14.03.2021 - 11:12 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Sozialamt: Neuer Jugendtreff wäre "enorme Bereicherung"

Ein erstes Konzept für einen neuen innerstädtischen Jugendtreff liegt auf dem Tisch. Das Sozialamt lobt es überschwänglich. Was wünschen sich Weidens Schüler für den "Scout"-Nachfolger? Das soll derzeit eine Online-Umfrage klären.

Das Schülercafé "Scout" muss nach zehn Jahren auf der Allee schließen. Anschließend könnte ein neuer Jugendtreff in Betrieb gehen – falls der Stadtrat dem SPD-Vorschlag zustimmt.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Das Schülercafé "Scout" ist bald Geschichte, nicht aber die Idee eines Jugendtreffs in der Mitte der Stadt. Mit einer deutlichen Stellungnahme unterstützt jetzt das Sozialamt Weiden den Antrag der SPD, dem Stadtjugendring (SJR) die Leitung des neuen Treffs zu übertragen. Dass es ihn braucht, untermauert das Amt ebenfalls: "In Weiden gibt es mit dem Juz lediglich eine Anlaufstelle für eine offene, niederschwellige Jugendarbeit. Im Innenstadtbereich, der untertags aufgrund der Vielzahl an vorhandenen Schulen von vielen jungen Menschen frequentiert wird, ist keinerlei Anlaufstelle für Jugendliche vorhanden." Nachzulesen ist das im Vorlagebericht zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Dienstag, 16. März (Beginn um 14.30 Uhr in der Max-Reger-Halle, Schlör-Saal).

Überraschendes Aus für das Schülercafé

Weiden in der Oberpfalz

Wie berichtet, hatte sich im November eine Stadtratsmehrheit ohne Angabe von Gründen gegen den Weiterbetrieb des Schülercafés durch das Kolping-Bildungswerk entschieden. Mit dem Ende des Treffs auf der Allee wollte sich die SPD nicht abfinden. Sie schlug im Januar ein neues Konzept vor, bei dem der SJR eine tragende Rolle spielt. Der hat seine Pläne inzwischen mit dem städtischen Sozialdezernenten, Wolfgang Hohlmeier, konkretisiert. "Das Konzept zeigt auf, dass im Jugendtreff eine gut abgestimmte und zielführende Jugendarbeit stattfinden wird", teilt die Stadtverwaltung mit. Probeweise soll der neue innerstädtische Jugendtreff in den gewohnten Räumen bis zum Ende des Mietvertrages am 30. Juni 2024 betrieben werden. "Erst nach Auswertung der Zahlen aufgrund der Evaluierung durch den SJR kann/muss über den Jugendtreff als Dauereinrichtung diskutiert werden." Zwei Sozialpädagogen sollen ihn leiten. Der Grundlagenvertrag zwischen Stadt und Jugendring müsste entsprechend erweitert werden.

"Völlig andere Ausrichtung"

Im Vergleich mit dem bisherigen Schülercafé erkennt das Sozialamt beim künftigen Treff andere Ansätze. "Der Betrieb des Schülercafés Scout hatte eine völlig andere, damals gewollte, Ausrichtung und hat sich durch das Angebot der Ganztags-/Nachmittagsbetreuung der Schulen einschließich Angebot einer Mittagsverpflegung usw. überholt", heißt es im Vorlagebericht. "Der nun geplante Jugendtreff hat einen ganzheitlichen Ansatz der offenen Jugendarbeit unter Einbezug des Netzwerkes und steht für eine komplette Neuausrichtung der offenen Jugendarbeit in der Stadt Weiden. Ebenfalls werden die Synergieeffekte und gegebenenfalls Einsparpotenziale durch die enge Zusammenarbeit mit dem Juz und dem SJR genutzt."

Die Rede ist von "vier Säulen": "Jugendbüro, Offener Betrieb, Pop-Up-Events, Special Events". Sie seien "die Basis und der Garant für eine gelingende Inbetriebnahme des Jugendtreffs in der Innenstadt unter Einbezug der Angebotswünsche junger Menschen". Angestrebt werde eine Zusammenarbeit mit der Jugendberufsagentur. Auch Hilfe bei der Anfertigung von Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz, wie sie im Jugendzentrum seit vielen Jahren angeboten wird, sei denkbar. Die jungen Besucher könnten Verantwortung übernehmen, indem sie Veranstaltungen mit vorbereiten, den Treff generell mitgestalten und sich in verschiedenen Diensten wie als Thekenkraft übten.

Online-Umfrage unter Schülern

Bei der finalen Besprechung des Konzeptentwurfs zwischen dem Stadtjugendring und dem Sozialamt habe auch die Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) "wertvolle Impulse für die Gründung des Jugendtreffs" beigesteuert. So sei eine Nachhilfeeinrichtung als Tutorensystem angeregt worden. Die Nutzung der Räume für Veranstaltungen der JaS sei ebenfalls Bestandteil des Konzepts. Fertig ist es noch nicht, wie der Vorlagebericht zu verstehen gibt. Eingearbeitet werden soll noch eine Online-Umfrage, die sich an alle Schüler der 8. bis 13. Jahrgangsstufe richtet. Ziel sei, "die Wünsche und Bedürfnisse der zukünftigen Besucher des Jugendtreffs genau bestimmen zu können". Die Umfrage startete der Jugendring in Zusammenarbeit mit der Fachoberschule.

Das Fazit des Sozialamtes fällt fast überschwänglich aus: "Eine Umsetzung des Konzeptentwurfs in Form der Errichtung eines Jugendtreffs in den Räumen des Schülercafés Scout ist sehr gut vorstellbar und wird die offene Jugendarbeit innerhalb der Stadt Weiden enorm bereichern." Auch in den Augen von Stadträten, die eher den Kostenfaktor im Blick haben? Wohl insbesondere an sie richtet sich der letzte, fett gedruckte Satz im Verwaltungsbericht: "Eine gute Jugendarbeit ist für eine Stadt ein entscheidender Standortfaktor."

SPD-Initiative für eine Nachfolgelösung

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Jugendtreff auf der Allee: Die Vorgeschichte

  • Schülercafe "Scout" eröffnet 2001 im Café Dostler als Einrichtung der Jugendhilfe
  • Umzug 2011 ins ehemalige Café Schaller auf der Allee
  • Träger ist die Stadt, Betreiber von 2013 bis August 2021 das Kolping-Bildungswerk
  • Besucherzahlen: 2019: 3774 Gäste. Durchschnittlich 315 Besucher pro Monat. Januar bis 15. März 2020: 806 Gäste. Durchschnittlich 323 pro Monat.
  • November 2020: Eine Stadtratsmehrheit aus CSU, Bürgerliste, FDP/Freie Wähler, ÖDP und AfD beschließt ohne Angabe von Gründen, den Betrieb nicht mehr neu auszuschreiben
  • Januar 2021: Die SPD beantragt einen neuen Jugendtreff auf der Allee unter Regie des Stadtjugendrings

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.