11.05.2022 - 11:34 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Simultankirchenfest im Max-Reger-Park zur Eröffnung des 360 Kilometer langen Simultankirchen-Radwegs

Der ökumenische Simultankirchenradweg ist fertig. Die Strecken sind beschildert, es gibt eine Karte, eine Webseite und eine offizielle Eröffnung mit Radl-Sternfahrt zu Gottesdienst und Fest im Weidener Max-Reger-Park.

von Helmut KunzProfil

Mit einer Radl-Sternfahrt endete am Samstag die Projektphase des 360 Kilometer langen Simultankirchen-Radwegs. Die Idee, Weiden mit den umliegenden Landkreisen Neustadt, Tirschenreuth und Amberg-Sulzbach zu verbinden und dabei Kirchen mit einer besonderen Geschichte einzubinden, die von beiden Konfessionen genutzt werden, war bereits vor zwölf Jahren entstanden. Inzwischen existiert eine eigene Radlkarte und die Strecke ist komplett beschildert. Der Radweg besteht aus zehn Einzelrundwegen von jeweils etwa 30 Kilometern.

Über 80 Radler aus Kohlberg, Etzenricht, Rothenstadt, Grafenwöhr, Erbendorf, Neunkirchen, Mantel, Birgland und der Region um Sulzbach-Rosenberg hatten sich in den Max-Reger-Park aufgemacht. Dort feierten sie bei herrlichem Wetter gemeinsam mit Weidener Bürgern das Simultankirchenfest „Ökumene On Tour“. Wer etwas kräftiger in die Pedale getreten war oder einen kürzeren Weg hatte, der durfte bereits am Mittag mit Türmer Christian Stahl den Kirchturm von St. Michael besteigen und die Innenstadt aus der Vogelperspektive betrachten. Vorausgesetzt er hatte sich im Vorfeld angemeldet. Um 16.30 Uhr gab es eine weitere Möglichkeit zum Turmbesuch. Bettina Hahn vom Evangelischen Bildungswerk Oberpfalz hatte zu einer Kirchenführung in St. Michael eingeladen. Auch St. Sebastian war zu besichtigen.

Zur selben Zeit eröffneten im Park Verpflegungs- und Getränkestände zur Einstimmung auf den ökumenischen Gottesdienst mit Regionalbischof Klaus Stiegler aus Regensburg, Regionaldekan Manfred Strigl aus Johannistal, Pfarrer Roland Klein, Pfarrer Konrad Schronbaum und Pfarrer in Rente Hans-Peter Pauckstadt-Künkler, dem Vorsitzenden des Fördervereins Simultankirchen in der Oberpfalz. Der Regionalbischof stellte das Gleichnis vom Weinstock in den Mittelpunkt seiner Predigt und machte deutlich, dass Jesus gerne Bilder für seine Gleichnisse verwendet habe. An den Gottesdienst schloss sich ein kreativ-buntes Programm an. Der Bezirksposaunenchor stand unter Leitung von Ulrike Kummer. Liedermacher Hubert Treml präsentierte unter anderem seine beiden, speziell für das Simultankirchenfest geschriebenen Songs "Von Kirch zu Kirch radeln" und "Über allen Radwegen".

Unter Moderation von Bettina Hahn und Hans Stelzl sprachen Hans-Michael Pilz, Leader-Koordinator für die Oberpfalz, Thomas Berthold, evangelischer Pfarrer in Grafenwöhr/ Pressath und der stellvertretende Vorsitzende im Förderverein Simultankirchen, Pfarrer Roland Klein, über die Entwicklungsstationen des Radwegenetzes. Landtagsabgeordneter Stephan Oetzinger, der die Route 5 im Jahr 2015 mit eröffnet hatte und Bürgermeister Reinhold Wildenauer, Koordinator der Route 6, erzählten von ihren persönlichen Erfahrungen auf den jeweiligen Strecken.

Professor Gerhard Waldherr von der Agentur „Cultheca“ (Kulturpädagogik & Kommunikation Regensburg) präsentierte die zehn Routen, von denen jede einen thematischen roten Faden habe. Besonderheiten aus der Kunst- und Kirchengeschichte spielten dabei ebenso eine Rolle, wie die Natur oder interessante Entdeckungen zu wirtschaftlichen Entwicklung der jeweiligen Region. Geehrt wurde die größte Radler-Gruppe, die aus Kohlberg und Etzenricht von Route 7 mit über 30 Teilnehmern kam. Die mit zwei Teilnehmern kleinste angemeldete Gruppe hatte aus dem Birgland die weiteste Anreise. Der jungste Radler war 6 Jahre, der älteste zählte 87 Lenze.

