11.02.2019 - 17:30 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Senioren im Straßenverkehr

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer stellte kürzlich klar: „Verkehrstest für Senioren wird es mit mir nicht geben.“ Damit spricht er nicht nur dem 89-jährigen Walter Brunner aus der Seele.

Mit 89 Jahren gibt Walter Brunner aus Grafenwöhr noch gern Gas: „Jeder muss selbst entscheiden, ob er nicht mehr fahren kann.“
von Stefan NeidlProfil

Walter Brunner ist 89 Jahre alt. Der Grafenwöhrer beschreibt sich als rüstigen Autofahrer. Er schätzt, 5 000 Kilometer im Jahr hinterm Steuer zu sitzen. Der 89-Jährige fährt selbst noch bis nach Italien in den Urlaub. Die immer wieder aufkeimende Diskussion über Eignungstests für Senioren verurteilt der Vorsitzende des Deutsch-Amerikanischen-Kontakt-Clubs: „Ich vertrete meine Generation und fühle mich sauwohl. Deshalb muss auch jeder selbst entscheiden, ob er nicht mehr fahren kann.“

Dennoch tauchen oft spektakuläre Meldungen über Unfälle von Senioren auf. Besonders prominentes Beispiel: Prinz Philip, Ehemann der Queen, steuerte sein Auto in einen anderen Wagen. Der 97-Jährige blieb unverletzt. Die Insassen des anderen Fahrzeugs, zwei Frauen und ein Baby, kamen mit Schnittwunden und einem Armbruch ins Krankenhaus.

Alfons Heidingsfelder ist Seniorenbeauftragter der Stadt Weiden. Verpflichtende Fahrtests für Senioren lehnt auch er ab. Er setzt auf die Einsicht eines jeden Einzelnen. Zudem meint er, ältere Fahrer stellten im Vergleich zu Fahranfängern kein größeres Risiko dar.

Sollten die motorischen Fähigkeiten im Alter nachlassen, gäbe es Wege, die Defizite auszugleichen: Assistenzsysteme, kleinere Fahrzeuge oder höhere Karosserien könnten helfen. Heidingsfelders Empfehlung nach einer längeren Auszeit beim Fahren: Kurse belegen oder ein begleitetes Fahren mit Angehörigen nutzen. „Auf die Familie und den Arzt sollte man hören“, meint der 77-Jährige. Seien diese der Ansicht, es ist Zeit, den Führerschein abzugeben, sollte man sich hinterfragen.

Muss ein Arzt melden, wenn er die Fahrtüchtigkeit eines Patienten anzweifelt? Pressereferentin Sophia Pelzer von der Bayerischen Landesärztekammer in München erklärt: „Die Berufsordnung verpflichtet einen Arzt, seinen Patienten auch ohne Anlass über eine Fahruntauglichkeit zu informieren. Aus Haftungsgründen sollte die Aufklärung sogar dokumentiert werden. Eine Weitermeldung der Fahruntauglichkeit an andere Behörden untersagt grundsätzlich die ärztliche Schweigepflicht. Sollte der Arzt dennoch Ämter aufgrund von Bedenken informieren, kann dies im Einzelfall gerechtfertigt, oder sogar nötig sein.“

Der Weidener Fahrschullehrer Josef Greiner führt selbst Fahrkurse für Senioren durch. Seiner Ansicht nach gefährden ältere Fahrer nicht in höherem Maß den Straßenverkehr. „Senioren stellen 21 Prozent der Bevölkerung dar, sind aber nur an 16 Prozent der Unfälle beteiligt. Gleichzeitig sind die 10 Prozent der Fahranfänger für 31 Prozent der Unfälle verantwortlich“, erklärt der 58-Jährige.

Ein eventuelles körperliches Defizit werde durch Erfahrung ausgeglichen. Greiner glaubt, die fehlende Beweglichkeit ist auffälliger als es nachlassende Reaktionen und Sinne sind. „Der Schulterblick wird schon mal vernachlässigt. Oft mangelt es auch an dem Extrablick nach links und rechts“, beschreibt der Fahrlehrer das Verhalten seiner Kursteilnehmer.

Auf die Einsicht der älteren Mitbürger setzt die Führerscheinstelle in Neustadt. Pressesprecherin Claudia Prößl beschreibt das Vorgehen: „Werden Vorfälle mit betagten Autofahrern aufgrund der nachlassenden Leistungsfähigkeit bekannt, bitten wir sie zu einem Gespräch und fordern sie zu einer freiwilligen Abgabe der Fahrerlaubnis auf.“ 2018 sei dies 25 Mal geschehen. „Fast alle Bitten waren erfolgreich.“

Weitere rechtliche Schritte sind möglich, werden aber im Landkreis nicht ausgereizt. Diplom-Psychologin Sabine Kagerer-Volk vom Tüv Süd Life Service in Bamberg weiß: „Sollte das Gespräch mit den Betroffenen nicht erfolgreich verlaufen, kann die Führerscheinstelle Atteste des Hausarztes verlangen. Sind diese nicht zufriedenstellend, oder sie werden nicht erbracht, kann eine ärztliche Begutachtung angeordnet werden.“ Wie oft diese erfolgen, kann sie nicht sagen. Über ärztliche Begutachtungen werden keine Statistiken geführt.

Hintergrund:

Zahl der Unfälle mit Senioren in Weiden und im Landkreis Neustadt im Jahr 2017

Polizeihauptkommissar Hans Wurm kennt die Statistik über die Zahl der Unfälle für die Stadt Weiden, an denen Senioren ab 65 Jahren beteiligt waren: „2017 gab es 165 Unfälle mit 184 beteiligten Senioren. Das sind 14,3 Prozent aller Unfälle. Senioren stellen dem gegenüber 22,84 Prozent aller Einwohner dar.“ Noch deutlicher fallen die Zahlen im Landkreis Neustadt aus. „Im Jahr 2017 waren an 175 von 2973 Unfällen Senioren beteiligt, 123 davon haben sie verursacht. Dies entspricht 5,89 beziehungsweise 4,14 Prozent. Senioren haben gleichzeitig einen Anteil von 20,71 Prozent an der Bevölkerung im Landkreis“, erklärt Polizeihauptkommissar Tobias Wirth.

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