10.09.2021 - 17:41 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Sozialer Wohnungsbau auf dem TB-Gelände in Weiden schon jetzt ein Vorzeigeprojekt

Zu wenig Wohnraum, hohe Grundstückspreise. Wohnraumbeschaffung braucht innovative Ideen. Die Stadt Weiden wagt mit dem Wohnpark auf dem ehemaligen Turnerbundgelände Neues. In der Oberpfalz stößt das Vorhaben auf großes Interesse.

Im zweigeschossigen Querriegel sind die größeren Wohnungen untergebracht. Sie haben Gartenanteile. Zur Vorderseite hin werden Fahrradstellplätze angelegt. Ihre Einhausungen bilden zu den Wohnungen hin kleine Innenhöfe.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Die Stadt geht neue Wege und setzt beim Wohnbauprojekt Turnerbund auf dem ehemaligen Sportgelände am Hammerweg auf sozialgebundenen Wohnungsbau. Rund 100 Wohnungen entstehen, finanziert aus verschiedenen Fördertöpfen. Weitere rund 200 Wohnungen sollen private Investoren und Bauherren verwirklichen. Erste Gespräche laufen. Der Bebauungsplan steht nach knapp eineinhalb Jahren und muss zur Genehmigung noch den Bau- und Planungsausschuss (16. September) und den Stadtrat (27. September) passieren. Baubeginn könnte im Frühjahr 2022 sein. Schon jetzt sorgt das Vorhaben auch überregional als Beispiel für nachhaltig geförderten Wohnungsbau für Aufmerksamkeit.

Für den Bund Deutscher Architekten (BDA), Kreisverband Niederbayern-Oberpfalz, ein Grund mehr, in Kooperation mit der Stadt Weiden zum Thema „Neues Wohnen in der Oberpfalz“ in die Turnhalle der Hammerwegschule einzuladen. Für Oberbürgermeister Jens Meyer ist es ein „wegweisendes Projekt“. Die Bereitschaft vieler Kommunen, sich im sozialgebundenen Wohnungsbau zu engagieren, sei gering. Weiden wolle hier ein Zeichen setzen. Das ganze Projekt ziele auf eine hohe Dichte ab, ohne die Wohnqualität zu schmälern.

Chance für Weiden

Das fanden auch die Redner am Donnerstagabend, unter anderem vom BDA („Wohnen im Ortskern als Chance“), der Regierung der Oberpfalz („Freuen uns auf dieses Projekt“) und der KfW-Bank („Fördertöpfe sind voll“). Zwei Oberpfälzer Bürgermeister erzählten von ihren erfolgreichen Projekten („Man muss sich nur trauen“), neuen Wohnraum zu schaffen. Unter den rund 60 Zuhörern waren Architekten aus der Region, Bürger und einige wenige Stadträte.

Ein erster Austausch war bereits beim vorangestellten Rundgang über das Turnerbundgelände möglich. Architekt Florian Dilg und seine Kollegin Nicole Manz waren dafür aus München angereist. Das Planungsbüro Zwingel und Dilg hat 2018 den Ideenwettbewerb der Stadt gewonnen und leistet die Planungsarbeit.

Die Gruppe marschierte von den Tennisplätzen des TC Grün-Rot einmal quer über den ehemaligen Sportplatz zum Turnerweg auf Höhe der Striegl-Kapelle und wieder zurück. Die Stadt plant auf der 3,5 Hektar großen Fläche in zwei Bauphasen. Für das Vorhaben mit rund 22,5 Millionen Euro Gesamtkosten fließen 7 Millionen Euro Fördergeld. „Ein phantastisches Projekt auf einem phantastischen Gelände“, schwärmte Architekt Karlheinz Beer aus Weiden. Was genau die Stadt auf ihrer Baufläche vorhat, erläuterte Architekt Dilg:

Das TB-Grundstück

Der Grüngürtel ist herausragend. Der Planer sieht den Baumbestand als „fünfte Fassade“ – fürs Wohlbefinden und als Lärmschutz. Bis auf zwei bis drei Bäume im Turnerweg (für die Einfahrt zur Tiefgarage zu den Sozialbauten) werde hier nichts abgeholzt. Zwischen den Häusern wird es später viel Freiflächen geben, auch zur gemeinsamen Nutzung.