Info:
  • Route 1: „Im Birch ist die Welt nu‘ in Ordnung“ – die Kirche im Lebensrhythmus des Dorfes. 30 km ab Weigendorf. Auf dieser Route stehen typische Dorfkirchen im Fokus, die typisch sind für die Kirchen auf dem Land, die als feste Organisationsstruktur das Leben der Menschen entscheidend prägten. Kirchen: St. Johanneskirche in Högen, St. Margareta in Frankenhof und St. Willibald in Fürnried.
  • Route 2: Kirchenbauten durch die Jahrhunderte – Architektur und Kunst. 23 km ab Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg. Der spezielle Aspekt der Route liegt darauf, einen Blick auf die Architektur und Kunstwerke der Kirchen als Ausdruck von Glauben und Frömmigkeit zu werfen. Kirchen: St. Peter und Paul in Neukirchen b. Sulzbach-Rosenberg, St. Ulrich in Kirchenreinbach und St. Nikolaus in Etzelwang. St. Margareten in Ernhüll, ehem. Kirche St. Martin Ermhof.
  • Route 3: Was es alles zu entdecken gibt! – interaktive Familientour mit Actionbound – virtuelle Schnitzeljagd. 26 km ab Edelsfeld. Kirchen: St. Stephanus in Edelsfeld, St. Joseph in Niederärndt, St. Laurentius in Kürmreuth, St. Georg in Königstein, Corpus Christi in Eschenfelden, Schlosskapelle St. Katharina in Holnstein, St. Veit in Weißenberg.
  • Route 4: Im Kern des Geschehens – Geschichte(n) zum Simultaneum. 57 km ab Sulzbach-Rosenberg. Die längste und mit 10 Simultaneen auch die kirchenreichste Tour. Sie beginnt in Sulzbach-Rosenberg, dem Ort, von dem die Idee des Simultaneums durch Pfalzgraf Christian August 1652 für sein Herrschaftsgebiet ausging – also im Kern des Geschehens, auf das wir in allen Touren blicken! Deshalb stehen bei dieser Schleife die Geschichte des Simultaneums und die unterschiedlichen Kirchentypen, die simultan genutzt wurden, im Vordergrund. Kirchen: Sulzbach-Rosenberg: St. Marien, Spitalkirche St. Elisabeth, Friedhofkirche St. Georg, Schlosskapelle St. Nikolaus, ehem. Spitalkirche St. Wenzel, St. Johannis, ehem. Kirche St. Barbara in Siebeneichen, St. Margareten in Frankenhof, Simultankirche in Illschwang, St. Magdalena in Götzendorf, St. Michael in Poppenricht.
  • Route 5: Entschleunigen und Loslassen – Spiritualität und Meditation. 37 km ab Mantel. Die Schleife ist auch als Familientour mit Kindern im Grundschulalter geeignet. Die während der Fahrt erlebbare wunderschöne Natur, die immer wieder zum Innehalten und Loslassen einlädt, gab der Tour ihr Motto. Kirchen: Laurentiuskirche in Hütten, Martinskirche Kaltenbrunn, Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit in Freihung, Katharinenkirche Thansüß, St. Peter und Paul in Mantel.
  • Route 6: Gestalteter Glaube – Wie finden Glaube und Frömmigkeit Ausdruck und Gestalt im Kirchenraum? 48 km ab Neustadt/WN. Panoramaweg um die Weidener Bucht, bei dem der über Jahrhunderte von Menschenhand geprägte Kulturraum ins Auge fällt. Kirchen: St. Ulrich Wilchenreuth, St. Michael Weiden, St. Bartholomäus in Rothenstadt, St. Dionysius in Neunkirchen, St. Pankratius in Parkstein.
  • Route 7: „Die Kirche im Dorf lassen“ – Dorfkirchen und Herrschaft. 37 km ab Rothenstadt. Wir wollen bei dieser Route einmal die „Kirche im Dorf lassen“ und uns neben der Landschaft mit dem Thema Dorfkirche und Herrschaft in früheren Zeiten beschäftigen. Was macht denn eine Dorfkirche aus? Welche Abhängigkeiten zwischen der Kirche als Institution und den weltlichen Herrschern waren denn für die Menschen einst wirkkräftig? Und wie wurden diese Abhängigkeiten sichtbar und spürbar? Welchen Platz hat die Kirche im Dorf? Kirchen: St. Bartholomäus in Rothenstadt, Nikolauskirchen in Etzenricht und Kohlberg.
  • Route 8: „Des einen Freud‘, des anderen Leid“ – Simultaneum vor Ort. Simultaneum – eine innovative Idee in der Praxis. 41 km ab Neustadt/WN. Welche Herausforderungen verbanden sich mit der Umsetzung des Simultaneums für die Gemeinden? Manche Streitereien aus dieser Zeit lassen erahnen, dass das Zusammenleben nicht einfach war. Kirchen: St. Peter und Paul in Püchersreuth, St. Michael in Schönkirch, St. Georg im Plößberg, St. Johannes Baptista in Floß.
  • Route 9: Granit und Gneis – Vom Türstock bis zum Taufstein – Die Gesteine der nordöstlichen Oberpfalz als regionale Baumaterialien in den Kirchen. 44 km ab Flossenbürg. Bei dieser Fahrt legen wir den Fokus auf die einheimischen Materialien – v.a. auf das lokale Granitgestein, die in den Kirchen bzw. bei deren Bau Verwendung fanden. Kirchen: St. Pankratius in Flossenbürg, Simultankirche St. Johannes der Täufer in Altenstadt, Evang. Stadtkirche Vohenstrauß.
  • Route 10: Eine Region im Umbruch – Kirche und Wirtschaft. 40 km ab Windischeschenbach. Bei dieser Tour wird erkennbar, welch gravierende wirtschaftliche Veränderung die Nördliche Oberpfalz in den letzten drei Dezennien durchgemacht hat bzw. welch grundlegender Strukturwandel sich in dieser Region auch derzeit noch vollzieht. Die Rundfahrt soll auch zeigen, wie die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung der Region die kirchliche Situation, speziell auch das Simultaneum beeinflussten. Kirchen: St. Johannes Baptista in Kirchendemenreuth, St. Jakobus in Wildenreuth, Mariä Himmelfahrt in Erbendorf, Ägidienkirche in Thumsenreuth, Leonardikirche in Krummennaab.
 
 

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