06.11.2020 - 15:16 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Serie "Natur pur" rund um Weiden: Schmetterlingsraupen auf dem Weg ins Winterlager

Die Herbstnächte sind bereits empfindlich kalt, doch noch immer kriechen Raupen an Wegesrändern umher. Für sie wird es höchste Zeit, jetzt ein Winterquartier zu finden.

Raupe des Wolfsmilchschwärmers
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Die Sonne machte sich rar in den vergangenen Tagen. Flora und Fauna bereiten sich merklich auf den Winter vor. Wer jedoch denkt, dass sich in der Natur kaum mehr etwas regt, irrt. Wie so oft sind es eher die kleinen Dinge bzw. Lebewesen, die einen zum Staunen bringen. Mir fielen bei Spaziergängen im Landkreis vermehrt Raupen auf. Sie lagen meist mitten auf den Wegen, bewegten sich in Zeitlupe oder scheinbar gar nicht. Wenn´s draußen kalt wird, geht halt alles etwas langsamer.

Ein besonders dickes Exemplar, knapp sechs Zentimeter lang, kroch mir in der Nähe von Wilchenreuth vor die Füße. Grünlich-dunkelbrauner Körper mit auffälligen weißen Punkten und einem bedrohlichen roten Dorn am Hinterleib. Die Raupe war noch recht flott unterwegs. Aber wohin nur?

Wolfsmilchschwärmer eine Schönheit

Eine Nachfrage bei Schmetterlingsexperte Manfred Ströhle aus Weiden bringt schnell Klarheit. Es ist die voll erwachsene Raupe eines Schwärmers, und zwar des Wolfsmilchschwärmers (Hyles euphorpiae). "Sie sucht bereits einen Verpuppungsplatz in der Erde. Zu erkennen ist das an der verdunkelten Hautfärbung", sagt Ströhle. Die Raupen spinnen sich in Bodennähe zwischen Pflanzenteilen ein und überwintern im Puppenstadium, bis im Mai/Juni des Folgejahres der Falter schlüpft. Der rote Fortsatz heißt übrigens Analdorn.

Der Wolfsmilchschwärmer ist nachtaktiv und deshalb schwer zu entdecken. Dabei macht der Falter optisch mit seiner Zeichnung in schwarz, weiß, rot und braun durchaus was her. Er ist auch in Europa verbreitet, kämpft jedoch wie alle Insekten mit der Zerstörung seines Lebensraums.

Der Nachtfalter legt seine Eier auf der Zypressen-Wolfsmilch (giftig) ab, von der sich später die Raupen ernähren. Die Pflanze wächst auf trockenen, nährstoffarmen Böden – und davon gibt es immer weniger, wie auch der BUND beobachtet.

Ein Wolfsmilchschwärmer in voller Pracht. Er war 2014 einmal "Schmetterling des Jahres". Heute kämpft der Nachtschwärmer.

Ein beeriger Name

Optisch gänzlich anders präsentiert sich die zweite Raupenart, die mir gleich mehrmals auf Spazierwegen im östlichen Landkreis Neustadt/WN begegnete – mit dichter, schwarz und rotbraun gefärbter Behaarung. Doch Vorsicht! Dem kuschlig anmutenden Pelz sollte man nicht zu nahe kommen, rät Manfred Ströhle. "Die Härchen können bei Berührung Allergien und Juckreiz auslösen. Ein Schutz vor Fressfeinden." Die Raupe entwickelt sich nach der Verpuppung zu einem Brombeerspinnner (Macrothylacia rubi), ebenfalls ein in der Dämmerung bzw. in der Nacht aktiver Schwärmer.

Trockene und auch feuchte Gegenden, wie z. B. auf Trockenrasen, an Böschungen oder an Waldrändern mag er besonders. Seine Raupen fressen vor allem krautige Pflanzen und Sträucher, wie z. B. Schlehe, Kleiner Wiesenknopf, Flügelginster, Brombeeren (daher der Name) oder Klee.

Zur Überwinterung suchen sich die Raupen im Spätherbst unter anderem Moospolster. Im Frühjahr erwachen sie, verpuppen sich und entlassen die Falter im Mai/Juni. Die Schmetterlinge tragen braun-graue Flügel ohne eine farbige Kennzeichnung.

Beide Schmetterlingsarten, so der Entomologe, seien früher häufiger in der Gegend vorgekommen. Aber die Überdüngung landwirtschaftlicher Flächen und intensiver Maisanbau verdränge vielfach die Futterpflanzen der Raupen.

Die Raupe eines Brombeerspinners. Aus ihr entwickelt sich ein grau-brauner Nachtschwärmer.

Weidener Schmetterlingsexperte mit Liebe zu Afrika

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Vorsicht Schlangen!

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Raupen mit Vorlieben: Wolfsmilchschwärmer

  • Vorkommen: Nordafrika bis Europa; die Raupen ernähren sich von der giftigen Pflanze Zypressen-Wolfsmilch, die zum Beispiel auf Trockenrasen, Ruderalflächen oder in Kiesgruben wächst.
  • Größe: Flügelspannweite des Falters bis 80 Millimeter.
  • Warnung: Mit der leuchtend rot-schwarz-weißen Färbung weisen ältere bis zu 8 Zentimeter lange Raupen ihre Fressfeinde auf den giftigen Magen- und Darminhalt hin und schützen sich so. Ihr orange-rotes Analhorn mit seiner schwarzen Spitze ähnelt zudem einem Stachel. Junge Raupen sind grün gefärbt.

Brombeerspinner

  • Vorkommen: Europaweit, bevorzugt auf Trocken- und Feuchtwiesen, an Waldrändern und in Mooren. Die Raupen fressen die Blätter von, zum Beispiel Schlehensträuchern, Brombeeren, Klee oder Wicken. Die Raupen sind Einzelgänger und verstecken sich am Tag unter Steinen.
  • Größe: Flügelspannweite von 38 bis 68 Millimetern.
  • Warnung: Die behaarte Raupe sollte man nicht anfassen. Die Härchen brechen ab und können beim Menschen Allergien auf der Haut auslösen. Wenn sie Gefahr wittern, ringeln sie sich zusammen und bleiben minutenlang in dieser Stellung liegen.

 

 

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