Die Architektur

Insgesamt wird Co2-sparend gebaut, es entstehen sogenannte Hybridbauten. Beton bilde das tragende Element. Es könne schlank gebaut werden, da die Fassade wenig wiegt. Sie besteht aus Holzelementen (Wärmedämmung), die mit einer Vorvergrauungslasur eingelassen werden. Die Sockel werden weiß gestrichen.

Die zwei Häuserblöcke bestehen je aus einem zweigeschossigen Riegel mit „Kopfbauten“ an den Seiten mit „2+3“- und „2+5“-Geschossen. Die Riegel fassen die Einfamilienhäuser mit den größeren Wohnungen mit bis zu 100 Quadratmetern (5 Zimmer); die Wohntürme fassen zu rund 60 Prozent 1- bis 2-Zimmer-Wohnungen und zu 30 Prozent 2- bis 4-Zimmer-Wohnungen. Von allen Wohnungen aus gibt es Blickachsen ins Grüne.

Die Wohnungen

„Wir bauen sehr kompakt. Die Mieter müssen aber auf keinen Komfort verzichten“, sagt Dilg. In den Wohntürmen befinden sich pro Ebene vier Wohnungen mit Loggia. Auf dem Riegel dazwischen werden Dachgärten angelegt, die von allen Hausbewohnern genutzt werden können. Die „Reihenhäuser“ haben Gartenanteile. Im Erdgeschoss wird es auch behindertengerechte Wohnungen geben. Insgesamt gibt es 71 Wohnungen aller Größen.

Die Heizzentrale

Das frühere TB-Vereinsgebäude wird abgerissen. Hier entsteht die Heizzentrale (Pellets) für die gesamte Wohnbebauung auf dem Areal. Partner sind hier die Stadtwerke Weiden. „Damit greifen wir auch bei der Förderung regenerativer Energiequellen alles ab.“

Die Tiefgaragen

Der städtische Baubereich liegt im östlichen Bereich des TB-Geländes zum Turnerweg hin. Nach der Striegl-Kapelle wird es eine Zufahrt zur späteren Tiefgarage geben. Für einen weiteren Wohnblock in Bauphase 2 könnte es ein paar Meter weiter hinten (Richtung B 22) noch eine weitere Einfahrt geben.

Der Stadtrat hat im vergangenen Jahr beschlossen, dass bei Projekten des geförderten Wohnungsbaus die Anzahl der erforderlichen Stellplätze um 30 Prozent reduziert werden darf, und entsprechend die Stellplatzsatzung angepasst. Das spart Baukosten und damit Mietkosten. Das macht bei 71 Wohnungen (Bauphase 1) 73 Stellplätze, von denen 4 behindertengerecht und 10 Plätze oberirdisch als Besucherstellplätze geplant sind.

Der Mietpreis

Nach jetzigen Berechnungen liegt der Mietpreis im geförderten Wohnungsbau zwischen fünf und sechs Euro pro Quadratmeter. Natürlich könne es immer zu Schwankungen kommen.

Und die restliche Baufläche? Die westlich der Sozialwohnungen der Stadt liegenden Bereiche sollen durch private Investoren bebaut werden. Rund 200 Wohnungen seien geplant. Die Zufahrt erfolgt hier über den Turnerweg bei den Tennisplätzen in die dortigen Tiefgaragen. Hier wird auch ein achtgeschossiger Bau errichtet, als „markanter Einstieg ins Viertel“ sozusagen, sagt Projektleiter Dilg. Außerdem sind ein Mehrgenerationenhaus mit Café und Co-Working-Bereiche vorgesehen.

Der Boden sei im Vorfeld natürlich untersucht worden, ergänzte Oliver Seidel, Baudezernent der Stadt. „Wir haben die üblichen Aufschüttungen mit Resten aus der Porzellanindustrie gefunden. Wir koffern aus und bauen die Tiefgaragen rein.“

Das Wohnviertel selbst wird einmal komplett autofrei sein. Trotz seiner Dichte werde es eine hohe Wohnqualität aufweisen, sind sich die Verantwortlichen sicher.

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