nachdem, wer zuständig wäre, müssten aber "im Rahmen bleiben". 150 Euro für eine Vorstandssitzung von fünf Leuten, "das wäre uninteressant", meint Blum.

Vorbild Flossenbürg?

Vranjes denkt noch etwas weiter, stellt sich eine "ganzheitliche Planung" für die Fläche vor. Was meint er? "Man könnte die Parkanlage um das TB-Gelände attraktiver machen als Naherholungsfläche." Ihm schwebt ein angelegter See vor, dazu ein gefördertes Café nach dem Vorbild des Museumscafés der HPZ-Werkstätte in Flossenbürg. Ein Fahrradweg führe ohnehin vorbei. Es wäre nicht weniger als ein neues Zentrum für den Stadtteil. Und gewiss etwas, woran die Vereine und ihre Mitglieder am Hammerweg Freude hätten.

Ob, wie, wann: Es sind Gedankenspiele, ebenso wie die Idee der Grünen-Fraktion im Stadtrat, das Areal übergangsweise für Tiny-Häuser zu nutzen, bis ein Investor gefunden ist. Daran hängt auf der Fläche ohnehin alles, womöglich auch die Zukunft manchen Vereins nebenan.

OnetzPlus
Weiden in der Oberpfalz31.08.2023
OnetzPlus
Weiden in der Oberpfalz07.09.2023
OnetzPlus
Weiden in der Oberpfalz18.08.2023
OnetzPlus
Weiden in der Oberpfalz24.08.2023
OnetzPlus
Weiden in der Oberpfalz23.08.2023
OnetzPlus
Weiden in der Oberpfalz23.08.2023
Hintergrund :

Der Stadtteil Hammerweg

  • Weidener Stadtteil, östlich der Mooslohe, nördlich von Altstadt und Scheibe gelegen
  • 5547 Einwohner (Stand: 2020), Platz 2 hinter dem Rehbühl
  • 4,32 Quadratkilometer Fläche (vergleichbar mit Schirmitz)
  • Wichtigste Vereine: EAW-Siedlergemeinschaft, D'Lustigen Konrader, 7er-Kameradschaft, Hammerweg-Schützen (2021 aufgelöst)
  • Vereinskartell: Verein zur organisatorischen Bündelung der Vereine am Hammerweg, gegründet vor allem, um die Vereinsheim-Suche zu koordinieren
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.