17.04.2019 - 11:23 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

In sieben Tagen über die Alpen

Martina Beierl und Christine Hollederer sind vom Tegernsee nach Sterzing gewandert - insgesamt 140 Kilometer. Die beiden Frauen bewältigten dabei pro Tag bis zu 1000 Höhenmeter.

Martina Beierl und Christine Hollederer (von links) überquerten in sieben Tagen zu Fuß die Alpen.
von Autor LSTProfil

Von Deutschland über die Alpen nach Italien – seit Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe vor über 200 Jahren seiner Reisen nach Italien niedergeschrieben hat, ist der Mythos „Alpenüberquerung“ so richtig in den Köpfen der Menschen angekommen. Goethe wählte die Route über den Brenner nach Oberitalien. Alpine Wege, Einkehr-Möglichkeiten auf Almen und Schutzhütten gab es damals noch nicht. Die meisten Gipfel waren noch unbestiegen.

Heute gibt es mehrere Wege über die Alpen. Die bekanntesten sind die Verbindung von Oberstdorf nach Meran entlang des Europäischen Fernwanderweges Nummer 5 und die Strecke von München nach Venedig. Beide Routen sind aufgrund schwieriger Bergwege konditionell sehr anspruchsvoll. Zur die Überquerung vom Tegernsee nach Sterzing entschlossen sich die Weidenerin Martina Beierl, ehemalige Ramasuri-Redakteurin, OTV-Moderatorin und Inhaberin eines Medienbüros, sowie Christine Hollederer, frühere OTV-Redakteurin und jetzige Pressesprecherin des Landkreises Amberg-Sulzbach.

„Die vom Tegernsee über den Achensee und das Zillertal nach Sterzing verläuft auf leichten bis mittelschweren Wegen durch grandiose und abwechslungsreiche Landschaften“, begründen Beierl und Hollederer ihre Wahl. Weitere Gründe: Im Vergleich zu anderen Alpenüberquerungen sind die einzelnen Etappen so ausgewählt, dass sie vom normal geübten Wanderer zu bewältigen sind. Zudem werden einige Abschnitte mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt. Weiterhin ist Tegernsee quasi die „zweite Heimat“ der Landkreis-Pressesprecherin.

Die hatte schon mal mit Anfang 20 die Idee, die Alpen mit dem Fahrrad zu überqueren. „Ich wollte damals etwas Besonderes machen“, erinnert sie sich. Allerdings wurde aus diesem Plan aus beruflichen und privaten Gründen nichts, bis sie eben zusammen mit ihrer Freundin aus Weiden die Pläne für die Wanderung schmiedete und schließlich umsetzte. „Nachdem wir uns hervorragend verstehen und schon gemeinsam im Urlaub waren, brauchte ich nicht lange überlegen. Ich war sofort dabei“, sagt Martina Beierl.

Von der Gesamtdistanz von 220 Kilometern mussten die beiden Frauen immerhin 140 Kilometer zu Fuß bewältigen. Sie hatten für die gesamte Tour sieben Tage eingeplant, was sie so auch realisieren konnten. Pro Tag wanderten sie zwischen drei und sieben Stunden und bereisten so drei Länder binnen einer Woche. Zum Teil absolvierten Martina Beierl und Christine Hollederer pro Etappe rund 1000 Höhenmeter, zum Teil ging es auf über 2000 Meter über Meereshöhe. „Das Angenehme dabei war, dass wir keine Klettersteige gehen mussten“, erinnert sich Martina Beierl.

Dass die Tegernsee-Route nach Norditalien dennoch kein Zuckerschlecken ist, war den beiden von Anfang an klar. „Sie wird zwar als mittelschwer beschrieben. Aber vorbereiten sollte man sich schon darauf, er ist nicht in Gänze harmlos“, ergänzt Christine Hollederer. Die ehemalige Fußballerin, die früher in der Jugendnationalmannschaft sowie für den 1. FC Nürnberg und den FC Bayern München in der Regionalliga gekickt hat, wollte sich da keine Blöße geben, engagierte einen Personal-Trainer und machte sich so für die Reise fit.

Etwas entspannter sah hingegen Martina Beierl die Vorbereitung: „Nachdem ich sowieso sportlich bin, machte ich im Vorfeld nichts anderes als sonst auch.“ Wobei grundsätzlich die Tour der beiden eh unter dem Motto „Die Berge genießen“ stand. „Das war es unterm Strich dann auch. Jede Etappe bot eine unterschiedliche und faszinierende Landschaft, die ungemeine Ruhe ausstrahlte“, blickt Martina Beierl zurück.

Besonders in Erinnerung geblieben ist der Werbefachfrau die Region um den Schlegeisee, die ihrer Meinung nach etwas vom „Hobbit-Land“ aus "Herr der Ringe" hat. Christine Hollederer hingegen fand den Steig am Achensee, den sogenannten „Bruno der Bär“-Weg, besonders bemerkenswert. „Das waren wirklich unvergessliche Eindrücke“, so die beiden Frauen.

Eindrücke, die sie vielleicht auf der gleichen Strecke nochmals machen wollen. Denn: „Von den sieben Tagen, die wir unterwegs waren, hatten wir drei Tage lang nicht so tolles Wetter und konnten so die Aussicht kaum genießen.“ Heißt konkret: Hollederer und Beierl sind auf den Geschmack gekommen. Die Planungen für einen erneuten Wander-Trip in oder über die Alpen laufen. Weiteres mögliches Ziel: der Lechweg.

Der bietet nämlich ein einzigartiges Naturerlebnis, von der Landschaft geprägte Menschen und wahrlich sagenhafte Geschichten. Auf rund 125 Kilometern begleitet der Wanderer den Lech. Von seiner Quelle nahe des Formarinsees im österreichischen Bundesland Vorarlberg bis hin zum Lechfall in Füssen im Allgäu. Der Lechweg führt unter anderem an einer der größten Steinbock-Kolonien Europas vorbei und verbindet fünf Regionen sowie zwei Länder mit ihren Traditionen und Geschichten.

Besondere Bekanntschaft: Auf der Tour über die Alpen kamen die beiden Frauen nicht nur einmal Kontakt mit Kühen.
Geschafft: Die Route endete in Sterzing, der nördlichsten Stadt Italiens.
Der Steig am Achensee – einfach Genuss pur.
Die Landschaft in den Bergen – abwechslungsreich und faszinierend.

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