19.08.2020 - 16:53 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Geplanter Wohnpark auf dem TB-Gelände Weiden: Architekt von Baumbestand begeistert

Mitten im Grün auf dem früheren Turnerbundgelände entsteht ein neuer Wohnpark. Spätestens 2022 soll Baubeginn sein. "Eine tolle Aufgabe“, sagt Projektleiter Architekt Florian Dilg im Interview mit Oberpfalz-Medien.

Florian Dilg, Architektur: Zwingel/Dilg, München, ist Projektleiter des Wohnbauprojektes auf dem Turnerbundgelände in Weiden.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Anfang des Jahres setzt sich der Entwurf des Architekturbüros Zwingel/Dilg aus München in Zusammenarbeit mit Landschaftsarchitekten Lex Kerfers, Bockhorn im Realisierungswettbewerb der Stadt „Wohnbebauung TB-Gelände“ gegen neun Bewerber durch.

ONETZ: Große Fläche, viel Grün. Träumt man als Stadtplaner davon, eine solche Fläche zu bebauen?

Florian Dilg: Nicht direkt. Von einer solchen Aufgabenstellung wie dieser träumt man aber schon, da sie sehr vielfältig ist. Wir planen auf der grünen Wiese die städtebauliche Gestaltung und können auch noch einen Teil der Häuser planen; entwerfen sozusagen bis ins Detail, vom leeren Grundstück bis hin zu den Fenstergriffen. Da ist der Architekt in seinem ganzen Können gefordert, und das gibt es nicht mehr oft.

ONETZ: Was ist das Besondere an dem TB-Projekt?

Florian Dilg: Besonders ist, dass die Stadt Weiden ein wirklich innovatives Konzept realisiert. Von den rund 300 Wohnungen entstehen 100 im geförderten Wohnungsbau. Das Ganze ist eingebettet in ein 3,5 Hektar großes Gelände mit altem Baumbestand. Durch eine verdichtete Bauweise können wir diesen weitgehend erhalten und auf verschiedenen Ebenen in die geplante Abfolge von Höfen und Durchblicken einbinden.

ONETZ: Was heißt das genau?

Florian Dilg: Wir arbeiten zum Beispiel mit unterschiedlichen Gebäudehöhen. Einer Mischung aus verdichteten Einfamilienhäusern, die als zweigeschossige „Reihenhäuser“ mit Gartenanteil angelegt sind, und mehrstöckigen „Punkthäusern“ mit Loggien und einem gemeinsamen Dachgarten an den jeweiligen Kopfenden. Von allen Wohnungen gibt es freie Blicke ins Grüne. Es werden keine Häuserschluchten entstehen.

ONETZ: Mussten Sie am Siegerentwurf noch viel nachbessern?

Florian Dilg: Wir haben den Entwurf optimiert, die Grundidee aber beibehalten. Vor allem unterirdisch hat sich das Projekt weiterentwickelt. Statt einer großflächigen Tiefgarage gibt es nun vier unterschiedlich große Tiefgaragen, die verschiedene Bauabschnitte ermöglichen. Oberirdisch wurden zwei Baukörper gedreht, damit keine Gärten im Norden liegen. Die Freiflächen konnten mit zusätzlichen Bäumen im Inneren des Gebiets neu gestaltet werden.

ONETZ: Im Wohnquartier ist auch ein Mehrgenerationenhaus geplant. Was hat es damit auf sich?

Florian Dilg: Das Mehrgenerationenhaus befindet sich mitten im Quartier, als lebendiger Ort. Das sechsstöckige Haus zählt 22 Wohnungen. Im Erdgeschoss sind Gemeinschaftsflächen vorgesehen, die von allen genutzt werden können. Dabei kann es sinnvoll sein noch nicht für alle Räume einen Zweck festzulegen. Man muß es dann aushalten, erstmal nutzungsfreie Räume herzustellen, aber gerade die bieten das Potential zur Aneignung durch die Bewohner. In einem vergleichbaren Projekt in München sind dadurch gute nachbarschaftliche Initiativen entstanden.

ONETZ: Die Nutzung gemeinsamer Räume ist überhaupt Thema der Planung.

Florian Dilg: Ja. So gibt unter anderem auch Gemeinschaftsflächen in den „Punkthäusern“. Das reicht von der Nutzung der Dachgärten mit angeschlossenen Räumen, bis hin zu den Waschküchen und Räumen, die z.B. als Bibliothek genutzt werden können. Auch im Außenbereich entstehen „gemeinsame“ Räume in Form von Spielstraßen und Höfen.

ONETZ: Das ist aber nur möglich, wenn dort keine Autos fahren?

Florian Dilg: Genau. Das Quartier ist im Inneren autofrei geplant und kann durchlaufen und durchradelt werden. Es gibt befestigte und begrünte Flächen ohne Abgrenzungen. Im Zugangsbereich zur neuen Wohnbebauung wird es Besucherstellplätze und die Tiefgaragenzufahrten geben. Natürlich wird die Zufahrt für Einsatzfahrzeuge, Müll- und Umzugswagen möglich sein.

ONETZ: Wie wertvoll ist das vorhandene Grün auf dem Gelände?

Florian Dilg: Das begeistert mich. Das sind echt tolle alte Bäume. Die parkartigen Strukturen bilden ja die „grüne Kulisse“ für das neue Quartier. Zugleich sind die Bäume auch eine natürliche Kante für die städtebauliche Raumbildung und bringen eine große Lebensqualität für die Bewohner. Es werden möglichst wenige Bäume fallen, an den Zufahrten und im Bereich Turnerweg, der als Hauptzufahrt zum neuen Wohngebiet ausgebaut wird. Das alles geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Landschaftsarchitekten.

Wohnen im Grüngürtel von Weiden: Das sind die Siegerentwürfe

Weiden in der Oberpfalz

Baubeginn spätestens Anfang 2022

Weiden in der Oberpfalz
Die Architekten Angelika Zwingel und Florian Dilg aus München bei der Vorstellung ihres Siegerentwurfs zur Wohnbaulandentwicklung auf dem Turnerbundgelände im Februar 2020.
Info:

Die Planer aus München

Das Büro "Architektur:Zwingel/Dilg" aus München setzte sich Anfang des Jahres mit seinem Entwurf im Realisierungswettbewerb der Stadt Weiden für das Projekt "Wohnbebauung TB-Gelände" gegen neun Bewerber durch. Die planerische Umsetzung erfolgt in Zusammenarbeit mit Lex Kefers Landschaftsarchitekten, Bockhorn.

2007 wurde das Architekturbüro in München von Florian Dilg und Angelika Zwingel gegründet.

"Zentraler Leitgedanke in unserer Architektur ist das intelligente Konzept. Wir stehen für individuelle, bedarfsorientierte Lösungen", sagen sie über sich.

Florian Dilg wuchs in München auf und studierte an der Hochschule Architektur. Seit 2000 ist er eingetragener Architekt, seit 2008 Stadtplaner. Seine Handschrift tragen unter anderem der Bau der Universität Passau oder die Eissporthalle in Dresden.

Angelika Zwingel wuchs in Nürnberg auf, studierte an der Hochschule in München und absolvierte 1998 ein Masterstudium an der Parsons School of Design in New York City. Wie Dilg sammelte sie Praxiserfahrung in verschiedenen Architekturbüros. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind unter anderem innovative Büroumgebungen und Stadtraumgestaltung. (shl)

 

 

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